Overstolz, Eckstein, Güldenring: Diese und viele weitere Zigarettenmarken gehörten zum Unternehmen Haus Neuerburg, das die Geschichte der deutschen Tabakindustrie wie kaum ein anderes geprägt hat. Die Wurzeln reichen zurück bis tief ins 19. Jahrhundert.

Alles begann eigentlich schon in der Eifel: Johann Neuerburg (1805–1890), der als Sohn eines Tabakbauern in Wittlich geboren wurde und zunächst das Handwerk des Rotgerbers erlernte, wandelte sich in bereits fortgeschrittenem Alter zum Tabakunternehmer um.
1866 ließ er in seinem Heimatort eine Tabakfabrik zur Produktion von Pfeifen- und Strangtabaken im Handelsregister eintragen und legte damit den Grundstein für eine echte Tabak-Dynastie.
1873: Vogel & Neuerburg in Trier
Schon 1873 gründete Johanns Sohn Heinrich (1839-1901) im rund 40 Kilometer entfernten Trier mit einem Partner die Zigarrenfabrik Vogel & Neuerburg, die ein rasches Wachstum erfuhr. Filialen in Zell (Mosel) und Trier-Pfalzel entstanden und um die Wende zum 20. Jahrhundert zählte man bereits etwa 600 Mitarbeiter.
Die Fabrik in Trier expandierte: Bereits 1903/04 entstand eine neue Hauptstätte mit Fabrikantenvilla, die im Ersten Weltkrieg weiter ausgebaut wurde.
1908 dann, in dritter Generation, schwenkten die Heinrich Neuerburgs Söhne, Heinrich jun. und August komplett auf Zigarettenproduktion um und meldeten die Wortmarke Haus Neuerburg an. Schon zu diesem Zeitpunkt war klar, dass man das Unternehmen in einer größeren Stadt implantieren wollte.
Der Blick ging Richtung Rhein. 1917 entstand als wichtigste Marke “Overstolz”, benannt nach einer alteingesessenen Kölner Patrizierfamilie.
1918: Aufbruch nach Köln
Ein Jahr später verlegte man dann auch den Hauptsitz nach Köln. Haus Neuerburg wurde damit 1918 zum dritten Zentrum der deutschen Zigarettenindustrie neben Dresden und Berlin.
Zwischen 1921 und 1929 ließ das Unternehmen sich am Gülichplatz in Köln ein repräsentatives Verwaltungsgebäude errichten.

Entworfen wurde es vom Architekten Emil Felix. Heute steht das Gebäude unter Denkmalschutz und beherbergt städtische Dienststellen.
In den 1920er-Jahren boomte die Firma: Niederlassungen entstanden in Dresden, Hamburg-Wandsbek, München (Zuban) und Stuttgart (Waldorf-Astoria) und man übernahm die Zigarettenfabrik Halpaus in Breslau.
Ende der Zwanziger Jahre zählte Haus Neuerburg damit zu den größten deutschen Zigarettenfabriken mit bis zu 7.000 Beschäftigten.
1935: Fusion mit Reemtsma
1935 kam es zur Fusion mit Reemtsma: Aus der Kooperation entstand die H.F. & Ph.F. Reemtsma KG – Haus Neuerburg war damit Teil eines marktbeherrschenden Konzerns bis zur Auflösung 1948 durch die Alliierten.
Nach dem Krieg gelang im März 1950 eine Neugründung durch die Familie Neuerburg. Unter den Brüdern Walter, Paul und Hermann Neuerburg erlebte das Unternehmen einen kurzen Wiederaufschwung, ehe es gegen die übermächtige amerikanische Konkurrenz ankämpfen musste.

Ab 1960 verkaufte die Familie 51 % der Firma an die R.J. Reynolds Tobacco Company, 1963 folgte der vollständige Erwerb. Von da an gehörte Haus Neuerburg zur Reynolds-Gruppe, führte deren Marke Camel in Deutschland ein und versuchte den Markt mit innovativer Werbung wieder zu beleben.
1999: Übernahme durch Japan Tobacco
1999 übernahm Japan Tobacco International (JTI) das internationale Geschäft von Reynolds, einschließlich Haus Neuerburg und Overstolz.
Overstolz blieb bis etwa 2015/2017 im Sortiment: 2015 wurde die Marke offiziell abgekündigt, noch bis 2017 mit geänderter Verpackung verkauft, inklusive Hinweis auf Camel und dessen Logo. Heute ist JTI der weltweit drittgrößte Zigarettenhersteller.
Die historischen Marken (siehe auch die Infobox weiter unten) leben weiter: Als begehrte Objekte unter Sammlern, als Zeitzeugen des deutschen Tabakmarktes und zum Teil auch als Design-Ikonen.

Besonders gesucht sind gut erhaltene Blechdosen und andere Originalverpackungen von Zigarettenmarken des Hauses. Beliebt sind ebenfalls Blech- und Emailschilder mit Werbung für Produkte des Unternehmens.
Infobox: Zigarettenmarken von Haus Neuerburg
Durch Fusionen und Übernahmen wurden im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Zigarettenmarken durch das Unternehmen produziert, respektiv vertrieben. Hier die wichtigsten:
| Marke | Zeitraum / Besonderheiten |
|---|---|
| Overstolz | 1917–2015 (Markenschutz bis 2017); nach Patriziergeschlecht benannt; Werbegesicht: Heinz Engelmann in den 1960ern |
| Güldenring | Frühmarke aus Trier-Periode (vor 1918) |
| Löwenbrück | Frühmarke, auch Blechdosen in den 1950ern bekannt |
| Ravenklau | Frühmarke, bekannt von z. B. Pappschachteln vor 1935 |
| Haus Neuerburg | Eigenmarke, auf Schachteln/Blechdosen in den 1950ern |
| Eckstein | Eingegliedert durch Übernahme (Dresden) in den 1920ern; Eckstein ist die älteste deutsche Zigarettenmarke (1854 bis 2015) |
| Waldorf-Astoria | Übernahme 1928 (Stuttgart, Hamburg) – Marke ins Portfolio aufgenommen |
