Von der Inspiration eines Engels bis zur goldenen Ära der Werbung: die Geschichte des Aperitifs St. Raphaël ist so reichhaltig und aromatisch wie das Getränk selbst. Seit 1830 verführt der bittersüße Quina-Wein die Gaumen der Franzosen und ist dabei fest mit der Kulturgeschichte des Landes verwoben.

Alles beginnt im Jahr 1830, als der französische Arzt Adémar Juppet an einem belebenden Elixier aus Chinarinde und Wein tüftelt. Die langen Nächte im Labor zehren an seiner Gesundheit, insbesondere an seinem Augenlicht. In seiner Not erinnert sich Juppet an den biblischen Erzengel Raphael, der den jungen Tobias von der Blindheit heilt.
In der Hoffnung auf göttlichen Beistand – so die Legende – widmet er sein Getränk diesem Himmelsboten und siehe da: Die Sehkraft kehrt zurück, das Rezept gelingt. So wird St. Raphaël geboren, ein Aperitif mit quasi “göttlicher” Herkunft.

Zur Jahrhundertwende feiert St. Raphaël seinen internationalen Durchbruch. Auf der Weltausstellung 1900 in Paris beeindruckt die Marke nicht nur mit einem eigenen Pavillon am Trocadéro, sondern auch mit einem spektakulären Auftritt: einer Riesen-Montgolfière in Markenfarben, gesteuert vom bekannten Luftfahrtpionier Léon Lair. Ein Werbecoup, der in die Geschichte eingeht!
1936–1953: Die goldene Ära der Grafik mit Charles Loupot
Eine Ikone entsteht: 1932 tauchen zum ersten Mal die beiden legendären „Garçons de café“ auf – charmant, stilisiert, und unverkennbar. Der eine in Rot für den roten St. Raphaël, der andere in Weiß für die Ambre-Version.
Inspiriert von den Schauspielern Armand Bernard und Paul Marien (alias Pauley) werden die „Zwillinge“ schnell zu den sympathischen Gesichtern der Marke, Sinnbilder französischer Lebenskunst.

Ein Meilenstein der Markenästhetik ist die Zusammenarbeit mit dem legendären Plakatkünstler Charles Loupot, die 1936 beginnt. Unter der kreativen Leitung von Max Augier, dem späteren Markenchef, entsteht ein unverwechselbarer visueller Stil: modern, geometrisch, klar.
Bei der Pariser Weltausstellung 1937 inszeniert Loupot die „Garçons“ schwebend über dem Champ de Mars in den Farben der Trikolore: die Marke verschmilzt mit französischer Identität.
Nach dem Krieg bringt Loupot 1953 das ikonische Plakat der beiden Garçons in Frontalansicht heraus – ein Bild, das in zahllosen Variationen zum Markenzeichen wird.
1950er: Kunst auf Wänden und Rädern
Zusammen mit Künstlern wie Rolf Ibach lässt St. Raphaël in den 1950er Jahren seine Werbebotschaften regelrecht explodieren: über 3000 Wandgemälde-Reklamen entstehen in ganz Frankreich, Fahrzeuge rollen in den Farben der Marke und mit dem Design von Charles Loupot durch die Straßen. Die kreative Kraft der Marke ist allgegenwärtig, eine Verbindung von Populärkultur und grafischer Avantgarde.

Sportlich ambitioniert steigt St. Raphaël ab 1954 als Sponsor in den Radsport ein – zehn Jahre lang begleitet eine eigene Mannschaft die Tour de France. Die Equipe Raphaël Geminiani-Dunlop fährt mit in rot, weiß und schwarz Siege ein. So findet der Aperitif seinen festen Platz in der Freizeit- und Alltagskultur der Nachkriegszeit.
Mit dem Tod von Charles Loupot 1962 endet eine Ära. Gleichzeitig verändert sich die Markenstrategie: Weg vom rein Grafischen, hin zu emotionalen Alltagsmomenten.
In der Werbung tauchen nun Größen wie der Komiker Bourvil und die Sängerin Dalida auf und das „Savoir-vivre“ wird zum zentralen Thema. Auch das Design der Flasche ändert sich, der charakteristische „gebrochene Hals“ wird markanter.

2018–2019: Rückbesinnung und Erneuerung
Fast zwei Jahrhunderte nach der Gründung besinnt sich St. Raphaël auf seine Wurzeln – mit der Einführung der Premiumlinie „Les Quinas“ im Jahr 2018, die den Stil der 50er-Jahre zitiert und dem Genie Loupots Tribut zollt.
Ein Jahr später, 2019, kehren auch die legendären Garçons wieder prominent auf die Etiketten zurück – als liebevolles Bekenntnis zur Geschichte.
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St. Raphaël ist weit mehr als ein Aperitif, es ist ein Kapitel französischer Kulturgeschichte. Zwischen Medizin, Mythos, Montgolfieren und Moderne hat die Marke einen unverwechselbaren Platz im Herzen Frankreichs gefunden. Und wer heute ein Glas hebt, trinkt auch ein Stück lebendige Geschichte!
St. Raphaël Emailschild bei “Bares für Rares”
Am Freitag, den 8. August war ein Emailschild-Klassiker der französischen Aperitif-Marke bei “Bares für Rares” im Angebot.
Dabei handelte es sich um ein einfaches Schriftschild in Weiß, Rot und Schwarz, auf dem lediglich der Markenname St. Raphaël, die Angaben “apéritif” (“Aperitif”) und – klein – “En vente ici” (“Hier im Verkauf”) zu lesen waren. Unten rechts am roten Rande noch die Signatur des Emaillierwerkes “Emaillerie Alsacienne de Strasbourg”.

Das Schild befand sich in gutem Zustand 1. Mitgebracht hatte es ein älteres Ehepaar aus Oberösterreich. Expertin Annika Raßbach bewertete das Schild, das neben minimalen Schäden an einer Aufhängelasche auch winzige Absplitterungen im roten Schriftzug hatte und für das sich die Verkäufer 150€ wünschten, mit 350 bis 500€.
Im Händlerraum ging es mit den Angeboten Zug um Zug. Fast alle Händler waren interessiert an dem gut erhaltenen Sammelobjekt und schließlich machte Jan Čížek das Rennen und erwarb das Teil für 400€.
Das ist ein noch korrekter Preis für einen Sammler – für einen Händler jedoch überbezahlt. Einen Gewinn wird Jan Čížek wohl nur schwer erzielen. Die letzten Auktionspreise für derartige Schilder in gleichem Zustand lagen allesamt um die 300€.

Kurzinfos
Ursprung
Der Name geht auf den Arzt Dr. Juppet zurück, der den Erzengel Raphael anrief, um sein Augenlicht wiederzuerlangen, und sein Getränk zu Ehren des Engels benannte, nachdem seine Forschung erfolgreich war.
Zutaten
St. Raphaël wird aus Mistelle, Quinquina (Chinarinde), Kakao, Bitterorange, Vanille und Colombo (Koloquinte) hergestellt.
Herstellung
Die Zutaten werden mazeriert und die Aromen in den Alkohol extrahiert, bevor das Getränk gekühlt, filtriert und abgefüllt wird.
Varianten
Rouge (rot): Intensiv und süß mit Noten von Kakao, Orangenschale und Vanille.
Ambré (bernsteinfarben): Sanft und aromatisch mit Noten von Kakao, Vanille und Karamell.
Verwendung
St. Raphaël wird pur, gekühlt, auf Eis oder in Cocktails serviert. Er ist ein beliebter Aperitif, vor allem in Frankreich und dem kanadischen Québec.
Zeigt uns eure St.Raphaël-Schilder und anderen Schätze!
Du hast selbst tolle Schilder, Ascher, Tabletts oder andere Objekte mit Werbung für St. Raphaël in deiner Sammlung? Dann hinterlass doch für alle Interessierten Fotos davon im Kommentarbereich unter diesem Beitrag: der orangefarbene Button mit der Sprechblase – unten links – bringt dich direkt zum Formular!


Schönes Format! Tolles Schild! Vielen Dank für’s Zeigen Rüdiger – und natürlich auch für die ermunternden Worte!
Ein gewohnt interessanter toller Bericht von sammler.net 😃