Laferme & Salem Aleikum: Wertvolle Glas-Reklameschilder bei Bares für Rares

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Da kann man doch nur noch die Hände über dem Kopf zusammenschlagen: Am Freitag, den 25. Juli 2025 wurden in der ZDF-Sendung “Bares für Rares” wieder einmal zwei extrem seltene und wertvolle Reklameschilder weit unter Wert verkauft …

Aus Zwickau nach Köln: Bis vor kurzem befanden sich die beiden Seltenheiten aus Glas & Stahl noch an ihrem ursprünglichen Ort, einem alten Tabakladen. (Screenshots: ZDF)

Christoph und Sebastian Seidel, Vater und Sohn aus Zwickau, hatten etwas schweres – und vor allem seltenes – im Gepäck, als sie beim Pulheimer Walzwerk vorfuhren. Zwei große Reklameschilder, sogenannte Hinterglaslithographien, aus der Zeit um 1910 – 1920 hatten sie mitgebracht.

Beide Schilder kommen aus dem Tabakwarenfachgeschäft, das der Vater in der sächsischen Stadt geführt hatte, in dritter Generation übrigens. Aus dessen Großvaters Zeit in dem Zwickauer Laden stammten die beiden imposanten Werbemittel, die sie Horst Lichter und der Expertin Annika Raßbach stolz präsentierten.

Mit der schmaleren Hinterglaslithographie wurde die Marke Salem Aleikum Zigaretten aus dem Dresdner Haus Yenidze beworben. Wer sich für dieses traditionsreiche Tabakunternehmen interessiert, findet hier einen umfangreichen Sammler.Net-Beitrag.

Das etwas breitere Exemplar warb für die Zigaretten eines anderen Tabakfabrikanten aus Dresden, nämlich der Compagnie Laferme. Gegründet 1862 von Joseph Michael v. Huppmann-Valbella, war sie eine Zweigniederlassung der gleichnamigen Zigarettenfabrik in St. Petersburg, die dort bereits seit 1852 bestand.

BfR-Expertin Annika Raßbach (links) bewies, dass sie von der französischen Sprache in etwa soviel Ahnung hat wie von Hinterglaslithos!

Dieses Glas-Reklameschild – hergestellt bei Schött Act. Ges. / Rheydt, ein Unternehmen, das seit 1818 existierte und sich auf Druckerzeugnisse der Tabakindustrie spezialisiert hatte – ist noch um ein vielfaches seltener als das Salem Aleikum.

400€, ein bescheidener Wunsch

Vater und Sohn Seidel wünschten sich bescheidene 400€ für die beiden Raritäten zusammen. Horst Lichter war begeistert, vor allem von dem Laferme. Er sprach den Namen denn auch richtig aus, denn das letzte ‘e’ bleibt hier stumm. Doch Annika Raßbach wollte ihn eines besseres belehren und verunglimpfte den Firmennamen, indem sie ihn “Lafermä” nannte. Irgendwie schien sie auf dem letzten ‘e’ ein (unsichtbares) “Accent” entdeckt zu haben.


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Doch die Marke heißt tatsächlich “Laferme” und nicht “Lafermé” … Jemandem, der französisch versteht und sich sowas anhören muss, schmerzen die Ohren! Noch peinlicher aber ist die Tatsache, dass die “Expertin” auch die Objekte selbst nicht richtig beschreiben konnte.

Nein, die Glasschilder wurden nicht “bemalt”, Frau Raßbach. Es handelt sich um Hinterglaslithographien. Das ist eine Sonderform der Lithografie, bei der ein Bild auf die Rückseite einer Glasplatte gedruckt wird, wodurch eine einzigartige Tiefenwirkung und Farbbrillanz entsteht. Diese Technik ist seit dem 19. Jahrhundert bekannt und wurde oft für dekorative Zwecke oder als Kunstform verwendet. 

720€, ein echtes Schnäppchen

Markus Wildhagen bei der Inspektion der beiden Schilder. Er erhielt für schmale 720€ den Zuschlag.

Auch was den Wert solcher Raritäten aus der Welt der Historischen Reklamebetrifft, ist die Expertin, die erst seit recht kurzer Zeit bei “Bares für Rares” mitmischt, nicht richtig informiert. Sie taxierte die beiden Exemplare – zusammen – auf 400 bis 500€, sprach aber davon, dass da “noch Luft nach oben” sei.

Die Seidels waren mit den Ausführungen von Annika Raßbach zufrieden, so dass sie den Händlerraum aufsuchten, wo die beiden Objekte für Begeisterung sorgten. Dennoch blieb es bei einem bescheidenen Verkaufserlös. Markus Wildhagen (Wandel Antik) machte schließlich das Rennen und ein schönes Schnäppchen: Sein Gebot von 720€ war das höchste.

Dieses Exemplar wechselte 2022 in Worms bei einer Auktion für rund 2.800€ inkl. Provision den Besitzer: “Hinterglaslithographie, goldliniert, in originalem Holzrahmen gefasst, Dresden um 1910, 45 x 125 cm.”
(Bild: Wormser Reklame-Auktion)

Da kann man dem symphatischen Düsseldorfer nur dazu gratulieren. Da bleibt noch richtig was zu verdienen. Doof nur für die Verkäufer, die besser daran getan hätten, sich im Vorfeld mal über den Wert solcher Raritäten zu informieren. Wozu gibt es eigentlich Seiten wie Sammler.Net?

Wer weiß mehr über das Laferme?

Was das Salem Aleikum Glasplakat angeht, so ist allein dieses in dem Zustand, wie es bei “Bares für Rares” auftauchte, gut 2.000€ wert. Ein etwas besser erhaltenes Exemplar wurde 2022 bei einer Auktion für 2.400€ zzgl. 17% Provision, also rund 2.800€ versteigert.

Und was das Laferme betrifft? Dieses dürfte – trotz der großen Fehlstelle im Motivbereich, rechts neben dem Elefanten – ebenfalls einen guten vierstelligen Betrag wert sein. In den vergangenen Jahren ist kein einziges solches Schild bei einer Auktion aufgetaucht.

Vielleicht hat ja ein Sammler von Dresdner Tabakreklame mehr Infos über das Laferme. Wir würden uns freuen: Einfach den orangefarbenen Button mit der Sprechblase unten links anklicken. So kommen Sie gleich zum Kommentar-Formular und können in Wort und Bild zu diesem Artikel beitragen!


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Ich teile Einschätzung zur Gänze
Immer wieder Erschütternd wie Alte Reklame bei diesem TV Format von “Experten” taxiert wird. Man sollte ihnen Auktionskataloge zur Orientierung zukommen lassen

Also, wer da sowas anbietet … So einem ist nicht zu helfen. Ich äregere mich auch oft, wenn ich sowas sehe, immer wieder liegen die mit ihren Pseudo-Expertisen sowas von daneben, zum Leid der Anbieter. Aber die könnten sich ja im voraus mal informieren, was sowas wert ist.

Der Bayerische Rundfunk hatte ein ähnliches TV-Format, mit Fokus auf Expertise, die den Eigentümern zu Gute kam.
„Kunst & Krempel“ kann ich stark empfehlen,
diese alten Aufzeichnungen anzuschauen bringt einen weiter – ich habe es geliebt. Professionelle Aufklärung statt reine Unterhaltung.