Zwischen Orient und Hamburg entfaltet sich die kaum bekannte Geschichte der Gebrüder Sossidi. Eine osmanisch-griechische Familie, die mit Tabakhandel und Markeninszenierung Geschichte schrieb. Von Blechdosen bis Emailschilder: ihr Erbe fasziniert Sammler bis heute.

Im Schatten der großen Tabakdynastien des 19. Jahrhunderts verbirgt sich eine faszinierende Erzählung über Handel, Herkunft und Vermarktung, diejenige der Gebrüder Sossidi, die in Deutschland Fuß fasste und zu einer Symbolmarke für die „Orientzigarette“ wurde.
Die Wurzeln der Familie Sossidi liegen in Neveska (das heutige Nymfeo), einer Ortschaft in Makedonien. Ursprünglich engagierte sich die Familie im Rohtabakhandel in Konstantinopel, doch der Wandel in der osmanischen Tabakpolitik machte unternehmerische Anpassung notwendig.
Als im 19. Jahrhundert das Tabakgeschäft in der Türkei weitgehend unter Staatsmonopolierte Strukturen gestellt wurde, erhielten die Sossidis, so die einen Quellen, das exklusive Recht zur Zigarren- und Zigarettenproduktion. Andere Versionen sprechen von einer Entschädigung für die Verstaatlichung.
Im Jahr 1870 zog Nicolas Sossidi nach Hamburg. In den 1880er Jahren wurde die Produktionsstätte formal nach Deutschland verlagert, während man gleichzeitig auf die Markenkraft des orientalischen Images setzte.
Hamburg als Handelszentrum

Hamburg bot eine ideale Basis: als Handelsstadt mit Zugang zu Handelswegen und Häfen, aber auch als Zentrum des wachsenden Tabakmarkts im Deutschen Reich.
Das Unternehmen firmierte seit dem 9. Juli 1885 als “Sossidi frères” und trat bewusst mit französisch-orientalischem Flair auf, verbunden mit Zitaten wie „Sossidi frères Constantinople“ und eingebetteten osmanischen Schriftzeichen.
Obwohl die Produktion in Hamburg stattfand, suggerierte die äußere Gestaltung von Verpackungen und Werbemitteln eine Herstellung im „Orient“.
Die Gebrüder Sossidi auf einem Emailschild

(Bild: Wormser Classic Auctions GmbH)
Die Fabrik war in der Adresse „An der Fuhlentwiete 47“ angesiedelt, und Marken wie „Fleur d’Orient“, „Queen Olga“, „Princess Alice“ oder „Archimedes“ gehörten zum Produktportfolio.
Bemerkenswert war der Werbeansatz, der nicht nur auf schriftliche Anspielungen setzte, sondern mit ikonischer Bildsprache arbeitete.
Bereits um 1925 erschienen erste Emailschilder des Unternehmens. Dargestellt wurden zwei elegante Herren mit Zylindern, oft als Karikatur der Gebrüder interpretiert, gefertigt von der Plakatfabrik Stark & Riese in Thüringen.
Der Niedergang und das Erbe

Nach dem Tod Nicolas Sossidis im Mai 1918 (mit Grab auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg) übernahm das Unternehmen schrittweise externe Interessen. Im Ersten Weltkrieg wurde „Sossidi frères“ von der Cigarettenfabrik Elite-Werke Kurt Helder übernommen, und bis 1926 wurde das Unternehmen vollständig an Reemtsma veräußert.
Reemtsma führte die Marke noch bis 1962 in Norwegen weiter; 1963 erfolgte die Löschung der Firma im Handelsregister.
Doch das Vermächtnis lebt weiter, nicht nur als Insider-Kuriosum der Tabakgeschichte, sondern materiell in Sammlerstücken wie Blechdosen, Plakaten und Schildern.
Sossidi und andere Reklameplakate bei “Bares für Rares”

Ein sehr seltenes Plakat im Kleinformat war Teil eines Konvolutes an Reklameschildern aus zum Teil geprägter Pappe, die eine Dame aus Hamburg am Donnerstag, den 2. Oktober 2025 bei “Bares für Rares” zum Verkauf anbot.
Die Objekte, allesamt hergestellt bei Stollenwerk & Spier in Köln, stammten aus dem Nachlass ihres Mannes, Urenkel von Stollenwerk.
Es handelte sich dabei um fünf Teile, darunter ein Abreißkalender aus dem Jahr 1911 mit u.a. Werbung für das Kaufhaus G. Hettlage mit Niederlassungen in Düsseldorf, Duisburg und Köln, von 4711, dem traditionsreichen “Eau de Cologne”, einer unbekannten Zigarettenmarke namens Bi-Ba-Bo und eben diesem Sossidi.
Ein Schnäppchen für Händler David Suppes

Sowohl Moderator Horst Lichter, als auch Experte Sven Deutschmanek, waren begeistert obgrund des guten Zustandes der fünf Reklameplakate. Vor allem das Sossidi hatte es beiden angetan. Die Hamburgerin wünschte sich 20€ pro Stück, sprich 100€ für das ganze Konvolut.
Damit konnte sich Deutschmanek nicht einverstanden zeigen. Er bewertete selbiges mit 200 bis 250€. Im Händlerraum schlug David Suppes zu und sicherte sich die fünf Raritäten für 240€.
Ein sehr guter Einkaufspreis wie wir finden. Allein schon das Sossidi, eine große Rarität, hat das Zeug, bei einer auf Reklame-Sammler spezialisierten Auktion diese Summe zu erreichen!
