Vor 65 Jahren wurde das Ost-Ampelmännchen geboren

Geschichten und Geschichtliches rund um die Verkehrsampeln

Längst hat das Ampelmännchen Kultstatus erlangt. Es gibt sie sogar als Kühlschrankmagnete. (Bild: Sammler.Net)
Längst haben die Ampelmännchen Kultstatus erlangt. Es gibt sie sogar als Kühlschrankmagnete. (Bild: Sammler.Net)

Am 13. Oktober 1961 reichte der Verkehrspsychologe Karl Peglau in Ost-Berlin seinen Entwurf für das berühmte Ost-Ampelmännchen ein. Was damals als Beitrag zur Verkehrssicherheit gedacht war, wurde zu einer der bekanntesten deutschen Designfiguren. Doch die Geschichte der Ampelmännchen beginnt viel früher und ist noch lange nicht zu Ende erzählt.

Heute stehen wir beinahe selbstverständlich vor einer roten Ampel und warten auf Grün. Doch bevor elektrische Lichtsignale den Straßenverkehr regelten, mussten Polizisten mit Handzeichen, Pfeifen und gelegentlich recht lautstarken Anweisungen versuchen, Ordnung ins Verkehrschaos zu bringen. Mit der zunehmenden Zahl von Pferdefuhrwerken, Kutschen, Straßenbahnen und später Automobilen wurde das immer schwieriger.

1868 stand in London die weltweit erste Ampel

Die erste bekannte Verkehrslichtanlage für den Straßenverkehr entstand 1868 in London, unweit des britischen Parlaments in Westminster. Sie war eine Idee des Eisenbahningenieurs John Peake Knight, der Erfahrungen mit Signalanlagen der Eisenbahn auf die Straßen übertragen wollte.

Das ungewöhnliche Bauwerk war weit entfernt von einer modernen Ampel. Tagsüber zeigten bewegliche Signalarme an, ob der Verkehr anhalten musste. Nachts kamen rote und grüne Gaslichter zum Einsatz. Bedient wurde die Anlage von einem Polizisten.

Die Neuerung erregte Aufmerksamkeit, doch die Freude währte nicht lange. Bereits im Januar 1869 kam es infolge eines Gaslecks zu einer Explosion. Der diensthabende Polizist wurde schwer verletzt.

Die Anlage wurde außer Betrieb genommen und das Experiment vorerst beendet. Die Geschichte dieser ersten Verkehrsampel ist unter anderem beim Smithsonian Magazine dokumentiert.

Es dauerte Jahrzehnte, bis sich die Lichtsignaltechnik weiterentwickelte. Am 5. August 1914 wurde in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio eine elektrische Verkehrsampel in Betrieb genommen. Sie gilt als erste ihrer Art weltweit.

Das System verwendete rote und grüne elektrische Lampen. Die Signale wurden durch die Wörter „Stop“ und „Move“ ergänzt. Eine gelbe Zwischenphase gab es nicht; ein akustisches Signal machte auf den Wechsel aufmerksam.

Mit der Elektrifizierung der Verkehrsregelung begann der Siegeszug der Ampel, wie wir sie heute kennen. Mehrere Städte entwickelten und verbesserten die Technik. Drei Farben setzten sich als internationales Grundprinzip durch: Rot zum Anhalten, Gelb als Warn- beziehungsweise Übergangssignal und Grün zur Freigabe der Fahrt.

Die technischen Einzelheiten und die Bedeutung der Anlage von Cleveland beschreibt das Cleveland Police Museum.


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1924 kommt die erste Ampel nach Deutschland

Auch in Deutschland wurde der Verkehr zunehmend zu einem Problem. Besonders deutlich zeigte sich das am Potsdamer Platz in Berlin. Der Platz galt damals als einer der verkehrsreichsten Europas. Hier begegneten sich Autos, Fahrräder, Pferdefuhrwerke, Straßenbahnen und zahllose Fußgänger.

Am 15. Dezember 1924 war es so weit: Die erste deutsche Verkehrslichtsignalanlage nahm am Potsdamer Platz ihren Betrieb auf.

Die Berliner Lösung war spektakulär. Ein mehr als acht Meter hoher, fünfeckiger Verkehrsturm ragte über dem Straßenverkehr auf. In seiner erhöhten Kanzel saß ein Polizist, der die Lichtsignale steuerte. Anfangs leuchtete zwischen Rot und Grün sogar ein weißes Licht auf, das später durch Gelb ersetzt wurde.

Der Verkehrsturm wurde zu einer Attraktion des modernen Berlins und zu einem Symbol für den technischen Fortschritt der Weimarer Republik. Als der ursprüngliche Turm später verschwand, geriet seine Geschichte nicht in Vergessenheit: Seit dem Jahr 2000 steht am Potsdamer Platz wieder ein Nachbau.

Die spannende Geschichte des Berliner Verkehrsturms erzählt das Deutschlandmuseum.

Erst die Fußgängerampel, dann das Ampelmännchen

Während die ersten Anlagen vor allem den gesamten Straßenverkehr regelten, entwickelte sich allmählich auch eine eigene Signaltechnik für Fußgänger.

1933 nahm Kopenhagen eine Lichtsignalanlage in Betrieb, die eigens für Fußgänger gedacht war. In Berlin wurden ab 1937 verkleinerte Fahrzeugampeln mit roten und grünen Signalen auch für Fußgänger eingesetzt. In New York kamen 1952 automatische Fußgängerampeln mit den Schriftzügen „Walk“ und „Don’t Walk“ hinzu.


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Eine entscheidende Frage blieb allerdings: Wie lässt sich möglichst eindeutig und schnell erkennen, ob man stehen bleiben oder die Straße überqueren darf?

Schriftliche Anweisungen sind nicht überall gleich verständlich. Und in einer immer internationaleren Weltstadt müssen Verkehrssignale auch Menschen erreichen, die eine Sprache nicht lesen können. Einfache, international verständliche Bilder bieten dafür einen naheliegenden Lösungsansatz.

In vielen Ländern wurden deshalb eigenständig Fußgängersymbole entwickelt. Der weltweite Überblick von MobileKids zeigt, wie unterschiedlich diese Figuren und Signale bis heute ausfallen.

13. Oktober 1961: Karl Peglau hat eine Idee

An diesem Punkt kommt ein Mann ins Spiel, dessen Erfindung heute Millionen Menschen kennen: Karl Peglau. Der 1927 geborene Verkehrspsychologe beschäftigte sich mit der Frage, wie Menschen Verkehrssignale wahrnehmen und wie sich Unfälle vermeiden lassen.

Am 13. Oktober 1961 reichte er in Ost-Berlin seine Vorschläge für neue Ampelsymbole ein. Aus diesem Anlass feiert das Ost-Ampelmännchen am heutigen 13. Oktober 2026 seinen 65. Geburtstag.

Peglau wollte nicht einfach einen möglichst neutralen Strichmenschen gestalten. Seine Figuren sollten freundlich, gut erkennbar und intuitiv verständlich sein. Besonders Kinder, ältere Menschen und Personen, denen abstrakte Symbole Schwierigkeiten bereiten, sollten von der anschaulichen Darstellung profitieren.

So entstand eine Figur mit einem auffälligen Bauchansatz, einer großen Nase und einem Hut. Das rote Männchen steht mit weit ausgebreiteten Armen da. Es wirkt wie eine menschliche Schranke, die den Weg versperrt. Das grüne Männchen dagegen schreitet mit großen Schritten aus und signalisiert Bewegung.

Die Formen waren also keineswegs bloße Dekoration. Die breiten Arme des roten Symbols sollten die Sperrwirkung verstärken, während die weit auseinanderstehenden Beine des grünen Männchens die Gehbewegung verdeutlichten. Zugleich vergrößerten die kräftigen Konturen die gut sichtbare Lichtfläche.

Die Geschichte der Entwürfe und die Überlegungen ihres Schöpfers sind auf der Website der AMPELMANN GmbH ausführlich beschrieben.

Erst 1969 wird Peglaus Idee umgesetzt

Zwischen dem Entwurf und der Einführung lagen mehrere Jahre der Prüfung und Weiterentwicklung. Erst 1969 kamen die roten und grünen Figuren erstmals versuchsweise an Fußgängerampeln in Ost-Berlin zum Einsatz. In den folgenden Jahren verbreiteten sie sich in der gesamten DDR.

Damit wurde das Ost-Ampelmännchen zu einem vertrauten Bestandteil des Alltags. Generationen von Kindern lernten mit dem kleinen Mann im Hut, wann sie an einer Kreuzung warten und wann sie losgehen durften.

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Es ist allerdings wichtig, zwischen dem Geburtstag des Entwurfs und dem Beginn seines Einsatzes zu unterscheiden: Der 13. Oktober 1961 markiert die Vorstellung beziehungsweise Einreichung der Idee, nicht die Inbetriebnahme der ersten Ampeln.

Auch das Ampelmännchen war übrigens nicht die erste menschliche Figur an einer Fußgängerampel weltweit. Seine Besonderheit lag vielmehr in der eigenständigen, bewusst entwickelten Form und der außergewöhnlichen Wiedererkennbarkeit.

Das DDR Museum beschreibt, wie die Figur ursprünglich zur Verkehrssicherheit beitragen sollte und später weit über diese Funktion hinauswuchs.

Nach der Wende drohte das Aus

Mit der deutschen Wiedervereinigung geriet das Ost-Ampelmännchen in Gefahr. Im Zuge der Vereinheitlichung der Verkehrssignale sollten die ostdeutschen Figuren schrittweise durch westdeutsche beziehungsweise neue Standardsymbole ersetzt werden.

Doch viele Menschen wollten sich von ihrem vertrauten Ampelmännchen nicht trennen. Was zunächst wie ein unscheinbares Detail der Verkehrstechnik wirkte, war längst zu einem Stück Alltagsgeschichte geworden.

Widerstand regte sich, und ein Komitee zur Rettung der Ampelmännchen setzte sich für den Erhalt der Figuren ein. Auch der Industriedesigner Markus Heckhausen trug dazu bei, die Aufmerksamkeit auf das drohende Verschwinden zu lenken. Er sammelte ausrangierte Ampelgläser und machte daraus Leuchten – aus einem Verkehrssignal wurde ein Designobjekt.

1997 wurde der Erhalt der Ost-Ampelmännchen schließlich durchgesetzt. Die Figuren durften an ihren bisherigen Standorten bleiben und sollten auch bei neuen Verkehrsanlagen in den ostdeutschen Bundesländern bevorzugt werden. Die Marke AMPELMANN wurde ebenfalls 1997 geschützt.

AUS DEM FUNDUS

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Heute findet man die Figuren nicht nur in Berlin und den neuen Bundesländern. Sie sind längst ein beliebtes Motiv auf Souvenirs, Kleidung, Lampen und anderen Designprodukten. Der kleine Mann mit Hut hat seine ursprüngliche Funktion nie verloren, aber eine zweite Karriere als Kultfigur begonnen.

Weitere historische Einzelheiten dokumentiert German History in Documents and Images.

Der Mann im Hut bekommt Gesellschaft

Das Ost-Ampelmännchen blieb nicht allein. Inzwischen nutzen Städte besondere Figuren an Fußgängerampeln, um regionale Identität sichtbar zu machen. Manche erinnern an berühmte Persönlichkeiten, andere an lokale Wahrzeichen oder beliebte Figuren aus Film und Fernsehen.

In Mainz etwa leuchtet seit dem 23. November 2016 das Mainzelmännchen Det an einer Fußgängerampel. Weitere Mainzelmännchen-Ampeln folgten. Die Stadt Mainz bezeichnet sie inzwischen als Besuchermagneten. (Stadt Mainz: Mainzelmännchen-Ampel)

Trier setzte 2018 Karl Marx als Ampelfigur ein. Der Philosoph steht bei Rot mit weit geöffneten Armen und schreitet bei Grün mit einem Buch unter dem Arm voran. Der Anlass war sein 200. Geburtstag. (Stadt Trier: Mit Marx gehen und stehen)

In Wernigerode gibt es seit 2023 eine Hexenampel: Eine Hexe und ein Teufel begleiten dort Fußgänger über die Straße. Passend zur Sagenwelt des Harzes. (Stadt Wernigerode: Die Hexenampel ist da!)


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Auch im Norden tut sich was: Seit Januar 2026 regeln Ernie und Bert an zwei Hamburger Fußgängerampeln nahe den NDR-Standorten den Verkehr. Bei Bert bleibt man stehen, bei Ernie darf man gehen. Das Projekt stammt vom Sesame Workshop, der gemeinsam mit dem NDR seit Jahrzehnten die deutsche „Sesamstraße“ produziert.

Die Figuren sollen insbesondere Kindern helfen, Verkehrsregeln spielerisch zu verstehen. (NDR: Ernie und Bert werden Ampelmännchen)

Ampelweibchen, Pärchen und neue Formen der Vielfalt

Nicht jede Ampelfigur muss ein einzelner Mann sein. Schon seit Jahren werden andernorts weibliche Figuren eingesetzt, um Frauen im öffentlichen Raum sichtbarer zu machen.

In Spanien experimentierten mehrere Städte mit weiblichen Fußgängersymbolen. Fuenlabrada führte solche Motive bereits 2006 und 2007 ein, Valencia folgte 2016 mit weiblichen Figuren an ausgewählten Kreuzungen.

Auch Deutschland kennt das Ampelweibchen: In Zwickau und anderen Orten wurden weibliche Gegenstücke zu den klassischen Figuren verwendet. Damit ist der Weg von einem einzelnen Ampelmännchen hin zu einer vielfältigeren Symbolwelt längst eingeschlagen.

Besonders bekannt sind die Wiener Ampelpärchen. Anlässlich des Eurovision Song Contest und des Life Balls 2015 installierte die österreichische Hauptstadt Fußgängersignale mit heterosexuellen sowie gleichgeschlechtlichen Paaren. Ursprünglich als zeitlich begrenzte Aktion gedacht, blieben die Figuren wegen der positiven Resonanz erhalten. Sie wurden zu einem Symbol für Toleranz und Vielfalt und zu einem beliebten Fotomotiv. (Stadt Wien: Wiener Ampelpärchen)

Auch Mainz bekam 2025 queere Ampelpärchen. An der Kaiserstraße wurden Figuren mit gleichgeschlechtlichen und gemischtgeschlechtlichen Paaren installiert. (SWR: Erste queere Ampelmännchen in Mainz)

Die Entwicklung zeigt: Eine Ampelfigur ist heute nicht mehr allein eine Frage der Technik. Sie kann auch ausdrücken, wen eine Stadt sichtbar machen möchte und welche Werte sie in ihrem öffentlichen Raum vermitteln will.

Von der Nana bis zum Ampelwolf

Wie lebendig diese Entwicklung ist, zeigen gleich mehrere Beispiele aus den Jahren 2025 und 2026. In Hannover leuchtet seit dem 4. November 2025 eine Ampel-Nana. Das Motiv erinnert an die farbenfrohen, üppigen Frauenfiguren der Künstlerin Niki de Saint Phalle, die zum Stadtbild Hannovers gehören.

Entworfen wurde das Ampelmotiv im Rahmen des Zukunftstags 2025. Die Stadt hat angekündigt, dass die Nana dauerhaft bestehen bleibt. (Hannover.de: Hannover hat jetzt eine Ampel-Nana)

Im Juni 2026 kam in Wolfsburg der Ampelwolf hinzu. An der Pestalozziallee wurden die bisherigen Fußgängersymbole durch stilisierte Wolfsmotive ersetzt. Das Design stammt von der Wolfsburg Wirtschaft und Marketing GmbH. Weitere Ampeln an der Rothenfelder Straße sollen folgen, sobald sie umgerüstet sind. Auch hier geht es darum, der Stadt ein unverwechselbares Gesicht zu geben. (Stadt Wolfsburg: Wolfsmotiv erobert Ampeln)

Die Sonderfiguren werden also nicht weniger, sondern vielfältiger. Dabei müssen sie eine wichtige Voraussetzung erfüllen: Sie müssen auch in einer kleinen, leuchtenden Fläche aus der Entfernung eindeutig erkennbar bleiben. Hannover weist deshalb darauf hin, dass solche Motive nur dort eingesetzt werden können, wo reine Fußgängerübergänge ausreichend Platz für eine klare Darstellung bieten.

Ein Blick über die Grenzen

Die Vielfalt endet nicht an den deutschen Grenzen. Weltweit gestalten Städte ihre Fußgängersignale auf sehr unterschiedliche Weise.

In Odense, Dänemark, begleitet seit 2005 der Dichter Hans Christian Andersen mit Hut und Gehstock Fußgänger über ausgewählte Straßen. In der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar erscheinen zu nationalen Feiertagen Reiter, Bogenschützen und Ringer als Ampelfiguren. Die Motive greifen damit kulturelle Eigenheiten und sportliche Traditionen auf.


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In Japan und Südkorea bleibt bei manchen Fußgängersignalen die Figur dunkel, während der Hintergrund leuchtet. Japan verwendet für das grüne Signal zudem traditionell eine Bezeichnung, die auch mit Blau verbunden ist – ein sprachgeschichtlicher Hintergrund, der erklärt, weshalb das Freigabesignal dort häufig bläulich-grün erscheint.

In anderen Ländern wiederum stehen statt einer menschlichen Figur eine Hand, eine gepunktete Silhouette oder zusätzliche Zeitangaben im Mittelpunkt. Die technische Aufgabe ist ähnlich, die gestalterischen Lösungen unterscheiden sich beträchtlich. (MobileKids: Red-green diversity helps to safely across the road)

So wird die Fußgängerampel zu einem kleinen Spiegel der jeweiligen Gesellschaft. Sie zeigt, welche Symbole verständlich sind, welche Figuren zum kulturellen Gedächtnis gehören und welche Botschaften eine Stadt im öffentlichen Raum vermitteln möchte.

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