Ein „Muskator“-Emailschild wird derzeit auf eBay als historisches Original aus den 1920er Jahren angeboten. Tatsächlich handelt es sich um eine moderne, in Sammlerkreisen bestens bekannte Fälschung. Nachdem Sammler.Net vor dem Fake warnte, reagierte der Anbieter nicht mit Belegen, sondern mit einem juristischen Drohbrief. Popcorn her!
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Nachdem ein Sammler.Net-Besucher uns am Dienstag wegen eines gefälschten Muskator-Emailschildes kontaktierte, haben wir dieses Fake in unsere Galerie Bekannte Fälschungen von Emailschildern II aufgenommen und gleichzeitig eine Warnung zum Schutz unerfahrener Sammler auf unsere Facebook-Seite gestellt.
Dreister Drohbrief des Anbieters der Fälschung
Daraufhin erreichte uns gestern per Mail ein Schreiben des Verkäufers dieses Schildes sowie einer Reihe weiterer fragwürdiger Angebote. Hier das Schreiben im Original-Wortlaut:
Aufforderung zur Unterlassung und Richtigstellung wegen rufschädigender Falschbehauptungen
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit nehme ich Bezug auf die von Ihnen auf der Plattform „sammler.net“ veröffentlichten Aussagen über das von mir angebotene historische Schild.
Sie behaupten öffentlich, die auf dem Schild vorhandenen Gebrauchsspuren bzw. Beschädigungen seien durch Hammerschläge künstlich erzeugt worden, und führen weiter aus, das Objekt sei lediglich wenige Monate alt und eine Fälschung. Diese Behauptungen sind nachweislich unzutreffend und entbehren jeglicher sachlichen Grundlage.
Das betreffende Schild stammt nachweislich aus dem Zeitraum 1925–1935 und weist sämtliche alters- und materialtypischen Merkmale eines historischen Originalobjekts auf. Während das Objekt tatsächlich ein Alter von rund 80–90 Jahren aufweist, stellen Sie es öffentlich als ein nur wenige Monate altes Manipulationsprodukt dar. Diese Darstellung ist nicht nur sachlich falsch, sondern geeignet, meinen Ruf erheblich zu schädigen und mein Eigentum in seinem Marktwert zu beeinträchtigen.
Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass die Verbreitung unwahrer Tatsachenbehauptungen über eine Person oder deren Eigentum den Straftatbestand der üblen Nachrede gemäß § 186 StGB erfüllen kann. Sofern wider besseres Wissen gehandelt wird, kommt darüber hinaus § 187 StGB (Verleumdung) in Betracht. Zudem bestehen zivilrechtliche Unterlassungs- und Schadensersatzansprüche gemäß §§ 823, 1004 BGB analog.
Sie sind daher aufgefordert,
- die oben genannten Behauptungen unverzüglich vollständig zu entfernen,
- künftig jede weitere Verbreitung dieser oder sinngleicher Aussagen zu unterlassen,
- mir gegenüber schriftlich darzulegen, auf welche konkreten, belastbaren Beweise Sie Ihre Behauptung stützen.
Sollten Sie nicht in der Lage sein, den behaupteten „Hammereingriff“ sowie das angeblich nur wenige Monate alte Herstellungsdatum gerichtsfest zu beweisen, sind die Aussagen als unwahre Tatsachenbehauptungen zu qualifizieren und entsprechend zu widerrufen.
Ich setze Ihnen hierfür eine Frist von 7 Tagen ab Zugang dieses Schreibens. Nach fruchtlosem Ablauf dieser Frist behalte ich mir ausdrücklich vor, ohne weitere Ankündigung rechtliche Schritte einzuleiten. Dies umfasst insbesondere die Beantragung einer einstweiligen Verfügung, die gerichtliche Geltendmachung von Unterlassungs- und Schadensersatzansprüchen sowie gegebenenfalls die Einleitung strafrechtlicher Schritte.
Mit Nachdruck erwarte ich Ihre fristgerechte Stellungnahme.
Mit freundlichen Grüßen,
(…)
Soweit der Inhalt dieses Drohbriefes, der am Mittwochvormittag bei Sammler.Net einging. Wie dreist kann man sein?
Hier versucht offenbar jemand, unerfahrene Sammler mit falschen Angaben um ihr Geld zu bringen – und reagiert auf eine Warnung nicht mit Nachweisen, sondern mit einem Schreiben voller Unwahrheiten.

Hinweise von erfahrenen Sammlern mit Hohn quittiert
Der Anbieter war übrigens zuvor bereits von fachkundigen Sammlern aus dem Bereich der Emailschilder und der historischen Reklame auf seine diversen eBay-Anzeigen hingewiesen worden. Man wollte ihn darauf aufmerksam machen, dass es sich um moderne Fälschungen handelt.
Schließlich hätte es ja sein können, dass sjb5029 – so der eBay-Name des Anbieters – selbst unerfahren ist und im guten Glauben handelt.

Doch seine Antwort auf einen solchen gut gemeinten Hinweis offenbarte das wahre Gesicht des Verkäufers. Dieser zeigte keinerlei Einsicht und schrieb (Originalzitat, unverändert übernommen):
“Ganz ehrlich: Es ist schon peinlich, dass du überhaupt glaubst, deine Meinung hätte irgendeinen Wert. Niemand hat dich gefragt, niemand braucht dein Gerede, und trotzdem drängst du dich überall rein. Dein Verhalten zeigt genau, auf welchem geistigen Niveau du stehst. Ich verschwende meine Zeit nicht mit Leuten, die weder Klasse noch Verstand haben. Mach dir selbst einen Gefallen und bleib einfach still – so wirkst du wenigstens ein bisschen weniger lächerlich.”
Die Antwort von Sammler.Net an den Anbieter
In seinem Schreiben an Sammler.Net gab sich der Anbieter immerhin deutlich höflicher. Auf eine „fristgerechte Stellungnahme“ musste er jedenfalls nicht lange warten. Wir haben ihm umgehend eine ebenso höfliche Antwort geschickt:

(Bilder: Wormser Classic Auctions)
“Sehr geehrter Herr YXYX
hiermit nehme ich Bezug auf Ihr Schreiben bezüglich meiner Äußerungen auf der Plattform Sammler.Net und der dazugehörigen Facebook-Seite zu dem von Ihnen angebotenen Emailschild.
Zunächst weise ich darauf hin, dass meine Aussagen nicht auf einer persönlichen Herabsetzung Ihrer Person beruhen, sondern eine sachliche Bewertung des angebotenen Objekts aus sammlerfachlicher Sicht darstellen.
Bei dem von Ihnen angebotenen Schild handelt es sich eindeutig um eine moderne Reproduktion bzw. Fälschung. Solche Emailschilder aus rezenter osteuropäischer Herstellung sind in Sammlerkreisen bekannt und werden regelmäßig als historische Originale angeboten, obwohl sie dies nicht sind.
Die Frage, ob vorhandene Beschädigungen durch gezielte mechanische Einwirkung (Hammer oder andere Werkzeuge) erzeugt wurden oder auf andere Weise entstanden sind, ist dabei nicht entscheidend. Maßgeblich ist, dass die Gesamtheit der Merkmale – Material, Ausführung, Emailstruktur und typische Charakteristika dieser bekannten Fälschungsserien – eindeutig gegen eine Herstellung im Zeitraum 1925–1935 spricht.
Ihre Darstellung, das Schild sei ein „nachweisliches Originalobjekt“, stellt insofern eine Behauptung dar, für die Sie als Anbieter bei einem entsprechend hohen Kaufpreis die volle Nachweispflicht trifft.
Gerade bei Sammlerobjekten ist es üblich und notwendig, auf mögliche Fälschungen hinzuweisen, um andere Interessenten vor wirtschaftlichem Schaden zu bewahren.
Ich weise zudem darauf hin, dass das Anbieten eines als historisches Original bezeichneten Objekts, obwohl es sich tatsächlich um eine moderne Fälschung handelt, unter Umständen den Tatbestand eines Betrugsversuchs erfüllen kann, sofern eine Täuschung über die Echtheit und ein entsprechender Vermögensschaden beabsichtigt sind.
Vor diesem Hintergrund sehe ich derzeit keinen Anlass für einen Widerruf meiner fachlichen Einschätzung.
Sollten Sie belastbare, objektive und sachverständig überprüfbare Nachweise für die von Ihnen behauptete Originalität (z.B. Gutachten eines anerkannten Experten, Provenienz, eindeutige historische Dokumentation) vorlegen können, bin ich selbstverständlich bereit, diese zu prüfen.
Bis dahin halte ich meine Äußerungen für zulässig, sachlich begründet und durch ein berechtigtes Interesse am Schutz des Sammlermarktes gedeckt.
Mit freundlichen Grüßen,
(…)
Und nun endlich zum Schild: Fake as fake can be!
Doch nun konkret zurück zu dem Muskator-Emailschild aus dem eBay-Angebot. Hier ein Auszug aus der Beschreibung von sjb5029:
“Original Emailleschild „Muskator – Geflügel-Kraftfutter“
Boos & Hahn, Ortenberg-Baden
ca. 1925–1935
40 x 60 cm – schwer – magnetisch“
Diese Herstellerangabe ist nachweislich falsch. Tatsache ist: Das Emaillierwerk Boos & Hahn (Pyro Email) hat niemals ein Muskator-Schild mit diesem Motiv hergestellt.
Einziger Hersteller des bekannten Originals war das Unternehmen C. Robert Dold (Ferro Email). Insgesamt sind 12 Exemplare im Format 40 x 60 cm sind in der umfangreichen Datenbank von Historische Reklame dokumentiert.


Schon allein diese Tatsache ist ein klarer Beleg dafür, dass das von sjb5029 angebotene Schild kein historisches Original ist. Doch selbst ohne Signatur erkennen erfahrene Sammler sofort: Ein Schild in einer derart schlechten Ausführung hätte niemals ein deutsches Emaillierwerk verlassen.
Rat einholen statt Lehrgeld zahlen
Es stimmen weder Farben noch Typografie. Auch der Text ist fehlerhaft: Auf dem Futtersack steht „Kraftfutte“ statt „Kraftfutter“. Zudem liest man statt „Geflügel“ bei der Fälschung nur „Geflugel“.
Die typischen, frischen Rostspuren sprechen ebenfalls eine klare Sprache. Wo genau diese Reproduktion produziert wurde, ist letztlich nebensächlich. Entscheidend ist: Es handelt sich eindeutig nicht um ein historisches Original.
eBay wurde inzwischen bereits von mehreren Sammlerkollegen informiert. Eine Reaktion der Plattform steht bislang allerdings noch aus.
Solche Fälle zeigen einmal mehr, wie wichtig es ist, bei hochpreisigen Emailschildern genau hinzusehen und im Zweifel fachkundigen Rat einzuholen.
Nachtrag (Stand: 12. Februar 2026)

Bemerkenswert ist, dass der Anbieter nach unserer Warnung die Artikelbeschreibung inzwischen deutlich angepasst und den Preis von gestern noch ursprünglich 795 € auf heute 595 € reduziert hat.
Während das Schild zuvor noch als historisches Original beworben wurde, heißt es nun plötzlich, es liege keine verbindliche Datierung oder Echtheitsbestätigung vor, und man übernehme keine Garantie hinsichtlich Herstellungszeitraum oder Originalität.
Das Angebot ist jedoch weiterhin in der Kategorie „Originale Emailschilder“ eingestellt. Sammler sollten daher umso genauer hinsehen und sich nicht von nachträglichen Relativierungen in falscher Sicherheit wiegen lassen.
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Hier das Schild aus dem Angebot: Achtung, der Verkäufer hat zahlreiche weitere Fälschungen im Angebot!

Vermutlich ist es der selbe Verkäufer der rund um Gelsenkirchen diese Fälschungen auch auf Trödelmärkten anbietet und dies schon jahrelang.
Natürlich immer als alt und original darstellt.
ich beobachte seine Angebote auch.
hab ihn ebenfalls auf seine falschen Schilder angeschrieben… unbelehrbar.
und das schlimmste daran… er hat bereits mehrere Maggi verkauft..
ebay reagiert auch nicht.
Wahnsinn wie unbelehrbar und resistent manche Herren ggü Ratschlägen sind. Durch seine Veränderung im Text räumt er es ja eigentlich schon ein falsch zu liegen bzw. Keine Ahnung zu habe, kann aber aus Ego-Gründen nicht mehr zurückrudern. Schlimm.
Übrigens sieht mir das auch eher gewerblich statt privat aus bei über 60 ähnlich gelagerten Auktionen……
[…] Genau deshalb ist das Thema „Fälschung“ auf Sammler.Net zu einem der wichtigsten Schwerpunkte geworden. Rezentetes Beispiel: Ein gefälschtes Muskator-Emailschild und ein tolldreister Verkäufer! […]
Super Aktion von Dir Francois.👌🏻
Großartiger Einsatz von Francois gegen diese Betrüger, immer wieder. Vielen Dank! Selbst mir als langjährigem Sammler fallen Fälschungen nicht immer direkt auf. Nun ja, bei diesem Schild hier schreit es einem förmlich entgegen……
Weiter so, sammler.net!
Wirklich unglaublich. Danke für deine Zeit und deinen Mut und deine Hartnäckigkeit hier Francois. Es geht ja darum, unerfahrene Sammler nicht dazu zu bringen, solch eine saure Gurke zu kaufen und zu denken, man hätte da ein Original an der Wand.
2x Popcorn in gross bitte! 1x süßes 1x salziges bitte.
Gruss Jochen
Das Zurückrudern hilft da auch nicht mehr! Wie kann man nur? Übrigens hat das Schild vor wenigen Tagen noch 995€ gekostet. Ich habe ausgerechnet, dass man in zwei Wochen wohl 295€ dazu bekommt, wenn man es nimmt!