Über den Künstler selbst ist nur sehr wenig bekannt. Wohl aber über seine wichtigsten Arbeiten. Fritz Julian war der Mann, der dem elektrischen (Haushalts)Strom ein Gesicht gab!
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Als Elektrizität im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert langsam Einzug in deutsche Haushalte hielt, war sie zunächst recht abstrakt und erklärungsbedürftig. Strom konnte man nicht anfassen, nicht riechen, nicht schmecken … Er war da, aber für die Menschen schwer greifbar.

(Bild: Privatsammlung)
Genau hier kam die Reklamekunst ins Spiel: Sie musste ein unsichtbares Produkt sichtbar machen, begreifbar, ja sogar begehrenswert. Einer der bedeutendsten Protagonisten dieser neuen Bildsprache war der Berliner Grafiker Fritz Julian.
Verband der Elektrizitätswirtschaft
Die Elektrizitätsbranche erkannte früh, dass sie mehr brauchte als Kabel, Kraftwerke und Steckdosen: Sie brauchte ein einheitliches Gesicht. 1892 gründeten führende Stromunternehmen in Berlin den Vorläufer des späteren Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW).
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Der Verband sollte nicht nur technische und wirtschaftliche Fragen koordinieren, sondern auch Öffentlichkeitsarbeit leisten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der VDEW in Frankfurt neu organisiert, um die junge Bundesrepublik mit Strompolitik und wirksamer Werbung zu begleiten.
Die Geburt einer ikonischen Bildmarke

In den 1920er Jahren erhielt der VDEW den entscheidenden Impuls: Die Elektrizität sollte mit einer Dachmarke sichtbar werden. 1925 beauftragte man Fritz Julian, ein einprägsames Symbol und einen Schriftzug zu entwickeln, das in Plakaten, Anzeigen und sogar auf Emailschildern auftauchen konnte.
Julian schuf eine der bis heute ikonischsten Bildmarken der deutschen Wirtschaftsgeschichte: „Elektrizität in jedem Gerät“, verbunden mit einem minimalistischen Steckersymbol, bei dem die i-Tüpfelchen die Spitzen der Steckerkontakte bildeten.
Das Ergebnis war ebenso genial wie einfach: Strom wurde plötzlich fassbar. Er bekam ein Zeichen, das Vertrauen stiftete und das Versprechen der Moderne einlöste.
Das Unsichtbare sichtbar machen

Ein Beispiel, das bis heute begeistert, ist Julians Plakat „Elektrizität im Wärmgerät“ von 1927. Darauf steht ein eleganter Teekessel auf einer Heizplatte, ein Kabel windet sich kunstvoll durch das Bild, der Stecker wird selbst zum grafischen Ornament.
Strom erscheint hier nicht mehr als technisches Phänomen, sondern als komfortabler Begleiter im Alltag. Julian verstand es meisterhaft, Elektrizität nicht nur zu illustrieren, sondern ihr eine ästhetische Aura von Fortschritt, Eleganz und Verlässlichkeit zu verleihen.

Die Resonanz war überwältigend: Schon 1927 hatten sich 350 Unternehmen die Rechte gesichert, das neue Symbol zu verwenden.
Es tauchte auf Plakaten, Schildern, Prospekten, Haushaltsgeräten, ja sogar auf Aschenbechern auf. Über Jahrzehnte prägte das Logo das Stadtbild, leuchtete von Hauswänden und warb bis in die 1950er Jahre für eine Zukunft, die längst begonnen hatte.
Julian, der bekannte Unbekannte

Heute ist Fritz Julian fast vergessen: Wer im Netz nach ihm sucht, findet quasi nichts. Weder über die genauen Lebensdaten, noch über seine anderen grafischen Arbeiten gibt es genauere Infos.
Doch seine Arbeit beim ehemaligen Verband der Elektrizitätswirtschaft war wegweisend. Er schuf eine Bildsprache für ein unsichtbares Produkt – eine Sprache, die nicht auf Technik setzte, sondern auf Emotion, Schönheit und Verlässlichkeit.
Seine Bildideen haben dazu beigetragen, Elektrizität in den Köpfen der Menschen als selbstverständliches Symbol für Fortschritt zu verankern.
Die Geschichte der Elektrizität ist ohne den VDEW nicht denkbar – und die Geschichte der Stromwerbung nicht ohne Fritz Julian. Er war der Künstler, der den Strom aus der Unsichtbarkeit holte und ihn in das Herz der Moderne stellte.
Nachtrag: Fritz-Julian-Emailschild bei “Bares für Rares”
Im Februar 2026 tauchte eins der kleinen Emailschilder mit der Signatur von Fritz Julian bei “Bares für Rares” auf. Siehe hierzu unseren Forumsbeitrag.

