Fanta: Eine deutsche Notlösung und ihre italienische Neuerfindung

Man verbindet mit Fanta Leichtigkeit, Farbe und Sommer. Kaum jemand denkt dabei an Mangelwirtschaft, Improvisation und wirtschaftliche Isolation. Doch genau dort beginnt die Geschichte dieses Getränks.

Sogenannter “Fanta-Button”, ein Blechschild um 1960. Für 375€ zzgl. Provision im Juni 2022 in Friedrichsdorf verkauft. (Bild: Micky Waue-Auktionen)

Fanta entstand 1940 im nationalsozialistischen Deutschland, nicht aus Marketingüberlegungen, sondern aus purer Not. Die deutsche Tochtergesellschaft der The Coca-Cola Company erhielt aufgrund des Krieges keinen Coca-Cola-Sirup mehr aus den USA. Produktion und Geschäft standen vor dem Aus.

Also entwickelte man in Essen ein Ersatzgetränk aus dem, was verfügbar war: Molke, Apfelfasern, Fruchtreste. Wie der Name „Fanta“ entstand?

Betriebsleiter Max Keith soll während einer internen Besprechung seine Mitarbeiter aufgefordert haben, bei der Suche nach einem Namen für das Ersatzprodukt ihre „Fantasie“ spielen zu lassen. Aus diesem Wort formte Verkaufsleiter Joe Knipp spontan die Kurzform „Fanta“. Der Markenname war geboren.

1965 bei Plastémail in Brüssel hergestelltes Blechplakat mit der charakteristischen Flasche und dem Fanta-Männchen. (Bild: Sammler.Net-Fundus)

Während die ursprüngliche Rezeptur nach 1945 verschwand, blieb „Fanta“ als Markenbegriff bestehen. Als 1955 in Italien eine neue Orangenlimonade entwickelt wurde, griff man bewusst auf diesen bereits bekannten Namen zurück.

Die moderne Fanta entstand in Neapel

Die moderne Fanta entstand in Neapel. 1955 entwickelte ein italienischer Abfüller eine Orangenlimonade auf Basis mediterraner Zitrusfrüchte. Diese Rezeptur wurde international übernommen und markierte den eigentlichen Beginn der weltweiten Marke.

Mit dieser Neudefinition begann auch der Aufbau einer klareren visuellen Identität. 1955 erschien Fanta in der charakteristischen gerillten Glasflasche. Die charakteristische Flasche wurde von Industriedesigner Raymond Loewy entworfen.

Die horizontale Ringstruktur verlieh ihr Eigenständigkeit und Wiedererkennbarkeit. Für Sammler sind frühe Glasvarianten mit regionalen Abfüllhinweisen oder originalen Aufdrucken besonders interessant.

Französisches Emailschild, Ende der 1950er Jahre, mit der berühmten so genannten “Ringflasche”, die von Raymond Loewy designt wurde. (Bild: Wormser Classic Auctions)

Parallel entwickelte sich der Schriftzug. Die frühen Logos der 1950er Jahre waren noch sachlich und typografisch zurückhaltend. In den 1960er und 1970er Jahren wurde der Schriftzug dynamischer, runder und jugendlicher. Später kamen Fruchtelemente und das grüne Blatt hinzu, visuelle Hinweise auf Geschmack und Frische.

So entstand aus einem schlichten Wort allmählich eine eigenständige Bildmarke. In den folgenden Jahrzehnten expandierte Fanta weltweit. Mit dem Übergang zu PET-Flaschen in den 1990er Jahren und späteren Designanpassungen wie der „Splash Bottle“ (2004) oder der „Twisted Bottle“ (2018) wurde die Verpackung moderner und bewegter.

Schilder & Co.: Sammelobjekte rund um Fanta

Vor allem frühe Ringflaschen mit Original-Kronkorken, regionale Abfüllvarianten sowie Getränkekästen werden heute rund um den Globus von Fans alter Reklame gesammelt. Ebenfalls gefragt sind Leuchtreklame, Thekenaufsteller, Plakate und sonstige Werbedrucksachen, die die Markenentwicklung dokumentieren.

Dosen und Sondereditionen ergänzen das Feld, spielen wertmäßig jedoch meist eine untergeordnete Rolle. Besonders gesucht hingegen sind Original-Emailschilder und auch Blechplakate der Marke. Es gibt sie in zahlreichen verschiedenen Varianten.

Rundes, abgekantetes Emailschild aus Österreich, 1960er Jahre. (Bild: Wormser Classic Auctions)

In Blech und Emaille findet man Fanta-Schilder aus den 1950er bis 1980er Jahre in Button-Form, aber auch als quadratische, hoch- und querformatige Exemplare.

Vorsicht vor Fantasieprodukten

Bei Fanta-Schildern ist eine saubere historische Einordnung unerlässlich. Authentische Stücke datieren frühestens in die Zeit ab Mitte der 1950er Jahre, also nach der italienischen Neuentwicklung der Marke. Gestaltung, Typografie und Motivik orientieren sich klar am jeweiligen zeitgenössischen Fanta-Logo und an der bekannten Flaschenform.

Alles andere ist kritisch zu hinterfragen. Besonders deutlich gilt das für Schilder mit angeblichen Wehrmachtsmotiven. Solche Darstellungen hat es in der realen Fanta-Werbung nie gegeben. Sie sind moderne Fantasieprodukte, keine „seltenen Kriegsoriginale“, keine „Raritäten“, sondern schlicht Fälschungen.

Gefälschtes Emailschild: Dieses Werbemotiv existierte nie als Original, taucht seit gut zwei Jahren auf Floh- und Online-Märkten auf. Ofenfrisch werden die Schilder mittels Hammer und Säure “gealtert”.

Dass derartige Stücke dennoch im Auktionshandel auftauchen (so beispielsweise im März und August 2025 im Auktionshaus Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern), ist irritierend, fast schon skandalös und zeigt, wie wichtig Sachkenntnis im Sammelgebiet ist. Diese scheint man im Schweriner Auktionshaus nicht zu haben.

Wer Fanta sammelt, sammelt Markengeschichte, nicht nationalsozialistische Mythen. Maßgeblich sind belegbare Werbeformen, stimmige Typografie und eine historisch nachvollziehbare Entwicklung. Alles andere gehört in den Bereich bewusster Irreführung und Betrug.

Fanta-Blechschild bei “Bares für Rares”

Ein quadratisches, flach abgekantetes Blechschild wurde im Februar 2024 in der ZDF-Sendung “Bares für Rares” verkauft. Es stammte aus Cuxhaven, wo es jahrzehntelang eine Restaurant-Fassade schmückte. Trotz der langen Zeit, der es jeder Witterung ausgesetzt war, sah das Schild – zumindest auf den ersten Blick noch gut aus.

Fanta-Blechschild mit Provenienz bei “Bares für Rares”

Experte Sven Deutschmanek schätzte den Wert des Fanta-Blechs, das er in die Zeit ab 1962 bis etwa 1970 ansiedelte, auf 100 bis 150€. Die Verkäuferin hatte sich 100€ gewünscht, so dass einem Auftritt im Händlerraum nichts im Weg stand.

Für einen Reklamesammler ist die Tatsache, dass genau bekannt ist, wo das Schild einst hing, wichtig. Vielleicht gibt es ja Fotos, die das Schild an der Fassade zeigen? Sowas erfreut jeden Sammler. Provenienz spielt immer eine Rolle!

Im Händlerraum dann sollte sich der Eifeler Trödler Walter “Waldi” Lehnertz durchsetzen: Für 100€ sicherte er sich das Blechschild mit Geschichte.

Das Schild, das an den Schraublöchern beschädigt war, ging für 100€ in die Eifel. (Screenshot: ZDF)


Kurze Timeline


1940 – Entwicklung in Deutschland; Name entstand aus „Fantasie“.
1943 – Produktionshöhepunkt im Krieg.
1945 – Einstellung der ursprünglichen Rezeptur.
1955 – Neuentwicklung der Orangen-Fanta in Italien; Einführung der Ringflasche.
1959 – Markteinführung in Deutschland.
1960er–80er – Internationale Expansion und Weiterentwicklung des Logos.
1990er – Umstellung auf PET-Flaschen.
2004 – „Splash Bottle“.
2018 – „Twisted Bottle“.

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