Legenden der Reklame (17): Hans Lindenstaedt

Hans Lindenstaedt gehört zu jenen Reklamegrafikern, deren Werke man sofort erkennt, deren Name aber nicht so bekannt ist, wie der anderer Zeit- und Weggenossen. Von „Urbin“ bis „Storch Maccaroni“ erzählen seine Entwürfe vom Aufbruch der Werbung in die Moderne um 1910.

Manchmal braucht es nur ein einziges Objekt, um einen Künstler wieder ins Rampenlicht zu rücken.
So geschehen vor wenigen Tagen in unserem Forum: Dort wurde ein außergewöhnlich seltenes Emailschild „Storch Maccaroni“ thematisiert, ein Entwurf von Hans Lindenstaedt (1874–1928), der nun bei der Jubiläumsauktion von Auktionshaus Mehlis im Fokus steht (siehe hier).

Der “Storch” des Anstoßes: Dieses Emailschild war der Auslöser zu diesem Beitrag über Hans Lindenstaedt. (Bild: Auktionshaus Mehlis)

Dieses Schild ist alles andere als ein alltäglicher Werbeträger: Es wurde um 1910 bei den Frankfurter Emaillirwerken Neu-Isenburg produziert, trägt die Signatur „Lindenstaedt“ und in den vergangenen Jahren soll nur ein weiteres Exemplar dieses Motivs bei einer Auktion aufgetaucht sein. Ein extrem seltenes Stück also!

Eine Reklame-Ikone der frühen Moderne

Dieses „Storch Maccaroni“-Schild ist mehr als nur ein Werbeschild – es ist ein Stück Grafik- und Konsumgeschichte. Lindenstaedt war kein großer Plakatstar à la Hohlwein oder Bernhard, aber er gehörte zu jener Generation von Reklamegrafikern, die den Weg für die moderne Werbung bereiteten.

Dafür stehen seine klare Bildsprache und prägnanten Botschaften. Lindenstaedts Entwürfe prägten Produktwelt und Straßenbild gleichermaßen.

Plakate, Blech- und eben auch Emailschilder wie dieses waren damals allgegenwärtig und doch sind nur wenige erhalten. Gerade deswegen zählen Funde wie „Storch Maccaroni“ zu den ganz besonderen Schätzen in der Sammler-Szene: Ein Stück Geschichte, das trotz aller Schäden ästhetisch wie historisch fasziniert.

Vom Forum in die Galerie

Das „Storch Maccaroni“-Schild ist nicht nur ein Highlight der anstehenden Mehlis-Jubiläumsauktion, sondern auch ein wunderbarer Aufhänger, um die Welt von Hans Lindenstaedt, der sich seinen Platz in unserer Reihe “Legenden der Reklame” verdient hat, neu zu erzählen.

Hans Lindenstaedt, geboren 1874, war ein deutscher Grafiker und Plakatkünstler und aktiv in der Hochphase der frühen Reklamekunst um 1900 bis 1920 in Berlin.

Die Stadt war damals ein Zentrum der neuen Bildsprache. Besonders Charlottenburg entwickelte sich zu einem Hotspot für Druckereien, Lithographen und Werbeanstalten.. Lindenstaedt war mittendrin!

Um 1911 wird er als Betreiber eines eigenen Unternehmens genannt, dem „Verlag Reklamekunst Hans Lindenstaedt, Charlottenburg“. Das klingt nicht nach Atelierromantik, sondern nach professioneller Auftragsgrafik. Und genau darin liegt seine Bedeutung.

„Urbin – bester Schuhputz“

Lindenstaedts Entwürfe für Urbin sind in vielen Varianten bekannt.

Das wohl bekannteste Lndenstaedt-Motiv, das bis heute immer wieder auftaucht, trägt den Titel „Urbin – bester Schuhputz“ und tauchte 1905 erstmals auf. Ein kleines Werbeplakat, knallig rot-gelb-schwarz lithographiert, mit jener typischen Mischung aus Humor, Klarheit und Produktstolz, die für die Jahrhundertwende so charakteristisch ist.

Dieses Plakat zeigte neben dem charakteristischen Lindenstaedt-Logo des “Ich hab’s”-Mannes eine Schuhbürste und ein Paar Stiefletten.

Solche Blätter waren Alltagsgrafik – gedacht für Schaufenster, Litfaßsäulen, Ladentüren. Und doch wirken sie heute wie kleine Zeitkapseln: sie erzählen vom Konsum, von Mode, vom Geschmack und von der grafischen Eleganz einer Epoche, die gerade erst begann, „modern“ zu werden.

Derzeit im Fundus zu haben: Der Urbin-Mann von Lindenstaedt. (Bild: Sammler.Net-Fundus)

Gerade das Motiv des “Ich hab’s”-Mannes ist heute in Sammlerkreisen beliebt und taucht regelmäßig in Auktionen und Archiven auf. Es existiert in vielen verschiedenen Varianten. So beispielsweise auch als Blech- oder Emailschild in diversen Größen und Ausführungen.

Zwischen Plakatkunst und Warenwelt

Lindenstaedts Themen fanden sich in der Warenwelt des Alltags: Schuhcreme, Mundwasser, Bier, Zigaretten, Zoobesuche, Ausstellungen. Seine Entwürfe leben von klaren Figuren, reduzierter Typografie und einem Blick für den schnellen Effekt – schließlich sollte ein Plakat in Sekunden überzeugen.

Damit steht er stilistisch in einer Reihe mit den frühen Meistern der deutschen Reklamegrafik, wenn auch nicht mit deren späterem Ruhm.

Namen wie Lucian Bernhard oder Ludwig Hohlwein sind bekannter geblieben, Lindenstaedt hingegen ist ein typischer Fall für jene Künstler, deren Werke (fast) jeder (zumindest in der Sammlerszene) schon gesehen hat, deren Biografie aber fast verschwunden ist.

Spratts Bild 1 Spratts Bild 2
Zwei weitere Motive von Lindenstaedt. Für Tierfutter von Spratts.

Heute begegnet man Hans Lindenstaedt vor allem in Plakat- und Grafikauktionen für Sammler, in Online-Archiven und Museumsdatenbanken. Seine Arbeiten erzielen solide Preise, besonders wenn sie gut erhalten sind und sie besitzen einen besonderen Reiz als echte Zeugnisse der visuellen Alltagskultur.



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