Brinkmann Tabak: Vom kleinen Betrieb zur internationalen Marke

Von einer kleinen Tabakmanufaktur in Bremen 1813 zum größten Zigarettenhersteller Europas: Die Martin Brinkmann AG prägte die Wirtschaftsgeschichte. Unter Hermann Ritter wuchs das Unternehmen mit modernen Fabriken und cleveren Werbestrategien. Heute lebt sein Erbe im Tabakquartier Bremen weiter.

Bremen Hauptbahnhof: Wandmosaik der Bremer Zigarettenfabrik Martin Brinkmann AG von 1951. Teilbild Mitte (Aufnahme perspektivisch korrigiert, Bild: Jürgen Howaldt)

Was 1813 mit einer kleinen Tabakmanufaktur in Bremen begann, wuchs über Generationen zu einem Unternehmen von europäischem Rang. Unter der Leitung von Martin Brinkmann und später seines Sohnes Wenzel wurde der Grundstein gelegt.

Doch nach dem frühen Tod Wenzels im Jahr 1900 trat ein Mann auf den Plan, der die Entwicklung maßgeblich prägte: Hermann Theodor Ritter, damals erst 22 Jahre alt. Mit unternehmerischem Mut und Gespür übernahm Ritter das Geschäft – und führte es in eine neue Ära.

Der erste große Schritt war der Abschied vom ursprünglichen Standort in Burgdamm. 1910 eröffnete in Bremen-Woltmershausen eine neue, hochmoderne Fabrik. Sie symbolisierte den Anspruch: mehr Produktion, bessere Technik, höhere Kapazitäten.

In den folgenden Jahren erweiterte Ritter das Geschäft durch Zukäufe in Treffurt und Heidelberg. Damit wurde Brinkmann nicht nur ein regionales, sondern ein nationales Schwergewicht der Tabakbranche.

Frühe Tabakdose “Golden Virginia Tobacco” von Martin Brinkmann Bremen. (Screenshot: eBay.de)

Der Weg zur Aktiengesellschaft

1929 folgte die nächste Zäsur: Die Kommanditgesellschaft wurde in die Martin Brinkmann AG umgewandelt. Zusammen mit der Ansgari-Druckerei entstand eine Gesellschaft, die bald zur größten Zigarettenfabrik Europas aufstieg.

Die Mitarbeiterzahlen spiegeln diesen Erfolg eindrucksvoll wider: Von 2.500 Beschäftigten Ende der 1920er-Jahre stieg die Zahl bis 1933 auf rund 4.000. Marken wie Lord Extra und Cabinet prägten fortan den Markt.


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Auch baulich setzte Brinkmann Maßstäbe: Zwischen 1937 und 1943 entstanden in Woltmershausen moderne Fabrikanlagen nach Plänen der Architekten Fritz und Kurt Strohecker.

Die klaren Formen, Backsteinarchitektur und monumentale Anmutung machten die Gebäude zu einem Symbol Bremer Industriegeschichte. Heute stehen sie unter Denkmalschutz.

Hermann Ritter und die NSDAP

Parallel zu seinem kaufmännischen Wirken engagierte sich Hermann Ritter politisch: Zwischen 1915 und 1922 war er Vize- und Präsident der Bremer Gewerbekammer. In den frühen 1920ern trat er der konservativen DNVP bei.

Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, wurde Ritter kurzzeitig Senator in Bremen. Anschließend fungierte er als Staatsrat für Wirtschaftsfragen, leitete die Fachgruppe Tabakindustrie in Berlin. 1937 trat er der NSDAP bei und war zugleich Förderndes Mitglied der SS.

Nach Kriegsende stand Ritter aufgrund seiner politischen Rolle unter Beobachtung (“Belasteter”) und durfte das Unternehmen nicht selbst weiterführen – dennoch unterstützte er den erfolgreichen Wiederaufbau.

Vom Familienunternehmen zum Konzern

1949 wurde das Unternehmen dann zunächst als GmbH weitergeführt und 1963 wieder in eine AG umgewandelt. In den 1960er- und 70er-Jahren modernisierte Brinkmann seine Anlagen, verlagerte Teile der Produktion nach Berlin und blieb ein fester Bestandteil des deutschen Tabakmarkts.

1966 trat der südafrikanische Rupert-Konzern als Gesellschafter ein, später übernahm die Rothmans-Gruppe, schließlich British American Tobacco (BAT). Unter den internationalen Eigentümern behauptete Brinkmann seinen Namen, auch wenn die unternehmerische Eigenständigkeit schwand.

Das Unternehmen hatte seit den Anfängen des 20. Jahrhunderts selbstverständlich auch auf gezielte Werbekampagnen gesetzt, um die in Bremen produzierten Marken bekannt zu machen. Neben Anzeigen in Magazinen und Zeitungen warb man unter anderem auch mit heute gesuchten Emailschildern.

Sammelbilder – nebst dazugehörigen Alben – zählten auch zur Marketingstrategie, die Blechdosen, in denen die Tabakwaren verkauft wurden, ebenso. Heute finden Sammler viele verschiedene interessante Objekte in Zusammenhang mit Reklame für Brinkmann-Tabakwaren.

Titelseite eines Album für 120 Sammelbilder “Deutsche Burgen” von Brinkmann Tabak.
1950er Jahre. (Screenshot: eBay.de)

Bauchladen von Brinkmann begeistert bei “Bares für Rares”

So tauchte am Montag, den 8. September 2025 bei “Bares für Rares” eine Rarität der besonderen Art auf. Ein Ehepaar aus der Nähe von Hamburg war ins Pulheimer Walzwerk gekommen und hatte einen alten Bauchladen von Brinkmann, genauer für die Marke Texas, für die das Unternehmen u.a. mit dem Slogan “Eine besonders gute Zigarette” warb, mitgebracht.

Vor ca. 40 Jahren, so erzählte die Dame, hatte sie den Bauchladen auf einem Flohmarkt, auf dem sie auch selbst einen Stand hatte, eingetauscht. Der Tauschwert habe damals bei 50 Mark gelegen und sie wünsche sich nun 50€ für das Objekt.

Experte Sven Deutschmanek konnte damit nicht einverstanden sein. Er bewertete den Bauchladen, der bei Reklame Haupts in Aachen hergestellt wurde, aufgrund seiner Seltenheit und der guten Erhaltung mit etwas zu optimistischen 300 bis 400€. Immerhin 230€ gab es schlussendlich im Händlerraum. Erworben hat die Rarität der Kölner Händler Ferdinand Resul Adanir.

Dieser seltene Brinkmann-Bauchladen für Texas-Zigaretten aus den 1950er Jahren
erzielte bei “Bares für Rares” 230€. (Screenshot: ZDF)

2014: Ein Stück Bremer Wirtschaftsgeschichte geht zu Ende

2014 stellte BAT die Tabakproduktion in Bremen ein. Das traditionsreiche Werk wurde von GIZEH Raucherbedarf übernommen und produzierte noch einige Jahre weiter, bis 2021 auch dort endgültig Schluss war.

Doch das Gelände verschwand nicht in der Bedeutungslosigkeit: Im Tabakquartier Bremen entstehen heute Büros, Kultur- und Wohnräume – ein neuer Stadtteil auf historischem Fundament. Und die Marken, die einst in Woltmershausen ihren Ursprung hatten, leben unter dem Dach von BAT weiter.

Die Martin Brinkmann AG ist ein Stück Bremer Wirtschaftsgeschichte. Vom kleinen Tabakbetrieb zur größten Zigarettenfabrik Europas, von der Familienführung zur Eingliederung in globale Konzerne – dieser Weg zeigt, wie eng Tradition und Wandel im deutschen Industriewesen miteinander verflochten sind.


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