Lotzbeck-Emailschild: Vom Tabak, der die Kopfnerven stärken sollte

Ein kurioser Werbespruch macht dieses Emailschild von Lotzbeck & Cie. zum Blickfang. Das zwischen 1928 und 1941 entstandene Reklameschild erinnert an die große Zeit des Schnupftabaks und wirft Fragen zu einem bis heute rätselhaften Postenfund auf.

„Lotzbeck Schnupftabake stärken Augen und Kopfnerven“ – mit diesem bemerkenswerten Werbespruch wirbt ein gewölbtes und schabloniertes Emailschild im Format 30 x 10 Zentimeter für die Erzeugnisse der traditionsreichen Schnupftabakfirma Lotzbeck & Cie.

Die Ausführung in Sütterlin-Schrift verleiht dem Schild einen besonderen Reiz. Gleichzeitig sorgt die Werbeaussage auch heute noch für Verwunderung.

Dass Schnupftabak Augen und Kopfnerven stärken solle, erscheint aus heutiger Sicht kaum glaubhaft. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aber waren gesundheitsbezogene Werbeversprechen weit verbreitet. Viele Genussmittel wurden damals mit angeblich belebenden, kräftigenden oder nervenstärkenden Eigenschaften beworben.

Alles begann 1774 in Lahr

Die Geschichte von Lotzbeck reicht bis ins Jahr 1774 zurück. Damals gründete Carl Ludwig Lotzbeck im badischen Lahr eine Schnupftabakfabrik, aus der sich im Laufe der Zeit eines der bedeutendsten Unternehmen der Branche entwickelte.

Um den Absatz im Königreich Bayern zu erleichtern, entstand bereits 1812 eine weitere Produktionsstätte in Augsburg. Die lange Firmentradition findet sich auch auf dem Schild wieder, das auf die historischen Standorte verweist.

Über Generationen hinweg gehörte Lotzbeck zu den bekanntesten Namen der deutschen Schnupftabakindustrie. Der wirtschaftliche Erfolg des Unternehmens war beträchtlich und machte die Familie Lotzbeck zu einer angesehenen Unternehmerdynastie. In Lahr erinnert noch heute das sogenannte Lotzbeck-Palais an diese Zeit.

Produktion erst 1928 nach Ingolstadt verlagert

Mit dem Aufstieg der Zigarette geriet die klassische Schnupftabakbranche jedoch zunehmend unter Druck. Viele Hersteller verschwanden vom Markt oder verloren ihre frühere Bedeutung. Auch Lotzbeck blieb von dieser Entwicklung nicht verschont. 1928 wurde die Produktion schließlich nach Ingolstadt verlagert.

Unter Sammlern ist das Emailschild, dem dieser Sammler.Net-Beitrag zugrunde liegt, seit vielen Jahren bekannt. Immer wieder tauchen Exemplare in ungewöhnlich gutem Zustand auf. Als Ursache gilt ein sogenannter Postenfund – also ein größerer Bestand unbenutzter Schilder, der vor Jahrzehnten entdeckt wurde.


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Trotz der vergleichsweise guten Verfügbarkeit erfreut sich das Motiv an Beliebtheit, wohl vor allem wegen seines außergewöhnlichen Werbespruchs und der faszinierenden alten deutschen Kurrentschrift. Mehr über Sütterlin erfahren Sie in diesem Beitrag.

Warum wurden so viele Schilder nie verwendet?

Interessant ist eine bislang unbeantwortete Frage: Weshalb gelangten offenbar so viele Schilder nie zum Einsatz? Wurden sie schlicht eingelagert, blieb eine Werbekampagne unvollendet oder gab es andere Gründe? Belege für ein behördliches Verbot oder gerichtliche Auseinandersetzungen wegen der kuriosen und heute undenkbaren Werbeaussage konnten bislang nicht nachgewiesen werden.

So bleibt das Lotzbeck-Emailschild nicht nur ein attraktives Stück Reklamegeschichte, sondern auch ein kleines Rätsel. Es erinnert an eine Zeit, in der Tabakprodukte ganz selbstverständlich mit gesundheitsfördernden Eigenschaften beworben wurden.


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Das Emailschild ist auch eine Erinnerung an eine traditionsreiche Branche, die entgegen vieler Erwartungen bis heute nicht völlig verschwunden ist. Tatsächlich erlebt Schnupftabak in einigen Regionen Europas seit Jahren sogar wieder eine gewisse Renaissance und findet neue Anhänger unter Liebhabern traditioneller Tabakkultur.

Gerade deshalb wirkt der Slogan „Lotzbeck Schnupftabake stärken Augen und Kopfnerven“ heute ebenso kurios wie faszinierend und macht das Schild zu einem bemerkenswerten Zeitzeugen vergangener Werbegewohnheiten.

Aufruf an unsere Leser:
Wer nähere Informationen zur Herkunft dieser Schilder hat oder sogar aus erster Hand über den Fund berichten kann, ist herzlich eingeladen, sein Wissen mit der Sammler.Net-Community zu teilen. Hinweise nehmen wir gerne über die Kommentarfunktion unter diesem Beitrag oder in der Plauderecke entgegen.

So könnte es ausgesehen haben, falls es denn zum Einsatz kam: KI-generiertes Bild mit dem Lotzbeck-Emailschild sowie viel Fantasie!
Zu unserem Teaser-Bild: So könnte es ausgesehen haben, falls es denn zum Einsatz kam: KI-generiertes Foto mit dem Lotzbeck-Emailschild sowie viel Fantasie!



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