Von der Faszination alter Lokschilder

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Ein altes Lokschild ist mehr als ein Stück Metall – es ist ein Relikt vergangener Zeiten.
Es erzählt von Lokomotiven, die einst Landschaften durchquerten und Geschichte schrieben.
Wer sammelt, bewahrt damit nicht nur Technik, sondern lebendige Erinnerungen.

(Collage: Sammler.Net, mit Bildmaterial von ZDF und DSO)

Wer ein altes Lokschild in den Händen hält, spürt sofort, dass es mehr ist als ein Stück Metall. Es ist ein Relikt einer vergangenen Epoche, ein Zeugnis von Technikgeschichte und zugleich ein Träger von Geschichten.

Viele Eisenbahnfreunde sammeln sie nicht nur, weil sie selten und dekorativ sind, sondern weil sie eine unmittelbare Verbindung zu Lokomotiven herstellen, die einst durch Städte, Dörfer und Landschaften donnerten.

Anfangs Namen, später Nummern

In den frühen Tagen der Eisenbahn erhielten viele Lokomotiven Namen. „Adler“ oder „Stolz von Bayern“ waren nicht nur schmückende Bezeichnungen, sondern Ausdruck einer Zeit, in der die Eisenbahn selbst ein Symbol des Fortschritts war.


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Neben den Namen trugen die Maschinen häufig Wappen oder Embleme der Länderbahnen. Später, mit zunehmender Industrialisierung, wurde diese individuelle Note zugunsten einer nüchternen, systematischen Nummerierung verdrängt.

Die Schilder folgten Normen, wurden nach festen Größen und Schriften gegossen und spiegelten so den Drang nach Ordnung und Effizienz wider.

Metallguss, Emaille, Aluminium

Die Materialien waren ebenso vielfältig wie die Epochen, die sie repräsentierten. Metallguss dominierte die Frühzeit, Emailschilder wurden ebenfalls produziert, später kamen Aluminiumlegierungen hinzu, die leichter und kostengünstiger waren.

Manche Schilder sind aufwendig dreidimensional ausgeführt, andere wirken fast schmucklos und flach. Doch gerade diese Unterschiede machen ihren Reiz aus: Wer sich ein wenig auskennt, kann an der Machart sofort die Herkunft, die Zeit und manchmal sogar das konkrete Werk erkennen, in dem die Lok einst beheimatet war.


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Für Sammler ist dabei oft nicht das „schönste“ Schild das wertvollste. Vielmehr sind es die Spuren der Nutzung – Kratzer, Rost, abgeplatzte Farbe oder Ölflecken – die einem Schild Charakter verleihen.

Eine zu gründliche Reinigung kann diesen Zauber zerstören. Man könnte fast sagen: Die Patina ist die Seele des Lokschildes.

Ein komplexes Sammelgebiet

Die Motive, warum Menschen Schilder sammeln, sind unterschiedlich. Manche erinnern sich an die Dampflokzeiten ihrer Kindheit, andere möchten technische Dokumentation lebendig machen. Auch Modellbahnfreunde hängen sich gerne mal das ein oder andere Lokschild in den Hobbyraum.

Wieder andere suchen schlicht die Ästhetik dieser massiven Tafeln, die mit ihren markanten Ziffern und Formen wie Industriedesign im besten Sinne wirken. Allen gemeinsam ist die Leidenschaft für Eisenbahngeschichte – und die Freude am Entdecken.


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Doch Vorsicht ist geboten: Wie in jeder Sammlerszene gibt es auch bei Lokschildern Fälschungen. Manche Stücke sind nachgegossen oder später verfälscht worden, indem etwa Nummern verändert oder neu aufgenietet wurden. Der Markt ist lebendig, aber nicht immer ehrlich.

Deshalb gilt: Wer sammelt, sollte sich Wissen aneignen, Vergleiche ziehen und wenn möglich die Herkunft eines Schildes dokumentieren können.

Gerade die belegbare Geschichte – wenn sich ein Schild einer bestimmten Lok zuordnen lässt – macht den besonderen Reiz aus.

Ein Lokschild von 1925 bei “Bares für Rares”

Ein pensioniertes Lehrer-Ehepaar wurde am Donnerstag, den 11. September 2025 im Pulheimer Walzwerk vorstellig, um in der ZDF-Sendung “Bares für Rares” ein solches Lokschild anzubieten.

Das Nummernschild war aus Stahl gefertigt, die Ziffern darauf, “94 899”, bestanden aus Aluminium und waren mit Nieten auf dem Hintergrund befestigt.

Sven Deutschmanek schätzte das Alter des Schildes auf die späten 1920er, resp. 1930er Jahre ein. An welcher Lok das Schild einst befestigt war, ließe sich auf die Schnelle nicht genau feststellen, so der Experte.

Was Sven Deutschmanek (l.) nicht wusste: Das Schild, das an diesem Donnerstag bei “Bares für Rares” verkauft wurde, war einst an der Tenderlokomotive “Köln 8166” montiert, die 1919 in Betrieb genommen wurde, montiert. Erst 1925 erhielt sie die Bezeichnung “94 899”. (Screenshot: ZDF)

Die Lok zum Schild lief ab 1919 als “Köln 8166”

Tatsächlich gehörte das Schild, wie eine kurze Sammler.Net-Recherche ergab, zur Baureihe 94.5. Die Dampflokomotive 94 899 wurde 1919 bei der Berliner Maschinenbau-AG (vormals L. Schwartzkopff) in Wildau unter der Fabriknummer 6921 gebaut.

Es handelt sich um eine Güterzugtenderlok, die zunächst als Köln 8166 lief und ab dem Nummernplan von 1925 die Bezeichnung 94 899 erhielt. Ihre Daten sind in verschiedenen Lokbaureihen-Verzeichnissen und Baulisten dokumentiert.

Die Anbieter – der Mann hatte das Schild einst aus einem Altmetall-Container gefischt – wünschten sich 300€ dafür. Das erschien Deutschmanek dann doch zu viel. Aufgrund des nur mäßigen Zustandes sah er eine Preisspanne von 100 bis 150€.

Mit dieser Schätzung zeigten sich Verkäufer denn auch zufrieden. Im Händlerraum schlug schließlich Roman Runkel aus Koblenz zu: für 120€ erwarb er das Schild.

Eine Lok dieser Baureihe, 94.5, war es, an der das Schild einst befestigt war. (Bild: DSO)

Eine Form der Spurensicherung

Heute ist das Sammeln alter Lokschilder längst mehr als eine nostalgische Liebhaberei. Es ist eine Form der Spurensicherung.

In einer Zeit, in der die großen Dampflokomotiven längst von der Bildfläche verschwunden sind, bewahren diese massiven, oft unscheinbaren Tafeln ein Stück gelebter Industriegeschichte. Sie erinnern an den Geruch von Kohle und Öl, an das Zischen des Dampfes und an den Stolz einer ganzen Epoche.

Ein Lokschild ist damit weit mehr als ein Sammlerstück. Es ist ein Schlüssel – ein Schlüssel zu Erinnerungen, Technik und Geschichten, die sonst vielleicht längst verblasst wären.


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Risiko & Fälschungen

Wie bei vielen Sammelobjekten gibt es auch bei Lokschildern nicht nur ehrliche Originale:

  • Fälschungen / Nachbauten: Manche Schilder werden exakt nachgefertigt oder so verändert, dass sie älter oder seltener erscheinen, als sie sind. Ein häufiges Problem sind falsche Nummern, falsch angenietete oder nachträglich aufgemalte Teile.
  • Veränderte Stücke: Es kommt vor, dass Nummern später geändert wurden, oder dass ein Schild umgearbeitet wurde (z. B. Beschriftung überarbeitet), so dass die Originalität leidet.
  • Überreinigung & Restaurierung: Ein Extrem kann sein, das Schild so stark zu reinigen, dass die Patina verloren geht – damit geht oft ein Teil des historischen und ästhetischen Wertes verloren.

Tipps für Sammelanfänger

Wenn Du gerade beginnst, alte Lokschilder zu sammeln, hier ein paar Hinweise:

  1. Recherche zuerst
    Informiere dich über die Bahngeschichte, Loktypen, Baureihen, Normen. Literatur, Spezialforen, Webseiten wie lokschilder.info oder Sammlerforen sind hilfreich.
  2. Vergleichen und genau hinschauen
    Achte auf Material, Stempel, Schriftart, Maße. Oft helfen Vergleichsfotos oder Auskünfte von erfahrenen Sammlern.
  3. Dokumentation sichern
    Wenn möglich: Herkunft, Besichtigungsdatum, Belege (z. B. Fotos auf der Lok/ Werks-Nummer). Lieber eine gute Geschichte haben als nur ein schönes Schild ohne Hintergrund.
  4. Budget & Preise
    Preise variieren stark je nach Rarität, Zustand und Nachfrage. Kleinere Schilder oder solche, die weniger interessant sind, bekommt man in moderaten Bereichen; seltene Stücke können mehrere hundert oder tausend Euro kosten.
  5. Lagerung & Pflege
    Rostschutz, passende Lagerbedingungen (nicht zu feucht, keine extremen Temperaturschwankungen), sanfte Reinigung – aber weder aggressive Säuren noch Abschleifen der Patina.
  6. Austausch mit anderen Sammlern
    Tauschbörsen, Kleinanzeigenportale, spezialisierte Museen oder Sammlergruppen sind gute Anlaufstellen – nicht nur für das Finden, sondern auch für Beratung und Erfahrungswissen.

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Ein Nummernschild erzählt: 94 899

Zu dem heute (11.09.25) in “Bares für Rares” vorgestellten Lokschild gibt es folgendes zu ergänzen: Die Nummer besteht aus der Baurehenbezeichnung der Deutschen Reichsbahn Gesellschaft ab 1925 und steht mit der 94 für Güterzug-Tenderlokomotiven. Die 899 ist die Loknummer, die je nach Unterbauart, in Gruppen vergeben wurde.

Die 899 gehört zur Baureihe 94.5-17, d.h., das von 500-1700 Loks dieser Bauausführung gelistet wurden. So können unterschiedliche Achslasten, Betriebsdrücke des Kessels, Heiß-oder Nassdampf und die Zugehörigkeit vor 1925 zu den deutschen Staatseisenbahnen in Nummerngruppen erfasst und ausgedrückt werden.

Unsere Lok wurde als preußische T 16.1 bei der BMAG, vorher Schwartzkopf 1919 gebaut und der damaligen RBD Köln als 6921 zugeteilt. Sie wurde als schwere Güterzugtenderlok eingereit und der Gattung G 55.17 zugeteilt, diese Werte wurden rechts und links am Führerhaus unter der Loknummer gezeigt, Ausführung und Schrifttyp entsprechend dem Nummernschild.

Es bedeuten G-Güterzug-Tenderlok, 5 Treibachsen, 5 Achsen gesamt mit jeweils 17 t Achslast. Da die Loks auf Grund der Achslast ihr Gesamtgewicht zur Traktion zur Verfügung hatten, waren sie in Verbindung mit dem Raddurchmesser von 1350 mm, einer Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h nicht schnell, aber zugkräftig. Sie wurden auf Nebenbahnen im Zugdienst, auf Rangierbahnhöfen im schweren Rangierdienst, zum Abdrücken von Güterzügen über die Ablaufbergen und als Werklokomotiven im Verschub eingesetzt.

Eine Spezialaufgabe wurde der Baureihe zuteil, als sie zu Versuchszwecken auf den regelspurigen Zanhnradstrecken der Deutschen Reichsbahn Gesellschaft eingesetzt wurden, um zu testen, ob man den aufwendigen Zahnradbetrieb einstellen und alle Zugleistungen auf diesen Strecken mit Reibungsloks fahren konnte.

So wurden ab 1922 Tests gefahren und dazu die Probeloks mit einer Riggenbach-Gegendruckbremse versehen. Hierbei arbeitet nach Umstellen der Steuerung die dampflosen Zylinder als Kompressoren, die verdichtet Luft sorgt für den erforderlichen Bremswiderstand und die üblichen Bremsklötze werden geschont.

Der Erfolg brachte die Ablösung der Loks der Baureihe 97 (Zanhnradtenderloks) und den Übergang zum reinen Reibungsbetrieb, allerdings mit gesonderten Bremsvorschriften für den Steilstreckenbetrieb über 4% Steigung/Neigung. Es wurden dabei Strecken mit bis zu 6,67% Steigung sicher befahren. So konnten u.a. noch etwa 150 t Zuglast auf solchen Steigungen mit 20 kmh befördert und auch sicher gebremst werden. In der Ebene waren dagegen 1800 t mit 40 kmh zulässig.

Das Baureihensytem der DRG (Deutsche Rechsbahn Gesellschaft) sah übrigens folgende Gliederungen vor :01-19 Schnellzuglokomotiven, 20-29 Personenzuglokomotiven,40-59 Güterzuglokomotiven, 60-62 Schnellzug-Tenderloks,63-69 Personenzugloks, 70-79 Personenzug-Tenderloks, 80-96 Güterzug-Tenderloks, 97 alle Zahnradloks,98 Lokalbahn(Kleinbahn) Tenderloks und 99 alle ! Schmalspur-Dampflokomotiven unabhängig ihrer Spurweite.

Dieses Nummernschema wurde sogar bei den ersten Elloks übernommen. Die 899 war übrigens um 1950 in Wanne-Eickel im Rangierdienst eingesetzt und von ihrer Sorte wurden 1236 Loks gebaut, ein Zeichen für Leistungsfähigkeit,Wirtschaftlichkeit und Robustheit im Betrieb.

(Quelle: Dampflok-Archiv 3/Baureihen 60-96, 3.Auflage transpress Verlag Berlin 1982 und eigene Recherchen)

Vielen Dank für diese ausführlichen Zusatzinformationen!

Hilft vielleicht beim Bewerten solcher Schilder, das hier war ein “Arbeitstier”, relativ unspektakulär und überall zu finden, wo es schwere Arbeit gab.
Da gibt es natürlich noch ganz andere Triebfahrzeuge, die u.U. sogar mit innovativen früheren Entwicklungen in der Eisenbahntechnik zu tun haben.
Man weiß ja nie, was noch irgendwo herum liegt. Da mal tiefer zu forschen, kann noch interessante Details zu Tage fördern, was sich natürlich auf den Sammlerwert auswirken könnte. Viel Erfolg!