Drouot: Mehr Lack als Emaille?

Auktionen vom 27. und 28. September sorgen für Unruhe bei den Sammlern

210.000 Euro zuzüglich 24% Aufgeld für ein emailliertes Werbeplakat in Den Haag, rund 1.900 Bieter – vor Ort und online – in Worms: Der Markt für historische Reklameobjekte leidet weder unter Corona noch unter Wachstumsschwäche. Ob Blechschilder, Reklamefiguren, Warenautomaten oder Emailleplakete: Die steigende Nachfrage bestimmt auch den (steigenden) Preis. Aber längst nicht alles, was glänzt, ist Emaille!

Sie findet seit Wochen viel Beachtung, die nun kurz bevorstehende, auf zwei Tage veranschlagte, Auktion der Veranstalter ‘Baron Ribeyre & Associés’, die im Traditionshaus Drouot in Paris über die Bühne gehen wird. Rund 600 Posten sind im Angebot, darunter etliche Raritäten, auf die es die internationale Sammler-Community besonders abgesehen hat.

Sammler.Net vorliegenden Informationen zufolge hapert es aber bei den Zustandsbeschreibungen im (Online)Katalog des Versteigerers gewaltig. Bei vielen Objekten werde einfach verschwiegen, dass sie übermalt, überlackiert oder sonstwie restauriert worden seien, beklagt sich etwa ein französischer Reklameliebhaber. Das entspräche nicht dem, was er es von anderen Auktionen bei Drouot gewohnt sei.

In sozialen Netzwerken, wie hier bei Facebook, prangern Sammler die (fehlenden) Zustandsbeschreibungen der Auktionen vom Montag, 27. und Dienstag, 28. September bei Drouot in Paris an (Bild: Screenshot/Facebook)


Zu den Exponaten, auf den diese mangelhafte Zustandsbeschreibung zuträfe, soll es sich laut Aussagen des erwähnten Sammlers, u.a. um Emailleschilder mit Werbung der Marken Banania, Nestlé, Ardennaise, Marshall, Champigneulles, Gangloff, Spa, Chocolat Delespaul Havez, Menier und Valda handeln. Aber auch weitere Schilder seien betroffen.

Wir haben uns die Verkaufsangebote inkl. Zustandsbeschreibung angesehen und können bestätigen, dass diese in der Tat nicht die Präzision an sich sind (gelinde ausgedrückt). Bestenfalls wird ganz am Schluss der jeweiligen Artikelbeschreibung mit einem einzigen Wort wie ‘Accidents’ (was soviel wie ‘Unfälle’ bedeutet) oder mit ‘Repeints’ (Übermalungen) ein Hinweis gegeben. Was und wie es ‘verunfallt’ sein soll, oder wo und womit es übermalt wurde, darf man erraten. Die Bilder jedenfalls lassen nicht eindeutig auf den Zustand schließen.

In der Tat enstprechen die Zustandbeschreibungen im Auktionskatalog nicht dem bei Sammlern gewohnten Standard: Nur unzureichend wird der Zustand des Loses beschrieben. Das verunsichert potentielle Käufer. (Foto: drouotonline.com)

Fazit: Wer am Montag und/oder Dienstag online mitbieten will, sollte – noch mehr als sonst schon – die nötige Vorsicht walten, oder – wie der Autor dieser Zeilen – ganz die Finger davon lassen, wenn er nicht vor Ort das Ganze im ‘real life’ begutachten kann!


==> Siehe auch unseren Beitrag: Emaille-Raritäten: Nicht nur die Rotterdamsche Lloyd … – Das Portal zum Thema Sammeln (sammler.net)

Link zum Veranstalter: COLLECTION D’ART PUBLICITAIRE VENTE LES 27 et 28 SEPTEMBRE 2021 LOT 1 à 266 (drouotonline.com)

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