Melitta Bentz: Die Frau, die der Welt klaren Kaffee brachte

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Von der Hausfrau zur Pionierin! Wie eine geniale Idee den Alltag veränderte – und ein globales Unternehmen begründete: die aufregende und faszinierende Geschichte der Melitta Bentz.

Melitta Bentz: Die Frau, die der Welt klaren Kaffee brachte – Bild 1
Melitta Bentz
(1873-1950)

Dresden, Anfang des 20. Jahrhunderts: In einer kleinen Küche steht eine Frau, die nicht mehr bereit ist, den Kaffeesatz zwischen den Zähnen hinzunehmen. Ihr Name:: Melitta Bentz. Was als Alltagsfrust begann, wird zur genialen Erfindung und zur Geburtsstunde einer Marke, die heute Millionen Haushalte rund um den Globus begleitet.

Amalie Auguste Melitta Bentz, geborene Liebscher, war keine Ingenieurin, keine Industrielle, sie war Hausfrau, Mutter von drei Kindern und eine findige Tüftlerin. 1908 experimentierte sie mit einer Konservendose und Löschpapier aus dem Schulheft ihres Sohnes. Ihr Ziel: endlich ein sauberes, geschmacklich reines Tässchen Kaffee, ohne Satz, ohne umständliches Filtern durch Leinentücher.

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Aluminium Filteraufsatz für 120mm Filterpapier (Bild: Ulfbastel)

Die Idee, die den Kaffeegenuss revolutionierte

Die Lösung war so einfach wie genial: ein durchlöcherter Metalltrichter, in dem ein rund zugeschnittenes Löschblatt den Kaffeesatz auffing. Der erste Einweg-Kaffeefilter war geboren. Eine Idee, die nicht nur ihren Freundeskreis begeisterte …

Noch im selben Jahr erhielt sie vom Kaiserlichen Patentamt Gebrauchsmusterschutz. Am 15. Dezember 1908 gründete sie ihr Unternehmen „M. Bentz“ in Dresden mit gerade einmal 72 Pfennigen Startkapital.


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Der Weg von der Küchenidee zum florierenden Betrieb war gepflastert mit unternehmerischem Mut und familiärem Zusammenhalt. Ihr Ehemann Hugo, ursprünglich Abteilungsleiter in einem Kaufhaus, stieg ebenso ein wie ihre beiden Söhne Willy und Horst.

Gemeinsam verkauften sie die handgefertigten Filter auf Messen und Ausstellungen – mit Erfolg: Schon 1911 prangten goldene und silberne Medaillen auf ihren Produkten.

Der erste Firmensitz, eine kleine Wohnung in Dresden, wurde bald zu eng. 1914 zog das Unternehmen mit 15 Mitarbeitenden in ein mehrstöckiges Hinterhaus in Dresden-Trachau. Dort steht heute eine Gedenktafel, die an Melitta Bentz’ Erfindungsgeist erinnert.

Zwischen Weltkriegen und Weltwirtschaft

Im Ersten Weltkrieg hielt Melitta den Betrieb mit Kartonageproduktion über Wasser, während Ehemann und Sohn an der Front dienten. Nach Kriegsende wuchs die Firma rasant. Neue Produkte wie Teefilter, Kaffee- und Teekannen und Konservengläser ergänzten das Sortiment.

1929 folgte ein bedeutender Schritt: Wegen hoher Steuern und Platzmangel verlegte Melitta das Unternehmen nach Minden in Ostwestfalen, bis heute Hauptsitz der Marke. Dort wurde aus der kleinen Werkstatt eine große Fabrik. Noch im selben Jahr arbeiteten 80 Menschen im Schichtbetrieb für einen Kaffeefilter, der inzwischen auch international gefragt war.

Melitta Bentz: Die Frau, die der Welt klaren Kaffee brachte – Bild 3
Früher Kaffeefilter aus Porzellan, mit Henkel und Innenrippung, Schauseite mit unterglasurblauer 5-zeiliger Aufschrift “Melitta Schnell-Filter Nr. 101 für 2-4 Tassen Deutsches Reichspatent” (Bild: Auktionshaus Bossard / Invaluable.com)

1932 zog sich Melitta Bentz aus dem operativen Geschäft zurück. Ihr Einfluss aber blieb! Als „soziales Gewissen“ kümmerte sie sich weiterhin um das Wohl der Mitarbeitenden. Der Firmenname „Melitta“, ihr Vorname, wurde endgültig zur Marke. Bald darauf führte das Unternehmen den berühmten spitz zulaufenden Schnellfilter ein, wie wir ihn bis heute kennen.

Während des Nationalsozialismus musste sich die Firma den politischen Realitäten anpassen. Horst Bentz, der Sohn, trat der NSDAP und der SS bei, das Unternehmen produzierte in Kriegszeiten auch Rüstungsgüter und beschäftigte Zwangsarbeiter – ein dunkles Kapitel, das später öffentlich aufgearbeitet wurde.

1999 beteiligte sich Melitta an der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ zur Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter.


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Eine Melitta-Teekanne im Computer History Museum

Nach dem Krieg kehrte Horst Bentz nach einem Entnazifizierungsverfahren zurück ins Unternehmen, während Melitta selbst bis zu ihrem Tod 1950 das Unternehmen als moralische Instanz prägte. Was als Erfindung einer Hausfrau begann, war nun ein florierendes Familienunternehmen mit internationalem Anspruch.

Schon sehr früh wurde mit der Produktion weiterer Waren rund ums Thema Kaffee – und Tee – begonnen. Ein Objekt schaffte es sogar ins Museum für Computergeschichte: Die Utah-Teekanne zählt zu den bekanntesten 3D-Modellen der Computergrafik.

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Melitta-Teekanne: Aus Friesland nach Kalifornien ins Museum

Sie wurde 1975 vom Informatiker Martin Newell an der Universität von Utah entworfen. Auf der Suche nach einem alltagstauglichen, mathematisch einfach darstellbaren Objekt griff Newell zur Melitta-Teekanne seiner Frau. Die rundliche Form mit konkaven Elementen, wie dem Griffloch, eignete sich ideal für seine Forschungsarbeit.

Die von Newell digitalisierte Teekanne verbreitete sich rasch in der Forschung und wurde zum Standard-Testobjekt in der Computergrafik. Das Original schenkte er später dem Computer History Museum in Kalifornien, wo es heute ausgestellt ist. Die Teekanne wurde jahrzehntelang in der Friesland-Porzellanfabrik in Niedersachsen gefertigt, bis ein Brand 2023 die Produktion endgültig stoppte.

Die Kraft der Idee und der Beharrlichkeit

Heute ist die Melitta Group eine globale Unternehmensgruppe mit über 6.000 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von über zwei Milliarden Euro. Unter der Leitung von Jero Bentz, dem Urenkel der Gründerin, und der neuen Co-Geschäftsführerin Katja Möller, produziert Melitta neben den legendären Kaffeefiltern auch Kaffeemaschinen, Haushaltswaren, Staubsaugerzubehör und Verpackungslösungen.

Melitta Bentz hat mit einem Stück Löschpapier und einer Konservendose nicht nur ein Problem des Alltags gelöst. Sie hat bewiesen, dass große Innovationen oft dort entstehen, wo man sie am wenigsten erwartet: in diesem Fall in einer Küche, mit gesundem Menschenverstand, Geduld und einem klaren Blick für das, was wirklich zählt.

Ihr Name: steht heute für mehr als nur Filterkaffee. Er steht für Erfindergeist, Unternehmertum, Verantwortung – und eine Frau, die dem Alltag mit Einfallsreichtum begegnete und dabei Geschichte schrieb.


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