Eindrucksvolle Reklame-Rarität brachte 58.000€ bei Pari
Ein prachtvolles Emailschild lässt die Geschichte des Konstanzer See-Hôtel du Lac neu aufleben. Es zeigt die Eleganz eines Hauses, das sich selbst als Teil des Bodensees verstand. Nun wurde dieses seltene Stück Reklamekunst versteigert.
Am Anfang steht ein Schild. Ein Emailschild, genauer gesagt – schwer, glänzend, handwerklich präzise. Links darauf die Fassade eines prächtigen Hauses, rechts ein kleines Segelboot, das in die Abendfarben des Bodensees gleitet.
Zwischen diesen beiden Polen, Architektur und Natur, entfaltet sich ein Stück Konstanzer Geschichte: die Geschichte des See-Hôtel du Lac.

Es erzielte am Samstag 58.000 Euro zzgl. Aufgeld. (Bild: Pari Auktionen)
Dieses Schild, einst Werbeträger, heute Sammlerobjekt, erzählt mehr über das Selbstverständnis des Hauses, als es jede Anzeige könnte. Es zeigt ein Hotel, das sich nicht einfach am See befand, sondern sich als Teil des Sees inszenierte, als ein Ort, an dem Eleganz, Aussicht und Atmosphäre zusammenkamen.
Highlight der heutigen Pari-Auktion
Das Emailschild aus Konstanz war das am höchsten geschätzte Objekt der zweiten Pari-Auktion „Emailschilder & Reklamekunst“ für 2025, die an diesem Samstag stattfand.
Im Auktionskatalog heißt es u.a.: “Monumentales Emailschild des traditionsreichen See-Hotel du Lac in Konstanz, sehr stark gewölbt und in feinster frühen Emaillierkunst ausgeführt. (…) Das Licht der Fenster spiegelt sich im Wasser des Bodensees. Rechts ein elegantes Segelboot, das in der Abenddämmerung zurückkehrt – die Szenerie eingefangen in harmonisch abgestimmten Blau-, Grün- und Violetttönen.“
Bei dem großformatigen Schild soll es sich um eins von sechs bekannten Exemplaren handeln, die sich größtenteils seit Jahrzehnten in festen Sammlungen befinden. Geschätzt wurde es auf 70.000 bis 80.000 Euro.
Als Position 439 von insgesamt 442 Losen wurde es am Abend kurz vor 20:30 Uhr für 58.000 Euro zugeschlagen. Einige weitere Highlights der Auktion und wieviel sie brachten, finden Sie hier: Pari Auktionen: 442 Lose bei „Emailschilder & Reklamekunst“.

58.000 Euro brachte das herrliche Emailplakat – zuzüglich Provision!
(Screenshot: Invaluable.com)
Ein Hotel wie ein Bühnenbild
Das Gebäude an der Seestraße 1, in dem sich das Hotel ab 1907 befand – in dieser Zeit muss auch das Emailschild entstanden sein – ist bis heute ein architektonischer Blickfang.
Es entstand im Stil des Späthistorismus und trägt an seiner Fassade ein Ensemble aus Figuren und Motiven, die fast theatralisch wirken: Karyatiden mit Fischschwanz, die einen Balkon stützen; ein Atlas, der über dem Portal den Globus stemmt; männliche Figuren, die im gestalteten „Schiffsbug“ der Fassade auf den Bodensee hinausblicken.

(Bild: German Wolf / Uni Konstanz)
Alles an diesem Haus erzählt eine Geschichte vom Wasser, vom Reisen, vom Fernweh. Es sagt den Passanten – und früher den Gästen: Hier beginnt etwas.
Die Seestraße selbst war damals noch ein junges Stück Stadt. Erst nach den Uferaufschüttungen ab 1868 entstand sie als großzügige Promenadenstraße, bald gesäumt von Villen, Pensionen und Hotels.
Der Hotelbetrieb: Glanz und Wandel
Über etwas mehr als drei Jahrzehnte hinweg empfing das See-Hôtel du Lac seine Gäste. Man kann sich vorstellen, wie Besucher aus der Stadt oder von weither über die Promenade schlenderten, die schweren Eingangstüren aufschoben und in eine Welt eintraten, die Erholung versprach.
Sichtbar war die Rolle des Hauses für jeden, der über den See blickte: Auf dem Dache trug das Gebäude weithin sichtbar den Namen „See Hotel du Lac“ in großen weißen Ziegeln – eine Art frühes Branding, das vom Wasser aus genauso gut zu lesen war wie von der Straße.
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- Konstanz, die größte Stadt am Bodensee, ist ein Ort bewegter Geschichte: Aus einem kleinen römischen Kastell entwickelte sich im frühen Mittelalter ein einflussreicher Bischofssitz
- Eine Stadt entstand, die bald bedeutende Kaufmannsstadt wurde, zur Reichsstadt aufstieg und Anfang des 15
- Jahrhunderts mit dem Konzil sogar weltpolitische Aufmerksamkeit genoss
- Anhand wichtiger Eckdaten und zentraler Ereignisse, auch herausragender Persönlichkeiten wird in dieser Konstanzer Stadtgeschichte Vergangenheit eindrucksvoll lebendig
- Kurzweilig schildert der Autor u
Die Hotelnutzung endete 1943. Die Gründe sind nicht im Detail überliefert. Denkbar sind die Auswirkungen des Krieges, wirtschaftliche Veränderungen oder schlichte strukturelle Anpassungen. Sicher ist: Danach begann das Haus ein zweites Leben.
Vom Grandhotel zum Bürohaus
Heute ist das ehemalige Hotel ein Ort des Arbeitens. Verschiedene Unternehmen, darunter auch die Schindler GmbH, haben hier ihre Büros. Was einst für Reisende gedacht war, dient nun als Adresse für Dienstleistungsfirmen und Konstanzer Wirtschaftsakteure.
Doch selbst wenn man das Haus heute nur im Vorbeigehen betrachtet, spürt man: Es trägt seine Hotelgeschichte noch immer sichtbar an der Fassade – und im Erbe eines einzigen Emailschildes, das all dies in einer kleinen Szenerie bewahrt.
In den überlieferten Quellen und auch auf dem Emailschild taucht der Name des früheren Hotelbesitzers oder Betreibers auf: G. Weckesser. Sicher belegte Informationen über diese Person sind allerdings nicht zu finden. Weder zur Biografie noch zu den genauen Besitzverhältnissen liegen öffentlich zugängliche historische Daten vor.
Es ist möglich, dass Weckesser Eigentümer oder Pächter des Hotels war, vielleicht eine lokale Unternehmerfigur. Doch ohne Archivquellen bleibt er eine schattenhafte Gestalt am Rand der Geschichte.

