Anís del Mono und die Geschichte eines Affen, der (nicht nur) Spanien eroberte

Absolutes Highlight der kommenden 38. Wormser Reklame-Auktion ist ein beeindruckendes Emailschild mit Werbung für den Likör Anís del Mono aus Spanien. Mit einem Startpreis von 120.000€ ist es zugleich auch das teuerste Schild der zweitägigen Auktion, ein faszinierendes Plakat, das Sammler.Net dazu inspirierte, sich auf Spurensuche zu begeben.

Wir sind in Badalona im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts: Zwischen den rauchenden Schornsteinen der katalanischen Industrie- und Küstenstadt wagen die Brüder José und Vicente Bosch ein Experiment.

Ursprünglich waren die Boschs nämlich gar keine Likörfabrikanten, sondern Geschäftsleute, die vor allem mit Kolonialwaren und Produkten aus Übersee handelten (Kaffee, Zucker, Kakao und Gewürze, wie beispielsweise Anis).

Ein ungewöhnlicher Name und viele Geschichten

In ihren Anlagen in Badalona fingen sie Ende der 1860er Jahre an, aus Anis und Zucker einen Likör für den Eigenbedarf herzustellen, gewissermaßen als “Nebenprodukt” für Belegschaft und Freunde.

Sie brannten also mit den im Lager vorhandenen Zutaten einen Schnaps, ohne zunächst ein großes Geschäft zu planen. Der Erfolg kam überraschend: Der Geschmack fand bei den Arbeitern sofort Anklang und so fing man an, größere Mengen zu produzieren.

Daraus entstand 1870 die eigentliche Likörmarke Anís del Mono, was soviel bedeutet wie “Anis des Affen”.

Warum gerade ein Affe? Manche sagen, die Boschs hätten auf einer Reise nach Amerika einen Affen mitgebracht, der bald das Maskottchen der Fabrik wurde. Andere sehen in dem vermenschlichten Tier auf dem Etikett eine Anspielung auf Charles Darwin und seine Evolutionstheorie, die damals für Aufruhr sorgte.

Fest steht: Der Affe hält als Markenlogo eine Schriftrolle in der Hand mit den Worten „Es ist der Beste. Die Wissenschaft sagt das, und ich lüge nicht.“ – eine ironische Mischung aus Selbstbewusstsein und Zeitgeist.

Eine diamantartig funkelnde Flasche als “Musikinstrument”

1902 ließ Vicente Bosch die charakteristisch geschliffene Flasche als offizielles Industriefabrikat eintragen. Inspiriert von einem Pariser Parfümflakon, den er einst seiner Frau schenkte, wurde sie zum unverwechselbaren Markenzeichen.

Noch heute funkelt sie diamentartig im Licht – und nicht nur das: In vielen spanischen Familien dient die Flasche zu Weihnachten als “Musikinstrument”. Mit einem Löffel gerieben, begleitet sie Lieder und Geschichten, wie ein gläsern-stählernes Echo der Tradition.

Etliche Künstler wurden ebenfalls durch die Flaschenästhetik inspiriert und verwendeten das Motiv in verschiedenen ihrer Werke.

Der Künstler und Picasso-Förderer Ramón Casas (1866-1932)

Schon früh verstanden die Boschs, dass ein gutes Produkt eine große Bühne braucht. 1897 lobten sie einen Plakatwettbewerb aus, der von Ramón Casas (1866-1932) gewonnen wurde. Geboren in Barcelona, war er ein führender spanischer Künstler des 20. Jahrhunderts.

Ramón Casas,
Selbstbilndnis

Aus wohlhabendem Hause stammend, brach Casas 1877 die Schule ab, um Kunst zu studieren.

Als Porträtist der Elite und Wegbereiter der Moderne prägte er die katalanische Kunstszene mit seinen Gemälden, die vielfach für Plakate und Postkarten verwendet wurden.

1881 war er Mitgründer der Zeitschrift L’Avenç, und ging nach Paris, wo er an den Akademien von Carolus Duran und Gervex lernte. Ab 1890 lebte Casas fest in Paris, beeinflusst von Toulouse-Lautrec.

Seine Kunst vereinte Realismus mit impressionistischen Nuancen. Casas illustrierte Zeitschriften und gestaltete das Gran Teatre del Liceu in Barcelona.

1897 eröffnete der Künstler schließlich mit Freunden das Café Els Quatre Gats, einen Künstlertreff, wo u.a. auch Pablo Picasso seine erste Ausstellung hatte.

„Mona y Mono“: Ein Klassiker katalonischen Jugendstils

Casas Werk „Mona y Mono“ entstand 1898. Es zeigt eine elegante Dame mit einem Affen an der linken und einem Glas Anislikör in der rechten Hand, wurde zur Ikone der Marke und ist bis heute ein Klassiker des katalanischen Jugendstils.

Bei der Dame auf dem Plakat handelt es sich verschiedenen Quellen zufolge, um die Mutter des Malers Maurice Utrillo. Suzanne Valadon, so ihr Name, stand u.a. auch Henri de Toulouse-Lautrec, Edgar Degas oder Auguste Renoir Modell. 

Das Motiv erschien in allen möglichen Variationen: In Anzeigen von Magazinen und Zeitungen, als Plakate in diversen Formaten, riesengroß aus bunten Keramikfliesen an Fassaden und u.a. auch als Emailschild in verschiedenen Ausführungen.

Am kommenden 20. September wird ein Exemplar im Format von 54 x 108 cm und in außerdordentlich guten Zustand als Position 489 anlässlich der 38. Wormser Reklame-Auktion unter den Hammer kommen. Sammler.Net wird die Auktion, wie gewohnt, verfolgen und darüber berichten.

Im April dieses Jahr wurde übrigens bereits ein Exemplar dieses Emailschildes, allerdings in wesentlich schlechterem Zustand 3, bei Pari in Aschaffenburg versteigert. Es erzielte 14.000€ zzgl. Provision (siehe hier).

1913: Der Anís del Mono-Affe leuchtet über den Dächern

1913, wagte Anís del Mono in Sachen Reklame-Pionierarbeit übrigens einen weiteren großen Schritt: In Madrid an der Puerta del Sol und in Barcelona an der Plaça de Catalunya/Passeig de Gràcia erstrahlten die ersten elektrischen Reklametafeln Spaniens, ein damals fast schon revolutionäres Bild.

Während viele andere Unternehmen hauptsächlich noch mit handgemalten Schildern warben, leuchtete der Anís del Mono-Affe schon über den Dächern.

Nicht nur sein Geschmack, sondern auch das Marketing mit der cleveren Mischung aus Satire und Kunst machten den spanischen Likör bald international bekannt. Auf Weltausstellungen glänzte die Marke und bedeutende Künstler wie Picasso oder Juan Gris (siehe weiter oben) ließen sich von der Flasche inspirieren.

Pablo Picasso: “L’Anís del mono” (1916, Öl auf Leinwand, 46 x 54.6 cm

Anzeige
Likör Anis del Mono Dulce von 70 cl - Bodegas Osborne (1 Flasche)
Auch heute noch ist der beliebte Anislikör aus Spanien erhältlich. Wie seit jeher wird er in der legendären, geschliffenen Flasche angeboten.

Die historische Fabrik in Badalona als Kulturdenkmal

Heute ist die historische Fabrik in Badalona ein Kulturdenkmal. Wer sie besucht, kann noch immer die alten Kupferdestillen sehen, die Archive mit Jugendstilmöbeln bewundern und den Duft von Anis in der Luft spüren.

Und draußen, unweit des Gebäudes, sitzt eine Bronzestatue des berühmten Affen – fotografiert von Touristen aus aller Welt. Seit 1975 gehört die Marke zur Firmengruppe Osborne. Immer noch zählt Anis del Mono zu den beliebtesten Anisschnäpse Spaniens und wird in zahlreiche Länder exportiert.

WEBTIPPS:
Anís del Mono-Fabrik
Anís del Mono bei Osborne


Jetzt bei eBay Anzeige
eBay-Partner: Seite verdient bei Käufen mit.
Wird geladen …



Willkommen zur Schnäppchen-Jagd auf Sammler.Net! Hier findest du die attraktivsten Angebote und versteckten Perlen aus dem eBay-Marktplatz
Bei neuen Kommentaren benachrichtigen
Benachrichtige mich bei
0 Kommentare
Neueste
Älteste Meiste Stimmen
Inline Feedbacks
View all comments