Von Auer zu Osram: Aus dem „Glühstrumpf“ wurde eine Marke, die mit Licht und Reklame Geschichte schrieb. Heute sind ihre Emailschilder und anderen Werbeobjekte begehrte Sammlerstücke.
Ein lauer Sommerabend in Berlin im Jahr 1885. Die Straßen sind noch von Gaslaternen gesäumt, ihr gelbliches Licht wabert durch den Dunst der Großstadt.
Doch in den Werkstätten der Deutschen Gasglühlicht-Anstalt arbeitet ein Mann an einer Erfindung, die bald das Leben von Millionen verändern wird: der österreichische Chemiker Carl Auer von Welsbach (1858-1929.

(Bild: Sammler.Net)
Sein Name ist heute nur wenigen bekannt, doch sein „Auer-Glühkörper“, auch “Glühstrumpf” oder “Auerstrumpf” genannt, ein mit seltenen Erden getränktes Gewebe, das in Gaslaternen ein strahlend helles, fast weißes Licht erzeugte – gilt als Urknall der modernen Beleuchtung.
Aus dem Gasglühlicht wurde ein Welterfolg und der Name des Erfinders bleibt mit Licht für immer verbunden.
Von Auer zu Osram
Als sich um die Jahrhundertwende die Elektrizität anschickte, das Gaslicht abzulösen, war es nur folgerichtig, dass auch Auer von Welsbach seine Kenntnisse weiterentwickelte. Glühfäden aus Osmium und Wolfram eröffneten neue Möglichkeiten – und hier taucht erstmals ein Name auf, der bald jeder kannte: Osram.

(Bild: Deutsches Bundesarchiv)
1906 wird die Marke beim Kaiserlichen Patentamt eingetragen. Der Name, ein Kunstwort, gebildet aus OSmium und WolfRAM, klingt nach Wissenschaft, Fortschritt, Solidität. Er ist kurz, einprägsam – und wie geschaffen für eine Welt, die von Technik und neuen Marken geradezu überschwemmt wird.
Mit treffender Reklame zum weltweiten Erfolg
Schon früh begriffen die Verantwortlichen, dass nicht allein die Technik über den Erfolg entscheiden würde, sondern auch das Bild, das man in den Köpfen erzeugte. In Zeitungen und Illustrierten erschienen Anzeigen, die Osram nicht einfach als Glühlampe darstellten, sondern als Versprechen.

(Bild: Sammler.Net)
Auch auf Postkarten und Plakaten warb Osram. Die Motive schwankten zwischen nüchtern-technischer Darstellung – der Glühfaden im Querschnitt, eine Lampe im Sockel – und poetischen Überhöhungen: Osram-Licht als Garant für Behaglichkeit im Wohnzimmer, als Kraftspender in der Werkhalle, als Helfer für Schüler am Schreibtisch.
Licht wurde inszeniert als Wohltat für Körper und Seele, als Fortschritt, der allen Menschen zugutekommen sollte. Eine der frühen Kampagnen spielte mit dem Gegensatz von Stadt und Land: Ob Arbeiter oder Bauer, ob am Amboss oder am Schreibtisch, Osram-Licht schenkte allen die gleiche Helligkeit, das gleiche Stück Zukunft.
Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs bekam die Werbung eine fast existentielle Dimension. Nun war Licht nicht mehr nur technische Errungenschaft, sondern Symbol des Aufbruchs. 1949 entstand ein Slogan, der zum Markenkern wurde: „Osram – hell wie der lichte Tag.“
Diese wenigen Worte bündelten alles: das Bedürfnis nach Normalität, den Wunsch nach Wärme und Klarheit in einer unsicheren Zeit.
Ein Stück deutscher Industriegeschichte
Noch Jahrzehnte später prangte der Satz auf Fassaden und Reklametafeln, am bekanntesten wohl am Osram-Gebäude am Münchner Stachus, wo das Neonlogo zum Wahrzeichen der Nachkriegsmoderne wurde. Die historische Anlage wurde erst 2019 demontiert und durch eine moderne LED-Anlage ersetzt, die aber die nostalgische Neonoptik beibehält.
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- Mit dem Abriss der ehemaligen Hauptverwaltung der OSRAM AG in München geht eine bemerkenswerte Gebäudegeschichte zu Ende: Walter Henn errichtete 1965 damit das erste Großraum-Bürogebäude Europas
- Der Weitsicht des Architekten ist es geschuldet, dass die Anfänge des in Betrieb genommenen Gebäudes von dem aus Wolfsburg stammenden Fotografen und Maler Heinrich Heidersberger fotografisch dokumentiert wurden
- Bereits zu seiner Zeit war er einem großen Publikum für seine hochwertigen Schwarzweiß-Darstellungen der technischen Errungenschaften der Nachkriegszeit bekannt
- Gleichzeitig trugen seine Bilder maßgeblich dazu bei, die Architektur der Braunschweiger Schule bekanntzumachen
- Die Fotodokumentationen von HGEsch begannen in 2010 und setzten sich 2015 fort, als 800 Flüchtende in kleinen Wohn-Containern in den Großraumbüros untergebracht wurden
Wenn man heute durch die Osram-Höfe in Berlin-Wedding geht, wo einst Millionen von Glühlampen hergestellt wurden, spürt man noch etwas von dem einstigen Pioniergeist. Die Hallen sind inzwischen umgenutzt – Büros, Ateliers, kleine Betriebe – doch Geschichte liegt hier in der Luft.
Die Marke Osram ist ein Stück deutscher Industriegeschichte, ein Symbol für Licht als Versprechen. Und vielleicht liegt darin das eigentliche Geheimnis: Dass es Osram gelungen ist, aus Technik Emotion zu machen, oder eben aus einem Glühfaden ein Gefühl.
Emailschilder in vielfältiger Ausführung
Natürlich setzte man in Berlin auch (fast) von Anfang an auf Dauerwerbung. Das adäquate Mittel: Emailschilder. Sie waren robust, stachen ins Auge und waren bestens geeignet, das Produkt in Szene zu setzen.

(Bildmaterial: Reklame-Auktion Worms, Micky Waue Auktionen)
Es gab an den Fassaden von Ladengeschäften, in denen man die Produkte erwerben konnte, solche Osram-Emailschilder, die ganz einfach gestaltet aber doch sehr effektiv waren. Ein Oval, mit kräftigem orangefarbenen Hintergrund, manchmal mit weißer Randlinierung, oder bei den ganz frühen ockergelb umrahmt, ganz oben der Schriftzug OSRAM in kapitalen Lettern.
Unter diesem wurde eine Glühbirne gezeigt, ganz zu Anfang noch die sogenannte “Zipfelbirne”. Häufig fand man unter dem dargestellten Leuchtkörper noch den Zusatz “Verkaufsstelle”. Dieser existiert in vielen verschiedenen Sprachen, denn Osram wurde rasch auch international bekannt.
Zwei Osram-Emailschilder bei “Bares für Rares”
Zwei ältere Damen präsentierten Horst Lichter und Experte Sven Deutschmanek bei “Bares für Rares” im ZDF am Donnerstag, den 4. September 2025 ein Paar Osram-Emailschilder aus den 1920er und 1930er Jahren. Beide – also die Schilder – befanden sich in guter Verfassung.

Das ältere, mit “Zipfelbirne”, hatte einen größeren Abplatzer am oberen Schraubloch. Dennoch könnte man hier von Zustand 1- sprechen, da der Glanz noch sehr gut war und sich nur wenige Kratzer auf der Oberfläche befanden. Das jüngere Schild war noch einen Tick besser, man könnte es mit Zustand 1 bewerten.
Der Wunschpreis der beiden Damen lag bei realitätsfernen 250€ für die zwei Schilder zusammen. Experte Deutschmanek war damit nicht einverstanden.
600 bis 800€ müsste das Duo schon bringen, allein das Schild mit der “Zipfelbirne”, dessen Alter er auf die Zeit von 1919 bis 1921 einordnete, sei deren 400 bis 500 wert, das andere 200 bis 300.
Im Händlerraum stießen die Reklameträger zwar auf rege Beachtung, doch die Gebote hielten sich in Grenzen. Liza Kielon, die noch recht neu bei der ZDF-Sendung ist, machte das Rennen und ein echtes Schnäppchen: Sie erwarb das Osram-Duo für 550€.

(Bild: Wormser Reklame-Auktion/Invaluable.com)
Osram ist bei Reklamesammlern sehr beliebt
Osram ist eine der deutschen Marken, die bei Sammlern Historischer Reklameobjekte sehr beliebt ist. Es gibt zahllose interessante Artikel, von den frühen Glühbirnen selbst, über Ascher, Schilder, Aufsteller, Taschenlampen, Reklamefiguren, …
Gut erhaltene Emailschilder erzielen bei Fach-Auktionen teils hohe Preise. So wurde ein “Zipfelbirne”-Emailschild, wie dasjenige von “Bares für Rares” im Zustand 1+ im Mai vergangenen Jahres in Worms für etwa 1.060€ verkauft: 900€ Zuschlag plus 17% Provision.

Zeigt uns eure Osram-Schilder und anderen Schätze!
Du hast selbst tolle Schilder oder andere Objekte mit Werbung für Osram in deiner Sammlung? Dann hinterlass doch für alle Interessierten Fotos davon im Kommentarbereich unter diesem Beitrag: der orangefarbene Button mit der Sprechblase – unten links – bringt dich direkt zum Formular!

Hallo Sammler.Net, ergänzend zu Eurem Beitrag über Osram kann ich mit einem Foto einer feinen Emailleschild-Rarität aus meiner Sammlung dienen. Die Zipfelbirne ist 32 cm groß und sehr stark, fast schon figürlich, gewölbt. Bei dem tollen Zustand hat man immer wieder Freude daran.
Viele Grüße und danke für die immer interessanten Beiträge.
Gunter Maltusch