Po-Ho: Die stille Karriere einer Hamburger Marke

Aus einer kleinen Hamburger Hausmittelmarke wurde ein Name, der mehr als ein Jahrhundert überdauerte und bis heute in der Schweiz weiterlebt. Po-Ho versprach freie Atemwege, gestärkte Nerven und schnelle Erleichterung im Alltag.

(Bild: Ex-Fundus Sammler.Net)

Es gibt Werbeschilder, die mehr erzählen als ihre eigentliche Botschaft. Sie tragen ein Lebensgefühl, eine Haltung und ein ganzes Stück Alltagsgeschichte in sich. So wie dieses Blechschild von Po-Ho, aus der Zeit um 1930.

Ein Herr mit schwarzer Melone, freundlich, beinahe vertraulich, hebt die Hände, als wolle er selbst Zeugnis ablegen. Neben ihm steht in großen gelben Buchstaben: „PO-HO hat mir geholfen!“ Daneben eine schmale rote Packung, darunter der Satz: „Öffnet die Luftwege, erfrischt die Nerven.“ Unten rechts, fast beiläufig, liest man: Po-Ho Sanitäts-Werk, Hamburg 23.

Das Schild ist unten links monogrammiert: FH kann man dort erkennen. Falls ein Leser dieses Monogramm zuordnen kann, würden wir uns über einen Hinweis, z.B. unten in den Kommentaren, freuen.


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Auf den ersten Blick ist das klassische Reklame aus der Zwischenkriegszeit: klare Farben, einprägsame Figur, ein knappes Versprechen. Doch hinter dieser scheinbar schlichten Werbung verbirgt sich eine weit ältere und eigentümlich vielschichtige Geschichte.

Po-Ho entstand 1882 in Hamburg

Po-Ho entstand 1882 in Hamburg, gegründet von Otto Johann Julius Witt & Söhne, einem Familienunternehmen, das Hausmittel und Naturheilpräparate herstellte. In einer Stadt, die vom Handel lebte und Neuheiten schnell aufnahm, entwickelte sich Po-Ho früh zu einer bekannten Marke. Ein Werbespruch aus der Zeit um 1900 lautete selbstbewusst: „Die Adresse Po-Ho Hamburg genügt.

Schon dieser Satz verrät, dass Po-Ho mehr war als ein einzelnes Produkt. Tatsächlich gehörten zum Sortiment die sogenannten „3 guten alten Hausmittel“: ein Taschen-Inhalator, eine Haut- und Massiercreme (Po-Ho Fluid, siehe Emailschild unten) sowie ein Nerven-Belebungsmittel.

Am bekanntesten wurde das Po-Ho-Fluid, eine Mischung ätherischer Öle aus Minze, Eukalyptus und Wacholder, verwendet bei Erkältungen, Kopfschmerzen und Muskelbeschwerden.

„Gesellschaft für indisches Naturheilwesen“

Bemerkenswert ist jedoch, wie früh die Marke sich mit einer größeren Gesundheitsidee verband. Eine Reklamemarke nennt ausdrücklich eine „Gesellschaft für indisches Naturheilwesen“ und wirbt mit dem Satz: „Adresse ‚Po-Ho‘ Hamburg genügt.“ Die Verbindung von Hamburg und „indischem Naturheilwesen“ wirkt aus heutiger Sicht überraschend, war um 1900 jedoch ein vertrautes Stilmittel.

Damals besaßen Begriffe wie indisch, orientalisch oder fernöstlich im Gesundheitsbereich eine besondere Anziehungskraft. Sie standen für Ursprünglichkeit, Naturwissen und alternative Heilmethoden. Dies als Gegenbild zur rasch wachsenden technischen Moderne. Auch der Name Po-Ho folgt dieser Logik: kurz, fremd klingend, bewusst nicht erklärbar.

Die erwähnte „Gesellschaft“ war wahrscheinlich keine eigenständige wissenschaftliche Institution, sondern Teil jener Werbesprache, die Seriosität und Weltläufigkeit zugleich erzeugen sollte. Vieles deutet darauf hin, dass Po-Ho von Anfang an nicht nur Heilmittel verkaufte, sondern ein Gesundheitsversprechen: freier atmen, die Nerven stärken, den Körper ins Gleichgewicht bringen.

Heute lebt Po-Ho in der Schweiz weiter

Gerade deshalb passt das Blechschild so gut in seine Zeit. Der Mann mit der Melone verkörpert keine medizinische Autorität, sondern den glaubwürdigen Anwender: einen Menschen, dem geholfen wurde. Vertrauen entstand nicht durch Wissenschaft, sondern durch Wiedererkennbarkeit und Erfahrung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand das Hamburger Unternehmen aus dem Wirtschaftsleben. Die Marke jedoch blieb erhalten. Heute lebt Po-Ho in der Schweiz weiter — bei A.Vogel AG als Po-Ho neo und bei Hänseler AG neo als Po-Ho Öl blau.

Vielleicht erklärt gerade diese stille Kontinuität den Reiz der Marke. Po-Ho war nie spektakulär, nie laut, nie weltberühmt. Und doch hat sich ein Versprechen über mehr als ein Jahrhundert gehalten: dass Erleichterung manchmal in einem kleinen Fläschchen beginnt …



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