Deutsche Emaillierwerke prägten die Reklamegeschichte wie kaum eine andere Industrie – ihre Namen finden sich noch heute auf zahllosen historischen Emailschildern. Wer die kleinen Herstellerangaben kennt, kann Herkunft, Alter und Geschichte eines Schildes oft deutlich besser einordnen.
Schnellnavigation

Wer sich mit historischen Emailschildern beschäftigt, stößt früher oder später auf kleine Beschriftungen am Rand oder auf der Rückseite: Boos & Hahn, C. Robert Dold, Heinrich Peters, Union-Werke, Schweizer & Söhne oder auch Bezeichnungen wie Pyro-Email, Ferro-Email und Torpedo-Email.
Herstellerangaben können hilfreich sein
Diese Herstellerangaben können für Sammler ausgesprochen hilfreich sein. Sie geben Hinweise auf die Herkunft eines Schildes, können bei der zeitlichen Einordnung helfen und sind nicht selten ein wichtiges Merkmal bei der Beurteilung eines Originals.
Allerdings ist die Sache nicht ganz einfach: Nicht jeder Name, der auf einem Schild erscheint, bezeichnet zwingend das Unternehmen selbst. Teilweise handelt es sich um Marken- oder Produktbezeichnungen der Emaillierwerke. So steht beispielsweise Pyro-Email für Boos & Hahn in Ortenberg/Baden, Ferro-Email für C. Robert Dold.
Anzeige
Hinzu kommt, dass einige Unternehmen nicht ausschließlich Emailschilder produzierten. Blechwaren-, Verpackungs- oder Plakatfabriken konnten ebenfalls Emailschilder herstellen.
Ein gutes Beispiel dafür ist die Blechemballagen-Fabrik Gebr. Koppe in Berlin, die nachweislich auch Emaille-Werbeschilder für Berliner Unternehmen und Kunden im gesamten Deutschen Reich fertigte.

Alphabetische Auswahl deutscher Hersteller und Werke
Die folgende Zusammenstellung basiert auf vorhandenen Herstellerlisten, Museumsobjekten, Firmen- und Archivquellen sowie belegten Auktionsstücken. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Gerade bei kleineren oder nur kurze Zeit existierenden Firmen sind noch weitere Entdeckungen möglich.
| Hersteller / Werk | Ort | Bemerkung |
|---|---|---|
| Aetz-, Emaillier- und Stanzwerk Fischer GmbH | Berlin | Hersteller historischer Emailschilder |
| Benisch, Richard | Leipzig | Emaillier-/Reklamehersteller |
| Boos & Hahn / Pyro-Email | Ortenberg/Baden | Einer der bekanntesten deutschen Hersteller; Umzug 1921 von Offenburg nach Ortenberg. Dort entstanden bis 1995 zahlreiche Emailplakate. |
| DURO-Emaillierwerk GmbH | Dachau | Emaillierwerk |
| Eisenwerke Gaggenau AG | Gaggenau | Bedeutender früher Hersteller; produzierte u. a. Emailschilder für Stollwerck, Maggi und Odol. |
| Email-Plakate Erich König | Großhesselohe | Hersteller/Anbieter von Emailplakaten |
| Emaillierwerk Birkenfeld-Nahe / Segor | Nahe Birkenfeld | Hersteller; auch bei Schildern der 1950er Jahre nachweisbar. |
| Emaillierwerk Gottfried Dichanz | Berlin | Bekannter Berliner Hersteller |
| Emaillierwerk Haselbacher & Co. | Hannover | Emaillierwerk |
| Emaillierwerk J. Leineweber | Sondernheim | Nachweisbar an Emailschildern, z. B. einem Bier-Werbeschild von etwa 1925. |
| Emaillierwerk Klee & Leineweber | Germersheim/Rhein | Hersteller |
| Emaillierwerk Klimo & Bongartz | Hamburg-Wandsbek | Hersteller; auch unter der Bezeichnung Vulkan-Email bekannt |
| Emaillierwerk Heinrich Peters | Elberfeld | Besonders bei seltenen Reklameschildern anzutreffen; beispielsweise „Sulima Revue Cigarettes“. |
| Emaillierwerk Rhenania | Schwelm | Hersteller; u. a. auf großen Bier-Werbeschildern nachweisbar. |
| Emaillierwerk E. Schmitt KG | Bellheim | Hersteller |
| Emaillierwerk Schulze & Wehrmann | Elberfeld | Bekannter Hersteller; unter anderem mit der Marke Gladiator-Email |
| Eternit Email / Emaillierwerk Hans Fink | München-Pasing | Hersteller |
| Ferro-Email / Aetz- & Emaillierwerke C. Robert Dold | Offenburg | Bedeutendes Emaillierwerk; Ferro-Email. |
| Fischer & Jistel | Kulmbach | Hersteller |
| Frankfurter Emaillierwerke Otto Leroi GmbH / Torpedo-Email | Frankfurt/Main, später Neu-Isenburg und Berlin | Bedeutender Hersteller; auf zahlreichen historischen Emailschildern nachweisbar. |
| Germersheimer Emaillierwerk | Germersheim | Hersteller |
| Kübler, Ludwig – Emaillierwerk | – | Herstellerangabe in historischen Verzeichnissen |
| Lunds Carl, Emailwerk | – | Historische Herstellerangabe |
| Matthes-Fischer-Werke GmbH, Abt. Emaillierwerk | Düsseldorf | Hersteller |
| Muldenthaler Emaillier- und Stanzwerk Richard Mörtzsch | Penig | Hersteller |
| Oskar Winter, Emaillierwerk | Hannover | Seltener Hersteller; auch auf frühen, gewölbten Emailschildern nachweisbar. |
| Sächsische Emaillier- und Stanzwerke | Lauter i. S. | Hersteller |
| Sächsische Emailschilder-Fabrik Reuter & Hellge | Penig | Hersteller |
| Schweizer & Söhne / Christoph Schweizer & Söhne GmbH | Schramberg | Nachweisbar z. B. auf Emailschildern für Überkinger Sprudel. |
| Stark & Riese – Weimarische Emaille-Schilderfabrik | Tannroda | Hersteller |
| Titan-Email / Franz Herb, Münchener Emaillier- und Stanzwerke | München | Bekannter Hersteller bzw. Markenbezeichnung |
| Union-Werke AG / Granat-Email | Radebeul-Dresden | Bedeutender sächsischer Hersteller; Granat-Email ist auf zahlreichen Schildern belegt. |
| VEB Schwarter Emailwerke | Lauter, Sachsen | Hersteller der DDR-Zeit |
| Westfälische Stanz- und Emaillierwerke AG | Ahlen | Bedeutender westfälischer Hersteller |
| Wamsler-Werke AG | München | Nicht nur für Öfen bekannt; auch Emailschilder sind belegt. |
Anzeige
Neben den klassischen Emaillierwerken gab es Unternehmen, die eigentlich aus der Blech-, Verpackungs- oder Plakatindustrie kamen und laut verschiedenen Quellen ebenfalls Emailschilder herstellten.
Besonders interessant ist hier die Blechemballagen-Fabrik Gebr. Koppe in Berlin-Lichtenberg. Das Berliner Wirtschaftsarchiv belegt ausdrücklich, dass die Firma in den folgenden Jahrzehnten auch Emaille-Werbeschilder produzierte und damit nicht nur Berliner, sondern Kunden im gesamten Deutschen Reich belieferte.

Weitere Namen, die in spezialisierten Verzeichnissen und Auktionsquellen auftauchen, sind beispielsweise: Wameta AG – Köln, Saupe & Busch – Radebeul/Dresden, Schillerwerk Godesberg – Bad Godesberg, Keim & Co. – Nürnberg, Lacer C. & Co. – München, Prager & Lojada – Berlin sowie Seidel & Co. – Tannroda
In historischen Verzeichnissen erscheinen hier teilweise Unternehmen aus der Blech- und Plakatindustrie oder Hersteller, bei denen die konkrete Emailschilder-Produktion heute schwieriger unabhängig zu belegen ist.
Sie kennen noch weitere Emaillierwerke?

um 1930. (Bild: Sammler.Net-Fundus)
Nicht jedes originale Emailschild trägt eine Herstellerangabe. Gerade bei älteren Schildern sind die Angaben oft nur klein am unteren Rand, auf der Rückseite oder in einer Ecke zu finden. Auch können Schilder desselben Motivs aus unterschiedlichen Produktionsserien stammen und dadurch unterschiedliche oder gar keine Herstellerbezeichnungen tragen.
Für Sammler sind solche kleinen Signaturen deshalb weit mehr als nur ein Detail: Sie können ein wichtiges Puzzleteil bei der Bestimmung, Datierung und Echtheitsprüfung eines Emailschildes sein.
Die deutsche Emailindustrie war deutlich größer und vielfältiger, als es die heute noch bekannten Namen vermuten lassen. Alte Adressbücher, Firmenkataloge, Patentschriften, Museumsbestände und insbesondere bislang nicht identifizierte Herstellervermerke auf Emailschildern können noch weitere Namen ans Licht bringen.
Wer ein Emailschild mit einer bislang unbekannten Herstellerangabe besitzt, darf Sammler.Net deshalb gerne darauf aufmerksam machen, über die Kommentarfunktion unter diesem Beitrag oder per direkter Kontaktaufnahme. Vielleicht lässt sich damit ein weiterer Baustein der Geschichte der deutschen Emailschilder dokumentieren.
Wie erkennt man ein originales Emailleschild? Welche Fälschungen sind bekannt? Worauf sollten Sammler beim Kauf von Emailleschildern achten?
→ Alles Wissenswerte im großen Emailschilder-Ratgeber auf Sammler.Net
