Heine’s Würstchen: Seltenes Hinterglasschild bei „Bares für Rares“

Kein Emailschild, sondern eine Hinterglaslithografie sorgte am Dienstag, den 18. August 2026 im ZDF für ein Bietergefecht. Mit der prachtvoll erhaltenen, über 100 Jahre alten Reklame-Rarität werden Würstchen beworben.

Dieses außergewöhnliche Hinterglasschild wirbt genau genommen für „Heine’s Delikatess Würstchen“ aus Halberstadt. Der große Schriftzug „Heine’s Würstchen“ und die darunter abgebildete Wurst-Konservendose machen sofort deutlich, worum es geht. Besonders selbstbewusst ist der Werbespruch am unteren Rand:„Größte u. leistungsfähigste Spezialfabrik der Welt“.

Die Wurstfabrik wurde 1883 in Halberstadt gegründet

Gemeint ist die Fabrik von Friedrich Heine 1883 in Halberstadt gegründete Würstchenfabrik. Heine begann zunächst mit einer kleinen Würstchenfabrikation und Räucherei. Der entscheidende Durchbruch kam 1896: Sein Unternehmen bot als erstes überhaupt Brühwürste in Konservendosen an.

Damit wurde die Haltbarkeit der Würstchen revolutionär verlängert und aus einer regionalen Spezialität wurde ein Produkt, das überregional und schließlich international vertrieben werden konnte.


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Der Erfolg war enorm. Bis 1914 beschäftigte Heine & Co. rund 700 Mitarbeiter. Nach Angaben des Magdeburger Biographischen Lexikons steigerte Heine seine Produktion bis 1914 auf rund 400.000 Paar Würstchen täglich. Zwischen 1911 und 1913 entstand in Halberstadt eine neue Fabrikanlage, die seinerzeit als eine der modernsten und größten Fleischverarbeitungsfabriken Europas galt.

Das Schild dürfte somit aus der Blütezeit der Firma vor dem Ersten Weltkrieg bzw. aus den Jahren um 1910/20 stammen. Eine exakte Datierung allein anhand des Motivs ist allerdings schwierig. Die auf dem abgebildeten Etikett erwähnten „höchsten Auszeichnungen“ und die Formulierung „Spezialfabrik der Welt“ passen hervorragend in die große Expansions- und Werbephase von Heine & Co.

Das Schild stammt von W. Kulemann aus Hannover

Interessant ist auch die Rückseite. Dort befindet sich das Etikett:„HANNOVERSCHE GLASPLAKATE-FABRIK – W. KULEMANN – HANNOVER“. Diese Firma wurde bereits 1862 von Wilhelm Kulemann in Hannover gegründet und gehörte zu den frühen deutschen Spezialbetrieben für Glasplakate und Firmenschilder.

Später konzentrierte sich das Unternehmen insbesondere auf aufwendig gestaltete Hinterglaslithografien, darunter zahlreiche Reklamen für Brauereien.

Kulemann fertigte dabei nicht einfach bedruckte Glasscheiben. Die Hinterglaslithografie erlaubte sehr brillante, teilweise metallisch wirkende Farben und eine außergewöhnliche Tiefenwirkung. Die Darstellung wurde von der Rückseite des Glases aufgebaut, die einzelnen Farbschichten lagen also gewissermaßen „hinter“ der sichtbaren Bildfläche. Genau diese Technik macht solche alten Glasplakate heute bei Sammlern so attraktiv.

Die Firma fertigte unter anderem Reklame für Herrenhäuser Pilsener, Weihenstephan und Constantin-Zigaretten. Erhaltene Exemplare tragen noch heute die Herstelleretiketten von W. Kulemann. Die Hannoversche Glasplakate-Fabrik W. Kulemann bestand übrigens sehr lange; der entsprechende Handelsregistereintrag wurde erst 1975 gelöscht.

Für 930€ von Jan Čížek erworben

Am Dienstag, den 18. August wurde genau dieses Hinterglasschild in der ZDF-Sendung „Bares für Rares“ verkauft. Mitgebracht hatten es zwei Freundinnen aus Kevelaer, Carina und Kelly. Erstgenannte hatte das Schild einst geschenkt bekommen und als Küchendeko genutzt.

Der Wunschpreis der Besitzerin war mit 150€ recht bescheiden und Experte Detlev Kümmel, der den hervorragenden Zustand der Rarität hervorhob, taxierte das Heine’s auf nicht weniger als 800 bis 1.000€. Im Händlerraum stieß das seltene Schild auf Begeisterung und Jan Čížek sicherte es sich schlussendlich für 930€.

Zu wenig, zu viel, korrekt? Solche Hinterglaslithos in diesem Zustand sind sehr selten. Im September 2023 wurde ein solches Schild in etwa gleicher Erhaltung, aber mit silberner Beschriftung, in Worms anlässlich einer Reklameauktion versteigert. Auch dort war es auf 800 bis 1.000€ geschätzt worden, erzielte jedoch nur 400€ zzgl. Provision.



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