Herbert Leupin zählt zu den großen Magiern der Reklamekunst. Mit Witz, Farbe und formaler Klarheit schuf er Plakate, die Produkte zu Persönlichkeiten machten und Marken zu Ikonen. Seine Arbeiten markieren den Übergang vom nüchternen Sachplakat zur spielerischen, modernen Werbung.

(Bild: Archivio Barilla)
Herbert Leupin wurde am 20. Dezember 1916 in Beinwil am See geboren, verbrachte aber seine Kindheit in Augst bei Basel. Sein Interesse am Zeichnen zeigte sich früh, weshalb er von 1932 bis 1935 an der Kunstgewerbeschule Basel studierte. Dort lernte er bei Lehrern wie Paul Kammüller und Hermann Eidenbenz.
1935/36 erhielt Leupin ein Stipendium und zog für ein Jahr nach Paris, um an der Privatschule des bekannten Plakatkünstlers Paul Colin Aktzeichnen zu studieren. Diese Pariser Zeit erweiterte seine technische Ausbildung und sensibilisierte ihn für internationale Grafik- und Plakattraditionen — ohne jedoch seinen starken Schweizer Bezug aufzugeben.
Beginn der Karriere und der Durchbruch
Bereits 1937 machte sich Leupin selbstständig. Zunächst arbeitete er kurz in der Werbeagentur des Grafikers Donald Brun in Basel. Im selben Jahr eröffnete er sein eigenes Atelier, zunächst bescheiden im Dachgeschoss des Elternhauses, aber mit großen Ambitionen.

Seinen ersten großen Auftrag erhielt er 1939: Für die Basler Fleischerei-Metzgerei der Firma Bell entwarf er ein Plakat, das ein Schneidebrett mit eingebranntem Markennamen und darauf angerichteten Fleischwaren zeigte.
Der Erfolg ist überwältigend. Die Kunden wollen alle ein Schneidebrett mit Bell-Signatur. Leupins Karriere startet durch. Ein früher Beleg für die Macht und Wirkung guter Grafik.
Damit war der Grundstein gelegt und Leupin begann eine Arbeit, die ihn bald zu einem der bedeutendsten europäischen Plakatkünstler des 20. Jahrhunderts machen sollte.

(Bild: Wormser Classic-Auctions | Invaluable.com)
Vom „Sachplakat“ zur spielerischen Werbung
Leupin ist eng verbunden mit der Stilrichtung des Neue Sachlichkeit bzw. dem sogenannten „Sachplakat“ (object poster), bei dem Produkte realistisch, reduziert und klar dargestellt werden, mit minimalem Schnörkel und umso großer Wirkung.
Leupin ging noch weiter: Er verlieh seinen Plakaten Humor, Leichtigkeit und manchmal sogar eine märchenhafte Qualität. Seine frühen Anzeigen für Konsumgüter und Marken entwickelten sich zu kleinen Szenen voller Witz und Persönlichkeit.

Ein Marmeladenglas konnte auf einmal „feiern“, eine Zahnpasta-Hülse stand plötzlich im Rampenlicht wie eine Filmfigur. Diese Mischung aus sachlicher Darstellung und fantasievoller Bildwitz machte Leupins Plakate unverwechselbar: Sie blieben im Gedächtnis, auch wenn man nur kurz hinsah.
Technische Virtuosität: Lithografie, Farbe, Form
Ein wichtiger Grund für Leupins Erfolg war seine meisterhafte Beherrschung der Lithografie und der farbigen Plakatdrucke — Verfahren, die in der Mitte des 20. Jahrhunderts das Rückgrat der visuellen Werbung bildeten.

(Screenshot: eBay.de)
Sein gestalterisches Prinzip: ein Produkt, reduziert aufs Wesentliche — aber so kraftvoll inszeniert, dass es in kurzester Zeit wirkt. Dazu kam ein feines Gespür für Farbkontraste, Komposition und visuelle Balance.
Über die Jahrzehnte schuf Leupin Hunderte von Plakaten — unter anderem für Marken wie Eptinger Mineralwasser, Milka Schokolade, Coca-Cola, Bata Schuhe, Metzgereien wie Bell oder Produkte wie Zahnpasta und Seifen.
Besonders bekannt sind seine Eptinger-Plakate — 37 Unikate allein für dieses Unternehmen — sowie das Poster mit dem legendären „Pepita“-Papagei für die damalige Eptinger-Limonade.

Hier das wohl bekannteste: Reklame für die Zigaretten Salem Nummer 6.
(Bild: Wormser Classic-Auctions | Invaluable.com)
Sein Werk wurde international anerkannt: Ausstellungen in den USA (Chicago), Deutschland und später weltweit, darunter auch eine große Retrospektive.
Wandel und späte Jahre
1960 erhielt Leupin den „Medal Award“ des Art Directors Club Chicago, dazu zahlreiche Auszeichnungen an nationalen und internationalen Plakatwettbewerben. Seine Arbeiten sind heute weltweit in bedeutenden Museen zu sehen, darunter auch im MoMA in New York.
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Der Wandel der Werbetechniken (z.B. Fotografie, neue Medien) ließ auch Leupins Arbeit nicht unberührt. Ab etwa den 1970er Jahren zog er sich zunehmend aus der Plakatproduktion zurück und wandte sich verstärkt der Malerei sowie der Illustration, insbesondere von Kinderbüchern, zu.
Trotzdem blieb das Plakat sein zentrales Medium, und sein Einfluss bis heute sichtbar: Modernes Grafikdesign, Werbung mit Identität und Witz, die Verschmelzung von Funktion und Ästhetik. Leupin war einer der Wegbereiter dafür. Er starb am 21. September 1999 in Basel.
