Ein Brauereischild aus Kempten im Allgäu sorgte am Donnerstag, den 23. April 2026 für ein wahres Bietergefecht im Händlerraum. Wer das Emailschild in Zustand 0-1 erwarb und wieviel die Verkäufer mit nachhause nehmen konnten, erfahren Sie in diesem Beitrag.
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Das Emailschild des Allgäuer Brauhaus gehört zu den besonders charakteristischen Brauereischildern der frühen Nachkriegszeit in Süddeutschland. Mit seiner klaren Farbgebung, der gewölbten Oberfläche und der typischen Werbefigur des „Allgäuer Büble“ verbindet es regionale Brauereigeschichte mit qualitätvoller Gebrauchsgrafik der 1950er Jahre.
Hergestellt wurde das Schild von Boos & Hahn, einem der bedeutenden deutschen Produzenten emaillierter Werbeschilder, dessen Arbeiten bis heute bei Sammlern wegen ihrer hohen Materialqualität und Farbbeständigkeit geschätzt werden.
Die Geschichte des Allgäuer Brauhauses reicht weit zurück. Die Brautradition in Kempten lässt sich bis ins Mittelalter verfolgen; als modernes Unternehmen entstand das Allgäuer Brauhaus 1911 durch den Zusammenschluss mehrerer örtlicher Brauereien.
„Allgäuer Büble“: Bodenständigkeit, Tradition und Regionalität
Ziel war es, die traditionsreiche Bierproduktion der Region wirtschaftlich zu bündeln und zugleich eine starke Marke für das Allgäu zu schaffen. Gerade nach dem Zweiten Weltkrieg gewann diese regionale Identität im Markenauftritt große Bedeutung.
Aus dieser Phase stammt auch die bis heute bekannte Figur des „Allgäuer Büble“, die auf dem Schild zentral dargestellt ist. Der freundlich blickende Junge in regionaler Tracht mit Bierkrug wurde rasch zum unverwechselbaren Symbol der Brauerei und fand Eingang in Etiketten, Schankwerbung, Bierdeckel und Fassbeschriftungen.

Die Figur verkörperte genau jene Mischung aus Bodenständigkeit, Tradition und sympathischer Regionalität, mit der sich viele Brauereien der Nachkriegszeit bewusst vom nüchternen Industrieimage absetzen wollten.
Der Entwurf des Büble-Motivs stammt von dem Allgäuer Künstler Franz Weiß, dessen Signatur sich auch auf dem Emailschild findet.
Franz Weiß: Traditionelle Motive in klarer Formensprache
Franz Weiß war im Allgäu nicht nur als Maler, sondern vor allem als Gestalter regionaler Gebrauchsgrafik bekannt. Seine Arbeiten prägten über Jahrzehnte das visuelle Erscheinungsbild zahlreicher Unternehmen und öffentlicher Einrichtungen im Raum Kempten.
Besonders geschätzt wurde seine Fähigkeit, traditionelle Motive in eine klare, moderne Formensprache zu übersetzen, ohne deren regionalen Charakter zu verlieren. Gerade darin liegt auch die Stärke des vorliegenden Entwurfs: Das Motiv wirkt volksnah, bleibt aber grafisch streng reduziert und damit hervorragend für die Umsetzung in Emaille geeignet.
Die Produktion durch Boos & Hahn zeigt zugleich den hohen Anspruch, mit dem Brauereien ihre Außenwerbung in jener Zeit betrieben. Emailschilder waren teuer, langlebig und ausdrücklich als dauerhafte Markenpräsenz gedacht.
Innerhalb des Sammelgebiets deutscher Brauereischilder zählt das Allgäuer-Büble-Motiv heute zu den besonders beliebten regionalen Klassikern.
Es verbindet die lange Brautradition des Allgäus mit einer der erfolgreichsten Markenfiguren deutscher Bierwerbung und ist dadurch ein Beispiel dafür, wie stark sich regionale Identität in der Werbegrafik der 1950er Jahre manifestierte.
Nahezu perfekt erhaltenes Exemplar bei “Bares für Rares”

Am Donnerstag, den 23. April 2026 hat das kleine Büble aus dem Allgäu seinen großen Auftritt beim ZDF. Im Pulheimer Walzwerk hatten sich Wolfgang und Helga Schiegg, ein älteres Ehepaar aus München, eingefunden. Im Gepäck ein Emailschild der Kemptener Brauerei.
Wolfgang Schiegg erzählte, wie das Schild 1956 in Familienbesitz kam. Seine Großmutter hatte den lokalen Vertrieb für das Allgäuer Brauhaus übernommen und bekam das Schild direkt von der Brauerei.
Er wünschte sich 400 bis 500€ für das gute Stück, was zeigt, dass viele Menschen sich nicht die Mühe machen, sich im Vorfeld über den Wert ihrer Objekte zu informieren, wenn sie zum ZDF gehen.
Denn erstmal dort, erfahren sie in den wenigsten Fällen etwas über den reellen Wert. Zumindest, wenn es um Alte Reklame geht. Expertin Annika Raßbach bezifferte den im Fall des Allgäuer Emailschildes auf 650 bis 1.000€. Dies sei der Preis, der für solche Objekte bezahlt werde.

ZDF-Expertise: Ein Drittel des Marktwertes
Wo die ZDF-Experten solche Fantasie-Preise herhaben? Bestimmt nicht vom Sammlermarkt. Denn so ein Schild ist in dieser extrem selten guten Erhaltung natürlich wesentlich mehr wert! Das letzte Exemplar, das in ähnlich perfektem Zustand verkauft wurde, kostete seinen neuen Besitzer rund 3.100€ bei der Wormser Reklame-Auktion vom November 2023.

Und in etwas weniger gutem Zustand 1 wurde im November 2024 ein solches Schild anlässlich einer weiteren Wormser Versteigerung für 2.000€ zugeschlagen, immerhin knapp 2.400€ mit Käuferprovision demnach.
Zu Preisen zwischen 650 und 1.000€ ist in den Datenbanken kein Exemplar des Emailschildes in dem Zustand zu finden. Glücklicherweise – für die Verkäufer – haben einige Händler bei der ZDF-Sendung mehr Ahnung in Sachen Emailschilder & Co.
Aus dem Allgäu über Köln in die Niederlande
Zu diesen gehört zweifellos der Niederländer Jos van Katwijk! Er gewann das Bietergefecht, das sich sogleich im Händlerraum rund um das makellose, historische Reklameobjekt entwickelte, schlussendlich mit einem Gebot, das die „Expertise“ zu Recht weit in den Schatten stellt und dennoch eine gesunde Gewinnspanne zulässt.
1.400€ und den obligatorischen “Lucky” gab es zum Schluss für das Ehepaar Schiegg, das sich über diesen Betrag, mit dem es nicht gerechnet hätte, freute.

