„Widerstände: Jüdische Designerinnen der Moderne“ ist ein beeindruckend gestalteter Bild- und Kulturband, der die oft vergessenen Lebens- und Schaffensgeschichten jüdischer Designerinnen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den Mittelpunkt rückt.
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Der Band vereint über 60 herausragende Künstlerinnen aus den Bereichen Textilkunst, Keramik, Modedesign, Grafik etc. und macht ihre Beiträge zur modernen Gestaltung sichtbar – in einer Zeit, in der Frauen generell noch um ihre künstlerische und berufliche Anerkennung kämpfen mussten.
Die Autorin und Kuratorin Michal Friedlander zeichnet in gut lesbaren, sensibel geschriebenen Texten die Wege dieser Designerinnen nach: Wie sie neue Bildungschancen nutzten, sich kreative Räume erkämpften und mit enormer Kreativität und unternehmerischer Stärke in der Weimarer Republik wirkten.
Ästhetische Qualität und historische Einordnung
Dabei wird deutlich, dass ihre beeindruckende Vielfalt an Techniken, Materialien und Stilrichtungen weit über das hinausgeht, was die herkömmliche Design-Geschichtsschreibung bislang berücksichtigt hat.
Ein besonders starker Aspekt des Buches ist, wie es ästhetische Qualität und historische Einordnung verbindet: Auf rund 304 Seiten zeigt der Band nicht nur Objekte und Werke, sondern deutet sie als Ausdruck individueller Lebensentwürfe und gesellschaftlicher Bedingungen.
Die hochwertigen Abbildungen – rund 250 an der Zahl – lassen die Designs in ihrer Vielfältigkeit lebendig werden und machen das Buch zu einem visuellen Erlebnis.
Eine Würdigung mit Empathie und kritischem Blick
Im Zentrum stehen nicht nur bekannte Namen wie Anni Albers, sondern auch zahlreiche weniger bekannte Gestalterinnen, deren Schaffen lange im Schatten blieb. Friedlander gelingt es, diese Künstlerinnen mit Empathie und kritischem Blick zu würdigen und zugleich die Strukturen aufzuzeigen, die sie aus der Kunst- und Designlandschaft gedrängt haben.
„Widerstände“ ist damit mehr als ein Katalog: Es ist ein kultur- und designhistorisches Plädoyer dafür, die Geschichte der Moderne um die Stimmen dieser Frauen zu ergänzen und neu zu denken.
Der Band eignet sich ideal für Kunst- und Designliebhaber, Historikerinnen und alle, die sich für die vielschichtigen Verflechtungen von Kreativität, Identität und gesellschaftlichen Herausforderungen interessieren.

