„Blitzblank und sauber“ widmet sich einem scheinbar alltäglichen, tatsächlich jedoch hochgradig kulturell aufgeladenen Thema: der Inszenierung von Sauberkeit in der audiovisuellen Werbung.

Der Werbefilm dient dabei als Spiegel gesellschaftlicher Normen, Ängste und Ideale, in dem Reinlichkeit weit über ihre praktische Funktion hinaus zu einem moralischen, sozialen und ästhetischen Wert erhoben wird. Das Werk zeigt eindrucksvoll, wie „sauber“ nicht nur als Zustand, sondern als Versprechen von Ordnung, Kontrolle und Fortschritt inszeniert wird.
Im Mittelpunkt steht die Analyse historischer Werbefilme, in denen Hygiene und Reinigung als sichtbare Zeichen von Modernität, Wohlstand und gesellschaftlicher Anpassung fungieren.
Wenn ritualisierte Putzhandlungen zu visuellen Codes werden
Die Beiträge machen deutlich, wie stark diese Bildwelten mit Rollenbildern, insbesondere mit Vorstellungen von Häuslichkeit, Verantwortung und Geschlecht, verknüpft sind. Glänzende Oberflächen, strahlende Weißtöne und ritualisierte Putzhandlungen werden zu festen visuellen Codes, die über Jahrzehnte hinweg erstaunlich stabil bleiben und dennoch subtil auf den jeweiligen Zeitgeist reagieren.
Besonders überzeugend ist die kulturhistorische Perspektive, mit der die Werbefilme gelesen werden. Sauberkeit erscheint hier nicht als neutrale Selbstverständlichkeit, sondern als Produkt industrieller, medizinischer und medialer Entwicklungen.
Der Werbefilm wird so zum Dokument gesellschaftlicher Disziplinierung ebenso wie zum Ort der Verheißung eines besseren, einfacheren Lebens. Gleichzeitig wird sichtbar, wie Werbung Probleme erst erzeugt, um sie anschließend mit dem passenden Produkt scheinbar mühelos zu lösen.
Analytische Schärfe und visuelle Prägnanz
„Blitzblank und sauber“ überzeugt weniger durch narrative Dramaturgie als durch analytische Schärfe und visuelle Prägnanz. Das Werk richtet sich damit nicht primär an ein Unterhaltungspublikum, sondern an Leserinnen und Leser mit Interesse an Mediengeschichte, Konsumkultur und Alltagsästhetik.
Gerade in der Zusammenschau der Filme entfaltet sich eine leise, aber nachhaltige Kritik an der Selbstverständlichkeit, mit der Reinlichkeit als gesellschaftliche Norm verankert wurde.
Insgesamt bietet „Reinlichkeit im Spiegel des Werbefilms“ eine aufschlussreiche und vielschichtige Auseinandersetzung mit einem Thema, das oft übersehen wird, obwohl es unseren Alltag bis heute prägt.
Das Werk macht deutlich, dass Sauberkeit nicht nur geputzt, sondern auch erzählt, inszeniert und verkauft wird – und damit ein Schlüssel zum Verständnis moderner Konsum- und Mediengesellschaften ist.
