Stille Botschaft an Häusern: Eine Spurensuche zu Versicherungsschildern

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Einst dienten sie als sichtbarer Nachweis des Feuerschutzes, heute sind sie begehrte Sammlerstücke: Versicherungsschilder. Die kleinen Emaille- und Metalltafeln erzählen von Brandschutz, Werbung und Alltagskultur vergangener Epochen. Eine Spurensuche nach den stillen Botschaftern alter Hausfassaden.

Wenn wir heute über Hausnummern, Brandschutzbestimmungen und Versicherungen diskutieren, übersehen wir oft einen kaum bekannten Aspekt der Alltagsgeschichte: Die sogenannten Versicherungsschilder.

Dabei handelt es sich um mal emaillierte, mal bedruckte und teils geprägte Metallplatten, die früher an Hauswänden befestigt waren, um anzuzeigen, bei welcher Versicherung ein Gebäude versichert war.

Diese kleinen Artefakte erzählen nicht nur von einstigem Versicherungsschutz, sondern auch von Kunst und Werbung und sind Fenster in eine vergangene Architekturkultur.

Vom Feuerschutz zur Markierung

Der Ursprung der Versicherungsschilder liegt im England des 17. und 18. Jahrhunderts: Nach dem verheerenden Brand von London 1666 gründeten private Feuerversicherungen, die häufig ihre eigenen Löschmannschaften stellten.

Um im Brandfall rasch zu erkennen, welches Haus bei welcher Gesellschaft versichert war — und wessen Feuerwehr anrücken durfte — brachten sie an den Gebäuden eine kleine Plakette an, die sogenannte „fire insurance mark“.

Das älteste bekannte Schild datiert auf das Jahr 1680. Im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts war dieses System in vielen englischen und später auch nordamerikanischen Städten üblich. Mit der Herausbildung offizieller, kommunaler Feuerwehren verlor der praktische Zweck der Marken zunehmend an Bedeutung.

Badische Feuer-Versicherungs-Bank Karlsruhe:
Emailschild um 1910, 40 x 30 cm groß, gewölbt, schabloniert
und lithographiert, teils zuckergussartig emailliert.
(Bild: Micky Waue Auktionen)

Doch die Idee, Häuser durch sichtbare Zeichen als versichert zu kennzeichnen, blieb lebendig und wandelte sich im Kontinentaleuropa zu einem festen Werbemedium der Versicherungsfirmen.

Um 1900 boomte die Emailschilder-Industrie

Besonders in Deutschland gewannen Emailschilder um die Wende zum 20. Jahrhundert an Bedeutung. Diese Schilder waren wetterbeständig und damit ideal für Außenwerbung.

Die Industrie für Emailschilder boomte: Bereits ab 1893 ließ der Unternehmer Ludwig Stollwerck in der Fabrik Schulze & Wehrmann die ersten „Reklameplakate im Zuckerguß-Verfahren“ fertigen.

Gladbacher Feuer-Versicherung: Emailschild, gewölbt,
lithographiert, um 1925, 25 x 32 cm groß.
(Bild: Wormser Classic Auctions)

Im Laufe der Zeit nutzten viele Versicherungs- und Feuerversicherungsanstalten diese Schilder, um ihre Präsenz zu zeigen. Häuser, die bei einer bestimmten Gesellschaft versichert waren — etwa der Provinzial Versicherungsanstalten (siehe auch weiter unten), der Berlinischen Versicherung oder der Städtischen Feuersozietät Berlin — bekamen ein kleines Schild mit dem jeweiligen Wappen oder Logo.

Auf heutigen Sammler- und Händlerseiten lassen sich zahlreiche solcher Exemplare finden: oft gewölbt und emailliert, mit verzierten Wappen und historischer Typografie.

Vom Alltagszeichen zum Sammelobjekt

Mit dem Rückgang der praktischen Funktion, Hausnummern wurden verpflichtend, kommunale Feuerwehren lösten private Gesellschaftsfeuerwehren ab, verlor das Versicherungs­schild zunehmend seine reale Bedeutung.

Doch verblieb es als Zeugnis einer längst vergangenen Ära und avancierte mit dem wachsenden Interesse an Nostalgie und Klassik zum Sammlerobjekt.

Auf eBay etwa finden sich zahllose Angebote alter Versicherungsschilder — viele im Originalzustand, einige aus ehemaligen Dachböden oder alten Abbruchhäusern gerettet. Der Wert variiert je nach Zustand, Seltenheit und Erhaltungsqualität.

Das Standardwerk zum Thema: Das vergriffene Buch ist u.a. hier erhältlich. (Bild: Versicherungsschilder.com)

Es gibt auch spezialisierte Literatur zum Thema. Wiliam L. Evendens Buch “Deutsche Feuerversicherungsschilder – German Fire Marks”, gilt als diesbezügliches Standardwerk. Es enthält umfangreiche Informationen und eine nahezu vollständige Sammlung aller deutschen Versicherungsschilder, dies auf 360 reich bebilderte Seiten.

Auch in zahlreichen früheren Auktionskatalogen (siehe hier) findet man etliche Informationen und Schätzwerte von Versicherungsschildern.

Die Wertschätzung alter Versicherungsschilder steigt

Die Wertschätzung alter Versicherungsschilder steigt, nicht zuletzt, weil gut erhaltene Originale vergleichsweise selten sind und weil sie eine authentische Verbindung zu einer vergangenen Ära herstellen.

Sammler entdecken dabei nicht nur die ästhetische Qualität der oft fetten Emaillierung und der Typografie, sondern auch den historischen Kontext.

Für seltene Versicherungsschilder, hier ein um 1930 bei Boos & Hahn (Pyro Email) hergestelltes, das für eine belgische Gesellschaft wirbt, werden auch schon mal vierstellige Preise gezahlt. (Bild: Fundus Sammler.Net)

Gesucht sind aber vor allem die selteneren Exemplare, für die durchaus auch schon mal vierstellige Preise gezahlt werden.

In Zeiten, in denen digitale Werbung dominiert und vieles austauschbar wirkt, üben solche greifbaren Objekte eine besondere Faszination aus: Sie sind Zeugnisse einer materiellen Kultur des letzten und vorletzten Jahrhunderts.

“Provinzial Feuer-Societät”-Emailschild bei Bares für Rares

Dennoch gelten bei vielen Reklamesammlern Versicherungsschilder eher zu den weniger beliebten Werbeträgern, auch wenn sie oft hübsch anzusehen sind. So wie beispielsweise dasjenige der “Provinzial Feuer-Societät”, das am heutigen Donnerstag, den 4. Dezember 2025 bei “Bares für Rares” versteigert wurde.

Mit “Provinzial Feuer-Societät” wurden die historischen Feuerversicherungsgesellschaften innerhalb des “Provinzial”-Konzerns, die oft mit der Gründung von Feuerversicherungsanstalten in preußischen Provinzen verbunden sind, bezeichnet.

Emailschild der “Provinzial Feuer-Societät” aus Westfalen aus der Zeit um 1910: Das Schild taucht auch heute noch sehr häufig auf, auch als offizielles Repro aus den 1980er Jahren. (Screenshot: ZDF)

Eine frühe Gründung erfolgte 1722 in Westfalen. Solche Sozietäten sind die Vorgänger von modernen Provinzial-Versicherungen und wurden in der Regel von diesen übernommen. Ebenfalls aus Westfalen stammte das Emailschild, das ein junges Paar heute in Pulheim Expertin Annika Raßbach und Moderator Horst Lichter präsentierte.

Das Schild zeigte einige Gebrauchsspuren auf, hatte – was sehr selten ist – auf der Rückseite jedoch noch Reste des Papieretiketts mit Anleitung zum Anbringen und dem Namen des Emaillierwerks. Dabei handelte es sich um dasjenige von Heinrich Peters aus (Wuppertal-) Elberfeld.

Vollkommen überteuerte 520 Euro

Wenn Frau Raßbach jedoch betont “Das ist kein Emailschild, das ist ein Versicherungsschein”, dann erzählt sie Quatsch. Natürlich ist es ein Emailschild! Und wozu die im konkreten Fall gedacht waren, das haben wir ja bereits oben umfangreich beleuchtet. Es ist also “auch” eine Art Versicherungsschein.

Walter Lehnertz war das recht häufige Schild 510 Euro plus 10 Euro Spaß-Bonus wert.
(Screenshot: ZDF)

Den Wert desselben bezifferte die ZDF-Expertin schließlich auf 80 bis 100 Euro, das junge Paar hatte sich deren 50 bis 80 gewünscht, so dass dem Gang in den Händlerraum nichts im Wege stand. Dort erwarb es schließlich der Eifeler Walter Lehnertz für komplett überteuerte 510 Euro. “Und weil’s soviel Spaß gemacht hat”, so Waldi, legte er noch einen 10er drauf.

520 Euro also für ein Schild, das sehr häufig ist, und selten die 100er-Grenze auf dem Sammlermarkt überschreitet. Wahnsinn!


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Hatte ich heute auch gesehen, der Preis nicht nachvollziehbar 🤷. Wenn es gefällt 😉.