Ein Glasschild aus den 1950er/60er-Jahren führt zurück zu einer Marke, die Generationen begleitet hat: Dextropur. Was als medizinischer Traubenzucker begann, wurde zu einem der bekanntesten Energielieferanten Deutschlands.
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Dieses Reklameschild wurde am Donnerstag, den 26. März bei Bares für Rares verkauft. (Screenshot ZDF)
Es gibt Produkte, die keiner Erklärung bedürfen: Man erkennt sie am Rascheln der Verpackung, am Geschmack, am vertrauten Griff in die Tasche. Dextropur gehört dazu.
Kaum ein deutsches Traubenzuckerprodukt hat sich so dauerhaft ins kollektive Gedächtnis eingeschrieben wie die kleinen weißen Täfelchen, die seit Generationen in Schulranzen, Jackentaschen und Sportbeuteln auftauchen.
Die Geschichte der Marke beginnt 1927 mit Dextrose Purum, einem hochreinen Dextrosepulver, das zunächst als medizinische Energiequelle gilt: Apotheken verkaufen es als Kräftigungsmittel, Ärzte empfehlen es zur schnellen Stärkung. Zwei Jahre später, 1929, entsteht der Name Dextropur.

Auf den Markt gebracht wurde es durch die damalige “Deutsche Maizena GmbH”, die in den 1920er-Jahren, als deutsche Tochter eines amerikanischen Stärke- und Glucosekonzerns, erstmals industrielle Maisstärkeprodukte sowie daraus gewonnene Dextrose herstellte und vertrieb.
Das Produkt war sich selbst die beste Reklame
Frühe Werbung setzte auf pharmazeutische Nüchternheit statt Genussversprechen: klare Typografie, sachliche Botschaften, unmittelbare Wirkung. Verkauft wurde Zucker als konzentrierte Leistungsreserve.
1935 folgte der Schritt vom Pulver zum festen Produkt. Unter dem Namen Dextro Energen erscheint der bis heute charakteristische Block aus acht abtrennbaren Täfelchen. Kompakt, transportabel, unverwechselbar!

Bereits bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin wird dieser Traubenzucker als „offizielle Wettkampfverpflegung“ beworben.
Diese Verbindung von Marke und sportlicher Leistung wird 1972 in München erneut sichtbar: Dextro Energen erscheint in Sonderpackungen mit Athletenmotiven, teils ergänzt durch kleine Sammelfiguren.
Das Produkt selbst war demnach die beste Werbung: es sprach für sich! Daher findet man außer Magazin-Anzeigen und einigen bekannten Papp-Aufstellern sowie Verkaufsdisplays auch kaum Reklameobjekte für Dextropur, resp. Dextro Energen.
Dextropur: Ein Glasschild und ein Mann vom Fach

Auslöser zu diesem Beitrag über eine zuckersüße und energiegeladene deutsche Markengeschichte war übrigens der Auftritt eines Werbegestalters und Schildermalers bei der ZDF-Sendung Bares für Rares am 26. März 2026.
Hans Werndl (65) aus Ulm hatte ein Glasschild mit Reklame für das Erfolgsprodukt Dextropur mit nach Pulheim gebracht. Dieses stammte aus der Zeit um 1960 und war von seinem Vater, dessen Betrieb er 1983 übernommen hatte, noch per Hand produziert worden.

Das Schild hatte einige Altersspuren und der Fachmann – dabei ist diesmal nicht Experte Detlef Kümmel gemeint – konnte nicht nur genau erklären, wo diese herrühren. Hans Werndl lieferte aber auch weitere ausführliche Informationen zum langwierigen Herstellungsprozess. Zum Einsatz gelangen Ölfarben, wobei jede einzelne Farbe bis zu drei Tage trocknen muss.
Einzelne Farben – auf dem folgenden Bild erkennt man das sehr gut – sind empfindlicher als andere, was die Lebensdauer angeht. Das Gelb hat hier deutlich an Elastizität und Haftkraft verloren, so dass die Farbe sich stellenweise zusammenzieht und abbröckelt.

Die Farben seien übrigens lichtdurchlässig, weil sie für Leuchtreklamen gedacht waren, bei der eine Neonleuchte hinter dem Glasschild zum Einsatz kam. Bei soviel Fachwissen hielt sich der ZDF-Experte diskret zurück und beschränkte sich auf eine eher kurze Beschreibung von Marke und Objekt. Den Wert des Schildes bezifferte er anschließend auf 100 bis 150€.
Ein süßer Energielieferant aus Krefeld
Im Händlerraum war Markus Wildhagen – selbst einstiger Dextro-Fan – der das höchste Gebot abgab und das Glasschild nach Düsseldorf holte. Das ist nicht weit von Krefeld entfernt, wo der süße Energielieferant herkommt.
Heute reicht das Sortiment von klassischen Würfeln bis zu Energie-Gels und Riegeln. Produziert wird in Krefeld unter dem Dach der Zertus GmbH.

