ARTAS: Nach 90 Jahren geht das Licht aus

Von DAIMON über ARTAS bis NARVA: Die Geschichte eines traditionsreichen Herstellers, dessen Taschenlampen Generationen begleiteten. Nun endet in Arnstadt eine fast 90-jährige Industriegeschichte.

Es ist eine Nachricht, die nicht nur ehemalige DDR-Bürger und Technikfreunde interessieren dürfte: Das Taschenlampenwerk ARTAS im thüringischen Arnstadt hat Ende Oktober 2026 seine Produktion eingestellt. Damit endet nach neun Jahrzehnten die Herstellung von Taschenlampen und anderen Leuchten an diesem traditionsreichen Standort.

Was einst als Zweigbetrieb eines bekannten deutschen Elektrotechnikunternehmens begann, entwickelte sich zu einem der bekanntesten Hersteller von Taschenlampen in Deutschland. Insbesondere in der DDR waren die Produkte aus Arnstadt allgegenwärtig. Die blaue Blech-Stablampe, Signallampen mit farbigen Filterscheiben oder die Leuchtstäbe der Verkehrspolizei gehörten zum vertrauten Bild des ostdeutschen Alltags.

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Die Wurzeln liegen bei DAIMON

Die Geschichte von ARTAS ist untrennbar mit dem Namen DAIMON verbunden. Die Ursprünge dieser Marke reichen bis ins Jahr 1896 zurück. Damals eröffnete der Schlosser Paul Schmidt in Berlin eine kleine Werkstatt für elektrische Geräte. 1901 gründete er daraus eine elektrotechnische Fabrik, die unter anderem Glühlampen, Trockenbatterien und Taschenlampen herstellte. Ab 1904 wurden die Produkte unter dem Markennamen DAIMON vertrieben.

Das Unternehmen entwickelte sich zu einem international bedeutenden Hersteller. In den 1920er-Jahren waren DAIMON-Taschenlampen und Batterien bereits in zahlreichen Ländern erhältlich. Neben dem Berliner Stammwerk entstanden weitere Produktionsstandorte, darunter auch in Arnstadt.


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1936 errichtete die Elektrotechnische Fabrik Schmidt & Co. auf dem Gelände einer ehemaligen Viskosefabrik in Arnstadt einen neuen Zweigbetrieb. Produziert wurden dort vor allem Taschenlampen, die dazugehörigen Glühlampen sowie Fahrrad- und Rundfunkbeleuchtung.

Die Dimensionen waren beachtlich: Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs beschäftigte das Arnstädter Werk rund 550 Menschen. Nach Angaben der Arnstädter Stadtchronik wurden damals monatlich etwa 250.000 Taschenlampen hergestellt. Hinzu kamen weitere Beleuchtungsprodukte und rund eine Million Schwachstromglühlampen.

Die Eigentumsverhältnisse waren kompliziert

Nach Kriegsende wurde die Produktion zunächst vorübergehend eingestellt. Bereits am 2. Juli 1945 nahm der Betrieb mit zunächst 63 Beschäftigten die Arbeit wieder auf. In den folgenden Monaten wuchs die Belegschaft erneut.

Die Eigentumsverhältnisse waren allerdings kompliziert. Die DAIMON-Werke galten als britisches Interesse; als Eigentümer wird in der Arnstädter Stadtchronik die britische Ever Ready Company genannt. 1946 wurde der Betrieb als landeseigener Betrieb des Landes Thüringen übernommen.


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Die politische Teilung Deutschlands hatte auch Auswirkungen auf die Marke DAIMON. Während sich Teile des Unternehmens im Westen befanden, entwickelte sich der Arnstädter Standort unter anderen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen weiter.

Um Konflikte mit den Markenrechten des westdeutschen Unternehmensteils zu vermeiden, erhielt das Arnstädter Taschenlampenwerk einen neuen Namen: ARTAS – die Abkürzung für Arnstädter Taschenlampenwerk. Der neue Name wurde zum 1. November 1958 eingeführt.

Damit war die Verbindung zu DAIMON zwar aus dem Firmennamen verschwunden, die gemeinsame Unternehmensgeschichte blieb jedoch bestehen.

Der Taschenlampenhersteller der DDR

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich ARTAS zu einem bedeutenden Industriebetrieb der DDR. Das Werk wurde in das staatliche Wirtschaftssystem eingebunden und gehörte später zum Kombinat NARVA, dem großen DDR-Leuchtmittelhersteller.

Die Taschenlampen aus Arnstadt waren im gesamten Land verbreitet. Ob im Haushalt, in der Garage, im Werkzeugkasten, im Auto oder bei der Arbeit: Die robusten Lampen gehörten zur Grundausstattung vieler Menschen.

Besonders bekannt wurden die klassischen Stablampen aus blau lackiertem Blech. Daneben gab es zahlreiche Spezialausführungen. Dazu zählten Signallampen mit roten und grünen Farbscheiben, Leuchten für technische Anwendungen und die charakteristischen Leuchtstäbe, mit denen die Volkspolizei den Verkehr regelte.

Auch Infrarot-Wärmestrahler für die Tieraufzucht gehörten zum Produktionsprogramm. ARTAS war damit weit mehr als ein einfacher Taschenlampenhersteller. Das Unternehmen versorgte die DDR mit einem breiten Sortiment an tragbaren und speziellen Beleuchtungseinrichtungen.

Die Wende überstanden, doch nun ist Schluss

Anders als zahlreiche andere DDR-Betriebe überstand ARTAS die wirtschaftlichen Umbrüche nach der Wiedervereinigung. 1990 wurde die heutige Gesellschaft gegründet, 1993 folgte die Privatisierung.

Das Unternehmen setzte seine Produktion in Arnstadt fort und passte das Sortiment den veränderten Marktbedingungen an. Neben klassischen Taschenlampen wurden zunehmend LED-Leuchten, Signallampen und Verkehrsreglerstäbe hergestellt.

Ein wichtiges Standbein entwickelten die Infrarot-Wärmestrahler für die Tieraufzucht. Abnehmer fanden sich bei Landwirten, Zoos und Zuchtbetrieben in Deutschland und anderen europäischen Ländern.


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Doch gegen die internationale Konkurrenz konnte sich der kleine Hersteller zuletzt nicht mehr behaupten. Geschäftsführer Gunnar Schlamann nannte gegenüber dem MDR insbesondere den Preisdruck durch günstige Produkte aus China, stark gestiegene Containerpreise und gestörte Lieferketten als Gründe für das Produktionsende.

Die Lampen werden bleiben, auch als Sammelobjekte

Ende Oktober 2026 wurde die Fertigung eingestellt. Vier Beschäftigte sind betroffen. Die letzten Waren werden noch ausgeliefert. Mit dem Ende der Produktion in Arnstadt verschwindet ein weiterer traditionsreicher deutscher Hersteller vom Markt.

Die Lampen selbst werden allerdings bleiben, in Kellern, Werkstätten, Sammlungen und als Erinnerungsstücke an eine Zeit, in der eine robuste Taschenlampe aus Arnstadt für viele Menschen ganz selbstverständlich zum Alltag gehörte.


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Quellen: Bildnachweis: Historische Produktabbildungen: Netzfunde und Sammlerfotos. Titelbild: KI-generierte Illustration.
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