Er war Maler, Gestalter und einer der einflussreichsten Plakatkünstler der Schweiz: Niklaus Stoecklin (1896–1982) machte mit seinen teils hyperrealistischen Sachplakaten aus Alltagsprodukten Ikonen der Moderne.

(Bild: Niklaus-Stoecklin-Stiftung)
Niklaus Stoecklin ist weit mehr als der Name eines Malers der Neuen Sachlichkeit; er ist auch einer der großen Schweizer Magier des Sachplakats, der dem Werbeplakat eine kühle, fotografische Eleganz schenkte.
Er wurde am 19. April 1896 in der Schweiz, genauer in Basel, geboren. 1914 fing er in München an, Kunst zu studieren, doch der Kriegsausbruch machte ihm einen Strich durch die Rechnung.
Stoecklin kehrte daraufhin in seine Heimatstadt zurück und setzte sein Kunststudium in Basel fort, war allerdings auch eine Zeit lang als Soldat im Tessin im Einsatz.
Stoecklin bewegte sich, was seine Karriere als Reklamekünstler betrifft, zwischen fotografischer Präzision und industrieller Bildsprache, und genau diese Gratwanderung machte seine Arbeiten so unverwechselbar: Produkte werden bei ihm allein durch Licht, Oberfläche und Komposition zu Ikonen, ganz ohne überflüssige Schlagworte.
Konsequente Reduktion
Den Fokus seiner Reklamekunst bildet die konsequente Reduktion: Flaschen, Tuben, Fleischstücke oder Pastillen werden wie in einem Vergrößerungsglas gezeigt, von harten Konturen und glänzenden Reflexen definiert.
Ob Zahnpasta, Hautcreme oder Halspastillen – Stoecklin setzte Konsumprodukte in Szene, als wären sie echte Kunstwerke.

(Bild: Niklaus-Stoecklin-Stiftung)
Die Technik, exakt ausgeführte Lithografie und eine fast fotografische Malweise, lässt das Alltägliche monumental erscheinen und erlaubte Marken eine direkte, grenzüberschreitende Ansprache, die in einem mehrsprachigen Land wie der Schweiz besonders wirksam war.
Stoecklins Verhältnis zur Werbeindustrie war dabei pragmatisch und produktiv zugleich. Er entwarf klassische Plakate für Zahncreme wie „Binaca“ und für Sonnenschutzmittel wie „Bi-Oro“, Motive, die heute in Museumssammlungen und bei spezialisierten Poster-Galerien auftauchen und regelmäßig bei Auktionen gehandelt werden.
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Eigenständige Kunstobjekte
Solche Plakate zeigen seine Meisterschaft, glänzende Tuben und gläserne Oberflächen mit erstaunlicher Materialtreue darzustellen; die Werke sind deshalb nicht nur historische Werbeträger, sondern eigenständige Kunstobjekte.
Neben Papierplakaten entwarf Stoecklin auch einige Motive, die als Emailschilder umgesetzt wurden — langlebige, außen sichtbare Reklameobjekte, deren robuste, glänzende Oberfläche seine visuelle Sprache geradezu verdoppelte.

(Bild: Swann Auction Galleries | Invaluable.com)
Sammler und Auktionshäuser führen auch immer wieder Wybert-Emailschilder und andere (wie VIM) mit Entwurfzuschreibung zu Stoecklin, was belegt, dass seine Arbeit bewusst über die kurzlebige Plakatwand hinausdachte und in dauerhafte Werbeträger übersetzbar war.
Was Stoecklin von vielen Zeitgenossen unterschied, war nicht allein seine handwerkliche Virtuosität, sondern das strategische Verständnis von Marke als Bild: Er machte aus Konsumgütern sofort wiedererkennbare Zeichen.

(Bild: Wormser Reklame-Auktion | Invaluable.com)
Ob es sich um Pastillen, Konserven, Zahnpasta oder Haushaltserzeugnisse handelte, stets galt derselbe Struktursatz: ein einzelnes, groß dargestelltes Objekt vor reduziertem Hintergrund. Genau diese Formel hat ihm bis heute Sammlerprestige und Museumseinträge eingebracht.
Nicht nur ästhetisch
Rückblickend lässt sich sagen, dass Stoecklins Reklamearbeit zwei Entwicklungen verband: die moderne industrielle Produktion und die Bildsprache der Neuen Sachlichkeit.

(Bild: Wormser Reklame-Auktion | Invaluable.com)
Seine Plakate sind deshalb so lehrreich: Sie zeigen, wie grafische Reduktion nicht nur ästhetisch, sondern auch kommunikationsstrategisch wirken kann.
Immer dann wenn ein Original-Stoecklin bei einer Auktion auftaucht oder in einer Ausstellung hängt, wird deutlich, dass die stille, präzise Kraft seiner Bilder Marken auf eine Weise präsentierte, die den Betrachter unmittelbar verstand: kein Pathos, keine Überwältigung, nur das perfekte Objekt im Rampenlicht.
