Wenn Sammler heute den Namen Hauswaldt hören, denken viele zunächst an seltene Emailschilder, prachtvolle Kakaodosen oder die Marke „Igeha“. Tatsächlich steckt hinter Hauswaldt jedoch weit mehr als nur attraktive Reklame.
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Die Geschichte des Unternehmens reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück und spiegelt die Entwicklung der deutschen Genussmittelindustrie eindrucksvoll wider.
Der Ursprung des Unternehmens liegt in Braunschweig. Dort gründete Johann Gottlieb Hauswaldt bereits 1779 einen Kolonialwarenladen. Wenige Jahre später begann die Familie mit der Herstellung von Zichorienkaffee – einem Kaffeeersatz, der besonders in Zeiten hoher Kaffeepreise gefragt war.
Die napoleonische Kontinentalsperre zu Beginn des 19. Jahrhunderts sorgte für einen zusätzlichen Nachfrageboom, da echter Kaffee nur eingeschränkt verfügbar war.
Eine beeindruckende Entwicklung
1833 zog Johann Christian Hauswaldt nach Magdeburg. Dort entstand 1838 eine Niederlassung zur Herstellung von Zichorienkaffee. Das Unternehmen entwickelte sich rasch und expandierte kontinuierlich. Nachdem Johann Christian Hauswaldt bereits 1844 verstarb, führten seine Söhne Georg und Albert Hauswaldt die Geschäfte weiter.
1851 erfolgte ein entscheidender Schritt: Auf einem neuen Grundstück in der Lübecker Straße entstand nicht nur eine weitere Zichorienfabrik, sondern auch eine Schokoladenproduktion. Damit begann die Erfolgsgeschichte von Hauswaldt als Kakao- und Schokoladenhersteller.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Hauswaldt zu einem der bedeutendsten Hersteller seiner Branche. Die Fabriken in Braunschweig und Magdeburg beschäftigten mehrere Hundert Arbeiter und produzierten jährlich Tausende Tonnen Zichorienprodukte.
Die Waren wurden nicht nur im Deutschen Reich verkauft, sondern auch in die Habsburgermonarchie, nach Nordamerika, Südafrika und Australien exportiert.

Das Sortiment wurde stetig erweitert. Neben Kakao und Schokolade stellte Hauswaldt unter anderem Dragees, Kekse, Konfitüren und Kakaobutter her. Letztere wurde sogar teilweise über Apotheken vertrieben. Das Unternehmen gehörte zu den führenden deutschen Produzenten seiner Zeit und stellte zeitweise sogar den Vorsitzenden des Verbandes norddeutscher Cichorienfabriken.
Die Unternehmerfamilie Hauswaldt
Eine zentrale Rolle spielte Johann Wilhelm Hauswaldt (1846–1900). Nach kaufmännischer Ausbildung und Auslandsaufenthalten in Hamburg und England trat er in das Familienunternehmen ein und wurde bereits in jungen Jahren Mitinhaber.
Unter seiner Leitung expandierte die Firma weiter. Gleichzeitig engagierte sich Hauswaldt stark im öffentlichen Leben Magdeburgs, war Stadtverordneter, Handelsrichter und später Königlich Preußischer Kommerzienrat.
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Auch sein Cousin Hans Hauswaldt gehörte zur Unternehmensleitung. Neben seiner Tätigkeit als Fabrikant machte er sich später als Fotograf und Kristallograph einen Namen.
Besonders bekannt wurde Hauswaldt durch die Marke „Igeha“. Unter diesem Namen vertrieb das Unternehmen hochwertige Schokoladen- und Kakaoerzeugnisse. Historische Werbeplakate bezeichnen die Produkte selbstbewusst als „Marke für Kenner“.
Der Markenname Igeha
Die bekannte Hauswaldt-Marke „Igeha“ dürfte sich sehr wahrscheinlich von den Initialen eines Mitglieds der Unternehmerfamilie Hauswaldt ableiten. In Frage kommen insbesondere Johann Georg Hauswaldt oder Johann Gottlieb Hauswaldt.

Zu beachten ist dabei, dass die Buchstaben I und J in älteren deutschen Schreibweisen häufig gleichgesetzt wurden. So finden sich historische Namensschreibungen wie „Iohann“ anstelle von „Johann“. Dadurch entstand später mitunter der Eindruck, die Marke habe ursprünglich „Jgeha“ gelautet.
Tatsächlich handelt es sich vermutlich um dieselbe Bezeichnung, deren Schreibweise den typografischen Gepflogenheiten ihrer Zeit folgte.
Reklamekunst und Sammelobjekte
Hauswaldt verstand früh die Bedeutung guter Werbung. Das Unternehmen gab Sammelbilder, Reklamemarken, Werbepostkarten und Plakate heraus. Besonders die Emailschilder der 1910er- und 1930er-Jahre zählen heute zu gesuchten Stücken deutscher Reklamegeschichte.
Besonders begehrt ist vor allem das Schild für „Grünwappen Kakao“ der Marke, das durch seine auffällige Gestaltung und hochwertige Ausführung besticht. In gutem Zustand erzielen solche Stücke heute regelmäßig hohe Preise auf Auktionen.
Trotz ihrer Bedeutung konnte sich die Firma in der zunehmend konzentrierten Lebensmittelindustrie der 1920er Jahre nicht dauerhaft behaupten. 1929 wurde das Unternehmen von den Firmen Reichardt in Wandsbek und Gaedecke in Hamburg übernommen. Das Magdeburger Werk wurde geschlossen und die lange Geschichte von Hauswaldt als eigenständiger Hersteller endete.

Auch wenn die Produkte längst verschwunden sind, lebt der Name Hauswaldt unter Sammlern weiter. Historische Schilder, Kakaodosen, Sammelbilder und Werbeplakate erinnern an eine Zeit, als deutsche Schokoladenhersteller mit künstlerisch anspruchsvoller Reklame um die Gunst der Kunden warben.
