
Wenn im deutschen Fernsehen ein freundlich genuscheltes „Gud’n Aamd“ ertönt, wissen Generationen von Zuschauerinnen und Zuschauern sofort, wer gleich ins Bild hüpft: die Mainzelmännchen. Seit fast 63 Jahren schon trennen sie beim ZDF Werbung vom Programm. eine gesetzliche Notwendigkeit, die zum kulturellen Markenzeichen wurde.
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1963 trat das ZDF neu auf den Plan und unterlag, wie das für alle öffentlich-rechtlichen Sender gilt, klaren Rundfunkvorschriften zur Trennung von Programm und Werbung. Werbung durfte nicht „im Programm versteckt“ erscheinen oder redaktionell wirken. Sie musste eindeutig als Werbeblock erkennbar sein.
Kreative Lösung für eine medienrechtliche Vorgabe
Die Mainzelmännchen wurden genau zu diesem Zweck eingeführt. Sie dienten als optische und inhaltliche Trenner, die dem Publikum unmissverständlich signalisierten: Jetzt beginnt die Werbung – und gleich geht das Programm weiter. Sie waren also keine reine Spielerei, sondern eine kreative Lösung für eine medienrechtliche Vorgabe.
Geschaffen hat sie der Grafiker und Illustrator Wolf Gerlach (mehr über ihn weiter unten im Beitrag), der den sechs Figuren nicht nur Namen, sondern unverwechselbare Charaktere gab: Anton, Berti, Conni, Det, Edi und Fritzchen erfreuen Klein und Groß nun schon seit mehr als sechs Jahrzehnten.
Was als funktionale Lösung begann, entwickelte sich so zu einem der langlebigsten Maskottchen der deutschen Medienlandschaft. Und wie so oft bei langlebigen TV-Ikonen blieb es nicht bei der Animation: Die Mainzelmännchen wanderten in Kinderzimmer, Vitrinen … und schließlich in Sammlerregale.
Zwischen Massenware und Marktstabilität
Der Sammlermarkt rund um die Mainzelmännchen ist weniger spektakulär als bei Comic-Helden oder anderen Reklamefiguren, dafür aber erstaunlich stabil. Wer sich jedoch nur an hohen Angebotspreisen orientiert, erhält ein verzerrtes Bild. Entscheidend sind die tatsächlich erzielten Verkaufspreise.
Standardfiguren aus den 2000er-Jahren, sie sind meist zwischen sieben und elf Zentimeter groß und häufig noch mit ZDF-Anhänger versehen, wechseln regelmäßig im Bereich zwischen 15 und 40 Euro den Besitzer. Neuware in ungeöffneter Originalverpackung kann vereinzelt bis 60 oder 70 Euro erreichen.
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Interessanter wird es bei älteren PVC- und Gummifiguren aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Diese kleineren Ausführungen, oft nur vier bis sechs Zentimeter hoch, zeigen eine spürbar höhere Nachfrage.
Einzelstücke liegen realistisch zwischen 20 und 40 Euro, kleine Konvolute mit mehreren Figuren erzielen häufig 70 bis 120 Euro, immer vorausgesetzt, der Zustand stimmt. Farbverluste oder Bruchstellen halbieren schnell den Wert.
Marktüberblick (verkaufte Angebote)
(Basis: Auswertung real verkaufter Online-Angebote, nicht Angebotspreise.)
Frühe Serien sind besonders gesucht
Besonders begehrt sind frühe Serien aus den 1960er- und frühen 1970er-Jahren, teilweise mit Herstellerbezug, etwa zu Unternehmen wie Goebel. Hier bewegen sich Einzelstücke meist im Bereich von 40 bis 90 Euro, komplette Sätze können 150 bis 300 Euro erreichen. Vierstellige Wunschpreise bleiben dagegen nahezu immer unverwirklicht.
Auch spätere Lizenzproduktionen, etwa von Bullyland, sind beliebt, aber weit verbreitet. Ihr Marktwert bleibt in der Regel im zweistelligen Bereich.
Konvolute sind ein beliebter Einstieg ins Sammelgebiet. Allerdings addieren Verkäufer häufig theoretische Einzelpreise. Der reale Markt bewertet gemischte Sammlungen meist unterhalb der rechnerischen Summe. Wer gezielt auf vollständige Sechser-Sätze oder frühe Produktionsjahre achtet, sammelt strategisch klüger als beim wahllosen „Alles mitnehmen“.
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Entscheidend bleiben fünf Faktoren: Komplettheit, frühes Produktionsjahr, Herstellerkennzeichnung, Originalverpackung und sehr guter Erhaltungszustand. Alles andere – etwa das inflationäre Wort „Vintage“ – ersetzt keine Substanz.
Ein eigenes Kapitel bilden limitierte Bronze-Skulpturen, die unter anderem über Kunstverlage wie ars mundi vertrieben wurden. Hier verlässt man das klassische Spielzeugsegment und betritt den Kunstmarkt. Die Skulpturen, oft mit Limitnummer und Zertifikat versehen, bewegen sich typischerweise zwischen 500 und 2.000 Euro, je nach Ausführung und Auflage.
Die Mainzelmännchen sind keine Spekulationsraketen, aber ein sympathisches, überschaubares und erstaunlich stabiles Sammelgebiet. Wer sie sammelt, sammelt nicht nur Plastik oder Bronze, sondern ein Stück Medienkultur.
Der Markt ist ehrlich: zweistellige Beträge dominieren, dreistellige sind möglich, vierstellige Summen bleiben dem Bronze-Segment vorbehalten.
Der “Schlaue Det” in Bronze bei “Bares für Rares”

Am 13. Januar 2025 hatte ein solches, kleines Bronze-Mainzelmännchen einen Extra-Auftritt bei “seinem” Sender. Miriam Rosenbohm aus Kerpen hatte es mit ins Pulheimer Walzwerk gebracht.
Bei dem Kunstobjekt handelte es sich um die Figur des “Schlauen Det”, wie Expertin Dr. Friederieke Werner Moderator Horst Lichter erklärte, der scheinbar noch nie was von “Det” gehört hatte …
Sie wusste auch, dass die Figur vom Schöpfer der Mainzelmännchen, Wolf Gerlach stammt. Das war ein Hamburger Grafiker und Illustrator, der den Figuren 1963 nicht nur ihr unverwechselbares Aussehen, sondern auch ihren bis heute wirksamen Charakter verlieh.
Miniatur eines Denkmals aus Bad Zwischenahn
Gerlach starb am 12. November 2012 im Alter von 84 Jahren in Bad Zwischenahn, wo er viele Jahre gelebt hatte. Im Stadtpark der Stadt im Landkreis Ammerland in Niedersachsen hat man ihm ein Denkmal gesetzt, dies in Form eines 35 Zentimeter hohen Det aus Bronze.
Anlässlich dieses Events wurde an 100 geladene Gäste der kleine Det als Erinnerungsgeschenk übergeben. Und genau ein solches Exemplar hatte die junge Kerpener Dame mitgebracht.
Miriam wünschte sich 100€, die Expertin schätzte die Figur auf mindestens 150 bis 200€. Im Händlerraum war es schließlich Christian Vechtel, der sich den streng limitierten Bronze-Det nach einem harten Bietergefecht mit David Suppes zum Preis von 610€ sicherte.





