Schultheiss-Patzenhofer: Emailschild-Rarität bei „Bares für Rares“

Nach innen statt nach außen gewölbt. Ein seltenes Brauerei-Emailschild von Schultheiss-Patzenhofer sorgte am Freitag, den 11. September 2026, für Aufsehen bei „Bares für Rares“.

Der Name Schultheiss gehört zur DNA von Berlin. Doch der Aufstieg zur weltgrößten Lagerbierbrauerei beruht auf einer spektakulären Fusion im Jahr 1920, der Geburtsstunde von Schultheiss-Patzenhofer.

Zur Geschichte der Brauerei

1842 gründete der Apotheker August Heinrich Prell die Schultheiss-Linie, die ab 1853 unter dem Gastwirt Jobst Schultheiss und später der Familie Roesicke rasant wuchs. Bereits 1913 war Schultheiss nach eigenen Angaben die größte Lagerbierbrauerei der Welt. Ihr größter Rivale war die 1855 vom Bayern Georg Patzenhofer gegründete Brauerei, die das untergärige Bier in Berlin populär machte.

Am 12. Juli 1920 schlossen sich die Konkurrenten zur Schultheiss-Patzenhofer Brauerei-AG zusammen. Unter Generaldirektor Walter Sobernheim entstand ein Imperium und einer der mächtigsten Brauereikonzerne Europas. Riesenrad-Produktionsstätten in Moabit, Friedrichshain, Spandau und im Prenzlauer Berg prägten das Berliner Stadtbild.


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1937 wurde der Name Patzenhofer gestrichen; der Konzern hieß wieder Schultheiss-Brauerei AG. Das Bier selbst wurde unter dem Namen „Aecht Patzenhofer“ von der Brauerei als Traditionsmarke noch viele Jahrzehnte lang weitergeführt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Teilung Berlins erfand sich das Unternehmen neu. Heute sind die alten Backsteinbauten, wie die Kulturbrauerei, denkmalgeschützte Zentren. Als Teil der Radeberger Gruppe lebt die Berliner Brautradition bis heute in jedem Glas Schultheiss weiter.

Das Schild des Großvaters aus Breslau

Am Freitag, den 11. September 2026 hatten Gabi und Lasse – Mutter und Sohn – aus Witten einen Auftritt in der ZDF-Sendung „Bares für Rares“. Mitgebracht hatten sie eine Rarität aus dem Bereich der emaillierten Reklameschilder. Und zwar ein solches mit Werbung eben für die Biere der Brauerei Schultheiss-Patzenhofer.

Einst gehörte es dem Großvater von Gabi, der in Breslau bei der dortigen Niederlassung der Brauerei gearbeitet hatte. Er hatte es einst bekommen. Das besondere an dem Emailschild: statt wie normalerweise konvex, also nach außen gewölbt, ist dieses Teil konkav, sprich nach innen, gewölbt.

Hersteller des Schildes war das 1917 in Offenburg gegründete Emaillierwerk Boos und Hahn (Pyro Email), das erst 1921 nach Ortenberg umzog. Wir wissen also: 1920 fand die Fusion zwischen Patzenhofer und Schultheiss statt. Erst ab 1921 wurden die Pyro-Email-Schilder mit der Ortsangabe Ortenberg produziert. Sicher ist also, dass das Schild nach 1921 hergestellt wurde.

Da nach 1937 der Name der Brauerei wieder in Schultheiss (ohne Patzenhofer) abgeändert wurde, muss das Schild also zwischen 1921 und 1937 produziert worden sein, wohl um 1925 bis 1930.

Teil eines Auslegers mit Metallrahmen

Experte Sven Deutschmanek nahm das Schild genauer unter die Lupe. Er wies dabei auf ein nachträglich gebohrtes Loch über dem Schriftzug D. R. G. M. (Deutsches Reich Gebrauchs Muster) hin, das dazu dienen sollte, das Schild aufhängen zu können. Zeitlich ordnete Deutschmanek das Emailschild in die Zeit zwischen 1920 und 1945 ein.

Seiner Meinung nach könnte das Schild wohl zuvor irgendwann einmal mal „in einem Holzrahmen, in einem Holzfass“ gewesen sein. Mit etwas Fantasie kann man sich das durchaus auch vorstellen.

Doch es entspricht nicht der Realität. In Wirklichkeit war dieses Schild Teil eines sogenannten „Auslegers“. Zusammen mit einem gleichen Schild war es in einem Metallrahmen gefasst, so dass man von beiden Seiten dieselbe Werbung sehen konnte.

Expertise getoppt, Wunschpreis verfielfacht

Als Horst die Verkäuferin nach ihrem Wunschpreis fragte, fiel diese recht bescheiden aus. Sie habe drei Enkelkinder, so Gabi, und wünschte sich einen durch drei teilbaren Betrag: 60 Euro.


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Der ZDF-Experte siedelte den Wert deutlich höher an. Das Schild sei sehr interessant und deshalb etwa 300 bis 500 Euro wert. Im Händlerraum sollte diese Schätzung deutlich übertroffen werden. Fast alle Händler, die anwesend waren, zeigten Interesse und am Ende war es Leo Leo, der das Rennen machte.

Dem Händler, der seit 2017 einen Vintage-Store am Ubierring in Köln betreibt, war die emaillierte Rarität gleich 750 Euro wert. Auch diese Summe ist durch drei teilbar und Gabis Enkelkinder dürfen sich freuen!

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