Die Veedol-Frau zählt zu den bekanntesten Reklamefiguren der Werkstattkultur. Seit den fünfziger Jahren erschien die Schlittschuhläuferin in zahlreichen Varianten.
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(Alle Bilder: Wormser Classic Auctions)
Veedol zählt zu den traditionsreichen Schmierstoffmarken, deren Name bis heute präsent geblieben ist. Entstanden 1913 in den USA innerhalb der Tide Water Oil Company, gewann die Marke früh internationales Ansehen, nicht zuletzt durch die Empfehlung von Henry Ford, der Veedol als Motoröl für das Model T einsetzte.
In Deutschland erschien Veedol ab 1925. Schon früh verband sich der Markenname mit Zuverlässigkeit, Laufkultur und moderner Mobilität.
Im Sammlerbereich verdankt Veedol seine besondere Bekanntheit heute einer Werbefigur, die erst nach dem Krieg entstand und bis heute zu den markantesten Reklamebildern der Werkstattkultur zählt: der Veedol-Frau.
Die erste Läuferin war einst Miss Germany
Am Anfang stand eine sportliche Schlittschuhläuferin. Die frühe Veedol-Figur zeigt eine junge Frau mit Pudelmütze, langärmligem Pullover, Handschuhen und Schlittschuhen in leicht vorwärts geneigter Bewegung.

Der Gedanke dahinter war ebenso einfach wie einprägsam: Leichtlauf sollte sichtbar werden. Was ein gutes Motoröl im Motor bewirken sollte, wurde über das Gleiten auf Eis unmittelbar verständlich gemacht.
Entworfen wurde diese Figur von Heinz Fehling, der in den fünfziger Jahren zu den prägenden Gestaltern deutscher Markenwerbung zählte. Fehling verstand es wie kaum ein anderer, technische Produkte in klare, leicht erfassbare Bildideen zu übersetzen.
Als Vorlage für die spätere Veedol-Frau gilt nach heutigem Kenntnisstand Vera Marks, Miss Germany des Jahres 1951. Ihre elegante Erscheinung spiegelt sich in der Figur deutlich wider und dürfte mit dazu beigetragen haben, dass die Veedol-Frau von Beginn an eine ungewöhnlich starke Präsenz entwickelte.

Besonders eindrucksvoll erscheint die frühe Läuferin auf den schwarzen, hochformatigen Blechschildern, bei denen sie vor dunklem Hintergrund zusammen mit dem kräftigen, orangefarbenen Veedol-Schriftzug dargestellt wird.
Auch am Sammlermarkt bleibt diese frühe Ausführung gefragt. Ein Exemplar dieser Ausführung erzielte vor etwas mehr als drei Jahren in Worms 1.200 Euro zzgl. Provision.
Spätere Versionen: Blonde Mähne statt Pudelmütze
Nur wenige Jahre später veränderte sich die Figur sichtbar. Die Pudelmütze verschwand, das langärmlige Oberteil wurde durch ein enges gelbes Trikot mit rotem Schriftzug ersetzt, die Haltung eleganter, die Wirkung leichter und selbstverständlicher.
Jetzt entstand jene blonde Veedol-Frau, die heute als das eigentliche Gesicht der historischen Veedol-Reklame gilt.
Der Einfluss amerikanischer Pin-up-Grafik ist unverkennbar, dennoch blieb die Darstellung stets zurückhaltend. Gerade darin liegt ihre Stärke: Die Figur wirkt feminin, aber nie überzeichnet, elegant, ohne an grafischer Klarheit zu verlieren.

Die blonde Veedol-Frau bildet heute den Kern des Sammelinteresses. Freistehende Figuren dieser Ausführung, bekannt als “Sommer-Schlittschuh-Läuferin”, die es in verschiedenen Größen gibt, bewegen sich meist zwischen 360 und 450 Euro. Sehr gut erhaltene Stücke erreichen auch mehr.

Wesentlich niedriger sind die Preise, wenn es um das häufigste Modell der Veedol-Pin-ups geht, die Schlittschuhläuferin mit der Schärpe (siehe Bild ganz oben). Gefühlt jeder Lastwagen hatte diese Veedol-Frau in den 1950er und 1960er Jahren auf seinem Kühlergrill.
Die Auflage muss entsprechend hoch gewesen sein. In guter Erhaltung kosten solche Pin-ups heute um die 150 bis 200€.
Sehr gesucht sind die runden Schilder
Besonders gesucht sind die runden Veedol-Schilder, bei denen die blonde Läuferin direkt in das Markenlogo eingebunden ist.
Die Kreisform verleiht diesen Stücken eine besondere Präsenz, zugleich wirkt die Figur darin außergewöhnlich lebendig, weil sie scheinbar in den Schriftzug hineinläuft. Diese Verbindung aus klarer Typografie und Figur macht den besonderen Reiz aus.

Heute spricht die Veedol-Frau unterschiedliche Sammlerwelten zugleich an. Reklamesammler schätzen die grafische Qualität, Automobilia-Sammler die Nähe zur Werkstatt- und Tankstellengeschichte, Pin-up-Sammler die typische Figurenästhetik der fünfziger Jahre.
Was einst als Werbefigur für Motoröl begann, gehört heute zu den bekanntesten Reklamebildern der Werkstattkultur.
Veedol Pin-up bei “Bares für Rares”

Am Donnerstag, den 12. März 2026 war eine Veedol-Schlittschuhläuferin in der ZDF-Sendung “Bares für Rares” zu Gast. Die Verkäufer hatten sie aus Familienbesitz geerbt und wünschten sich bescheidene 50€ für die blecherne Dame, die recht gut erhalten war.
Experte Detlef Kümmel lieferte einige Erklärungen zum Motiv und zur Marke und siedelte das Pin-up zeitlich in die späten 1960er Jahren an. Den Wert taxierte er mit 100 bis 150€.
Im Händlerraum stieß das Blechschild auf recht großes Interesse. Das Renen machte schließlich Christian Vechtel, der das Blechschild mit Geschichte nun für 220€ sein eigen nennen darf. Ob er es bei diesem hohen Einkaufspreis noch mit Gewinn weiterverkaufen kann? Na, was meint ihr?


