Meist sind es ja die eher häufigen Reklameschilder, die bei Bares für Rares auftauchen. Ausnahmen gibt es aber. Eine solche stellt dieses Emailschild mit Reklame für Leica dar, das am Montag, den 1. Dezember 2025 im ZDF für 3.000€ versteigert wurde.
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Zwei Damen hatten sich auf ins Pulheimer Walzwerk gemacht, dies mit einem historischen Reklameobjekt, das man als extrem selten bezeichnen kann. Es handelte sich dabei um ein rot umrandetes Emailschild mit schwarzem Hintergrund.
Rückseite unten mit stärkerem Rost
Darauf ein Namenszug, der bei Freunden der Fotografie die Herzen höher schlagen lässt: Leica. Dies in den typisch geschwungenen Lettern des Markenlogos.
Das gewölbte, schablonierte Emailschild befand sich in einem sehr guten Zustand 1-. Das Minus nur, weil am unteren Rand rückseitig der Rost dem Objekt arg zugesetzt hat und dort minimalster Substanzverlust erkennbar ist. Von vorne fällt dieser kaum auf.


Das Schild, so erfahren Experte Sven Deutschmanek und Moderator Horst Lichter von den beiden Damen, stammt aus einem ehemaligen Foto-Fachgeschäft aus Bad Harzburg, einer Kleinstadt am Harz im niedersächsischen Landkreis Goslar.
Wunschpreis: Bescheidene 400 Euro
Dieses Geschäft hatte der Vater der älteren von beiden einst betrieben. “Das hat auch draußen gehangen” betont diese. Wodurch sich die Rostspuren leicht erklären lassen.
Der Vater hatte seinem Enkel, dem Sohn der älteren Dame also, das Schild vererbt, das er lange Zeit über auf dem Dachboden gelagert hatte. In dessen Auftrag hatten sich die beiden Damen demnach auf den Weg zu Bares für Rares gemacht.
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Ihr Wunschpreis war angesichts der Seltenheit und des guten Erhaltungszustands des fast 100 Jahre alten Reklameträgers der legendären Marke Leica bescheiden. 400 Euro wollten sie für die emaillierte Rarität mit nachhause nehmen.
Schätzpreis: 2.000 bis 2.500 Euro
Was Sven Deutschmanek anschließend als Schätzpreis nannte, sorgte nicht nur bei Horst Lichter für Staunen, sondern auch bei den beiden Damen, die sich das nicht erwartet hätten: 2.000 bis 2.500 Euro sei das Schild wert, so der ZDF-Experte.
Eigentlich erstaunlich, dass dieser den Wert des Schildes einigermaßen korrekt einschätzte. Ansonsten ist man das von ihm ja eher nicht gewohnt. In der Vergangenheit waren die Schätzungen meist viel zu niedrig. Nun, man scheint bei Bares für Rares dazugelernt zu haben und sich im Vorfeld bei “echten” Experten zu informieren.
In diesem Fall bei einem der Pioniere der Schilderszene in Deutschland, Micky Waue. “Ich werde ab und zu vom Regisseur kontaktiert, um etwas zu Authentizität und Wert von Reklameobjekten sagen zu können.” Dies war auch so im Falle des Leica-Emailschildes, womit das Rätsel um “Sven Deutschmaneks” Schätzpreis gelöst ist.

Das Leica-Emailschild geht nach Wien
Mit dieser Expertise im Rücken, mit der sie nie gerechnet hätten, machte sich das Paar in den Händlerraum, wo nahezu alle an dem Schild interessiert waren. Es kam zu einem heftigen Bietergefecht, bei dem sich vor allem Christian Vechtel und Wolfgang Pauritsch ein heißes Duell lieferten.
Schlussendlich mache Pauritsch das Rennen. Er bot 3.000 Euro für das Emailschild, womit der obere Schätzpreis sogar noch um 500 Euro – mehr als sich die Damen ursprünglich insgesamt gewünscht hatten – übertroffen wurde.
Der Wiener ist ein großer Fan der Marke und versteigert auch regelmäßig Raritäten in Sachen Leica-Kamera. So hatte er unter anderem 2018 eine Leica angeboten, die mit einem Hammerpreis von 2,4 Millionen Euro einige Jahre lang als teuerste der Marke galt (siehe hier: 2,4 Millionen Euro, die teuerste Leica der Welt).
In der Vergangenheit deutlich günstiger
Wenn man sich informieren möchte, wieviel ein Emailschild wert ist, kann man sich auch an die Webseite Historische Reklame wenden. Rico Böhme betreibt die wohl vollständigste Datenbank u.a. für Original-Emailschilder.
Für das Leica-Schild etwa gibt es dort zwei EInträge. 2008 war ein solches Schild in Friedrichsdorf – bei Micky Waue – für 450 Euro zugeschlagen worden. Der obere damalige Schätzpreis hatte bei 1.500 Euro gelegen.
Ein weiteres Exemplar wurde dann, acht Jahre später in Worms bei Marc Trapp erneut zum Verkauf angeboten und erzielte – der obere Schätzpreis lag bei 2.000 Euro – 800 Euro.

Es hat einen deutlich erkennbaren Treffer am oberen Rand.
(Bild: Wormser Classic Auctions)
Doch inzwischen sind fast zehn Jahre ins Land gezogen und die Preise für seltene Originale haben sich mittlerweile allgemein vervielfacht. Ein besonders krasses Beispiel ist ein Moretti-Brauereischild, das 2011 für ganze 302 Euro bei eBay versteigert wurde und 12 Jahre später in Worms deren 8.000 brachte. Siehe hier!

