Manchmal beginnt eine Sammlergeschichte nicht mit einem spektakulären Plakat, sondern mit einem kleinen Schildchen. Ein Türschild, emailliert, handlich, farbstark und voller Atmosphäre, genau so wie dieses: „SONNEMA BERENBURG – De echte uit Dockum“.
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Bei dem kleinen, nur 8 x 15 cm großen Türschild aus dem 1950er Jahren, das erst vor kurzem den Weg in den Sammler.Net-Fundus fand, handelt es sich um ein klassisches Reklameobjekt, wie es einst an Kneipentüren, Spirituosenhandlungen oder Lagerhäusern hing. Beworben wird mit dem Emailschild der Berenburg der Marke Sonnema aus Dokkum, wie die friesische Stadt heute heißt.
Bis ins 19. und frühe 20. Jahrhundert hinein war die Schreibweise nicht völlig standardisiert: Dockum ist eine ältere, latinisiert wirkende Form, die man früher öfter findet, zum Beispiel auf auf alten Landkarten, in Handelsregistern oder wie hier in Marken- und Werbetexten, resp. bei Exportprodukten.
Gerade in der Werbung klang „Dockum“ oft etwas „klassischer“ oder internationaler als das modernere „Dokkum“.
Berenburg: Frieslands flüssiges Kulturerbe
Berenburg ist mehr als nur ein Kräuterbitter. Im Norden der Niederlande, besonders in Friesland, gehört er seit Generationen zum Alltag. Der klassische Digestif wird aus Kräutern wie Enzianwurzel, Wacholderbeeren und Lorbeerblättern hergestellt.
Seine Wurzeln reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück: Jenever oder neutraler Alkohol wird mit Kräutern, Gewürzen und geheimen Rezepturen angesetzt, daraus entsteht ein aromatischer, kräftiger Bitter voller Tradition. Berenburg wird nach dem Essen pur & eisgekühlt getrunken, ist aber auch als Cola-Mixgetränk als Longdrink beliebt.
Wer in Friesland „Berenburg“ sagt, meint oft nicht irgendeinen Kräuterlikör, sondern ein Stück Heimat. Und genau hier kommt Sonnema ins Spiel. Die Marke gehört zu den bekanntesten Namen der Berenburg-Welt. Der Claim auf dem Schild ist dabei fast schon ein Herkunftssiegel.
“De echte uit Dockum” (Der Echte aus Dokkum)
Dokkum ist eine historische Kleinstadt in Friesland im Norden der Niederlande, bekannt für ihre malerischen Grachten, alten Befestigungsanlagen und ihren typisch friesischen Charme. Berühmt wurde sie auch als traditionsreicher Handels- und Pilgerort, nicht zuletzt durch die Verbindung zum heiligen Bonifatius.
Diese idyllische Stadt mit ihren belebten Straßen und Grachten wird zur Identität und zum Versprechen von Authentizität.
Genau dieses Versprechen spiegelt sich auch im Motiv des Schildes: Eine Sonnema-Flasche vor weiter Landschaft, Marschland, Wasserläufen, Kühen unter großem Himmel – Friesland als Bild. Das Schild ist demnach nicht nur Werbung. Es ist friesische Ikonografie im Kleinformat.
Drei bekannte Variationen des Türschildes
Besonders spannend wird es, wenn man tiefer blickt. Denn die Sonnema-Türschilder existieren nicht nur in einer einzigen Ausführung. Mindestens drei Varianten sind heute bekannt.
Variante 1: der Klassiker mit schwarzem Außenrahmen

Die häufigste und bekannteste Version ist jene mit dem dunklen Außenfeld: oben der große Schriftzug „SONNEMA“, darunter „BERENBURG“, das Flaschenmotiv vor Landschaft, unten der Claim aus Dokkum.
Diese Variante gilt als Referenzstück – der klassische Sonnema-Türschildtyp, wie er in vielen Sammlungen auftaucht.
Variante 2: identisches Motiv, aber mit weißem Außenrahmen

Für Sammler spannender ist die zweite Variation: Die Flasche, das Bild, die Landschaft – alles identisch. Der Unterschied liegt ausschließlich im Rahmen: Statt schwarz ist der Außenrand weiß.
Gerade diese kleine Veränderung macht die Variante seltener und begehrter. Solche Details deuten oft auf einen früheren, späteren oder kleineren Produktionslauf hin, vielleicht für einen bestimmten Händlerkreis oder eine regionale Kampagne.
Hier zeigt sich ein Grundgesetz des Sammelns: Manchmal entscheidet nicht das Motiv, sondern die Nuance.
Variante 3: die mutmaßliche Probe

Die dritte bekannte Version wirkt wie ein Sonderfall. Sie ist bislang ein einziges Mal aufgetaucht und wird von Sammlern als mögliches Muster oder als Vorserie interpretiert.
Vielleicht ein Test, vielleicht ein Muster für den Handel, vielleicht eine frühe Produktionsstufe? Gerade solche Stücke besitzen eine besondere Aura, denn Probeschilder sind keine Massenware.
Türschilder, wie dieses Sonnema Berenburg sind wunderbare Beispiele dafür, wie eng Genuss, Region und Werbekultur miteinander verbunden sind. Ob schwarzer Rahmen, weißer Rahmen oder Probeversion: Jede Ausführung erzählt ein Stück Friesland.
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Manchmal reicht genau das, um aus einem kleinen Türschild ein Sammlerobjekt zu machen, an dem man besonders hängt. Vor allem, wenn man bei seinen Aufenthalten im niederländischen Friesland nach der Mahlzeit einen Berenburg zu schätzen weiß.
Seit fast zwei Jahrzehnten ist dies bei François von Sammler.Net der Fall, dem Harlingen, eine wunderschöne, kleine Hafenstadt an der Westküste Frieslands mittlerweile schon fast zur zweiten Heimat geworden ist.
Der Song unten ist dem Ort gewidmet: “Oh, Harlingen” ist eine Ode, die wie ein Hafen der Erinnerung klingt, wo das goldene Licht des Abends zwischen Masten und Wasserflimmern Geschichten von Fernweh und Heimkehr erzählt.
WEBTIPPS:
https://sonnema.eu/
https://dokkum.nl/de/home/
https://www.francoisbesch.eu/photography/fryslan/
https://www.francoisbesch.eu/photography/harlingen-09-2021/
Kennt jemand noch andere Sonnema-Schilder?
Sie dies die drei einzigen Varianten? Oder gibt es noch eine andere? Habt Ihr ein weiteres Sonnema-Schild? Zeigt es uns, hier in den Kommentaren oder in unserer Plauderecke!

