
Jubiläum in Worms. Zur 40. Reklame-Auktion kamen weit über 700 Raritäten aus dem Bereich der Historischen Reklame, darunter hauptsächlich Email- und Blechschilder, unter den Hammer. Sammler.Net war dabei und hat einige Eindrücke von den beiden spannenden Tagen festgehalten.
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Am gestrigen Freitag und heute Samstag blickte die Welt der Reklamesammler nach Worms. Hier fand die bereits 40. Reklame-Auktion des lokalen Auktionsteams um Marc Trapp statt. Trotz des beinahe schon sommerlichen Wetters hatten sich am Freitag und heute Samstag viele Schilderfreunde im Versteigerungslokal, der Kapelle, eingefunden. Und noch viel mehr verfolgten das spannende Treiben zuhause am Computerschirm, auf dem Tablet oder dem Mobilgerät.
Schwedisches Schild als teuerstes Los am Freitag
Das teuerste Objekt kam am Freitag übrigens aus Skandinavien. Dabei handelte es sich um ein Emailschild mit Reklame für die Zündkerzen der Marke Viking. Das Motiv zeigt einen selbstsicheren Piloten in seinem Automobil, der andeutet, dass er sich auf die “Viking”-Zündkerze verlässt, indem er sie dem Betrachter entgegenhält. 12.000€ gab es für das auf bis zu 25.000€ geschätzte Schild in Zustand 2.
In Zustand 2+ wechselte in Worms im Mai 2023 ein ebensolches Schild den Besitzer zum Höchstgebot von 26.000€ (hier zu finden). Und 2024 brachte eins in etwas schlechterem Zustand deren ebenfalls knapp 12.000 bei eBay, siehe hier!

Insgesamt kamen am Freitag 322 Positionen zum Aufruf. Das Viking war an diesem Tag das einzige Schild, das im fünfstelligen Bereich landete. Bei 33 Objekten, etwas mehr als 10%, fand sich zum jeweiligen Startgebot kein Interessent.
26.000€ zzgl. Provision: Kleines Ernemann ganz groß!
Während es gestern erst kurz nach Mittag los ging – zuvor fand der traditionelle Kofferraummarkt auf dem Parkplatz vor dem Auktionslokal – begann die Versteigerung am heutigen Samstag bereits am Morgen. Immerhin standen ja auch gleich 405 Objekte zum Verkauf bereit.

Es sollte auch nicht lange dauern, bis dass mit der Losnummer 341 ein kleinformatiges Schild für das erste Bietergefecht des Tages sorgte. Nicht weniger als 26.000€ wurden für das Ernemann-Schild in Zustand 1 geboten. Zuzüglich Käufer-Provision ist damit der untere Schätzpreis von 30.000€ nur knapp verfehlt worden.
Schwarzes SPA-Emailschild bringt 78.000€ zzgl. Provision

Einen schwarzen Hintergrund, so wie das kleine Ernemann, hatte auch ein großformatiges Emailschild ais Belgien. Der SPA-Pierrot, in seltener niederländischer Ausführung („Het Springend Water“), hat ebenfalls für ein heißes Bieterduell gesorgt. Schlussendlich wurde es für 78.000€ zugeschlagen.
Das Emailschild in Zustand 1++ war bis dahin das teuerste Schild des zweiten Auktionstags. Der Startpreis lag bei 30.000€, der obere Schätzpreis bei 100.000. Mitsamt Aufgeld und Steuern wird dieser auch nahezu erreicht. Hier ein Video von der Versteigerung:
Auch ein zweites belgisches Emailschild mit Reklame für ein Produkt aus dem Hause SPA in den belgischen Ardennen, sorgte für hohe Gebote.
Diesmal ein Schild für sprudelndes Mineralwasser mit Zitronengeschmack. Ein genialer Entwurf, signiert Géo. 64.000€ zzgl. Provision brachte das hervorragend erhaltene Schild. Es war auf bis zu 60.000€ geschätzt worden.

“Bières Champigneulles” für 64.000€: Ein Schnäppchen?
Weit unterhalb des Schätzpreises von 110.000 bis 130.000€ blieb hingegen am Nachmittag ein französischer Klassiker im plakativen Großformat und einmalig schönem Zustand. Im Auktionskatalog heißt es zu dem Objekt u.a.: „In diesem Entwurf von Paul Mohr aus dem Jahre 1924 vereint sich alles, was dem Anspruch an Exklusivität gerecht wird – Größe und Ausdruck, ein Zustand, der fesselt und die Seltenheit, die ihren Wert unterstreicht. (…)
Glanz und Farben könnten besser wohl nicht sein. In dieser, der größten Ausführung des Champigneulles, sprechen wir zweifelsfrei von einer Granden französischer Gebrauchsgrafik.“
Für den Käufer sicherlich ein gutes Investmestment, der Verkäufer dürfte sich wohl mehr erwartet haben. Aber so ist’s nunmal bei Auktionen.

„Reloj Election“: Ein Meisterwerk deutscher Emaillierkunst
Ein Schild aus deutscher Produktion (Ferro Email), das aber für den argentinischen Markt bestimmt war und für die Uhren der Marke Election wirbt, sorgte ebenfalls für einen hohen Zuschlag: 52.000€ zzgl. Aufgeld war das Höchstgebot. Das Limit lag bei 30.000€, der obere Schätzpreis bei 80.000€.
Im Auktionskatalog liest man: „Brillanz, Tiefe und ein mystisch triumphaler Ausdruck faszinieren uns hier, wie nur selten. Dass die Oberfläche so brennfrisch über 100 Jahre überstanden hat, grenzt an ein Wunder. Uns ist kein besser erhaltenes Exemplar bekannt.“

“Waldbaur Schokolade”: Fluoreszierendes Email-Türschild
Eins der kuriosesten Schilder, die an diesem Samstag unter den Hammer kamen, ist dieses Waldbaur Schokolade aus der Zeit um 1930. Das extrem seltene Türschild kann etwas, was sonst kaum eins kann: Es leuchtet!
„Fluoreszierende Emaille, fett schabloniert, D um 1930, 19,5 x 6,5 cm, Emaillierwerk Schramberg, einzig uns bekanntes Exemplar in dieser Erhaltung, der Markenschriftzug und das Wort Schokolade fluoreszieren bei Nacht in unterschiedlichen Farben” kann man im Auktionskatalog zu Los 569 lesen.
Für ganze 2.600€ zzgl. Provision wechselte das Schokoladen-Emailschildchen den Besitzer. Geschätzt war es auf 4.000 bis 4.500€.

WAZ: Stolzer Hahn im Frack übertrifft alle Erwartungen
WAZ: Diese drei Buchstaben stehen für die „Waschanstalt Zürich“. Ein dafür werbendes Emailschild wurde unter Los 583 angeboten. Das Schild, gewölbt, fett schabloniert, entstand laut Katalog um 1915 in Zürich, ist 30 x 42 cm, groß und wurde von Robert Hardmeyer entworfen.

Trotz des kleinen Formates handelt es sich um eine wahre Ikone unter den Schweizer Reklameschildern. Das Interesse an dem WAZ-Hahn übertraf alle Erwartungen, mit 54.000€ zzgl. Provision ist der obere Schätzpreis von 45.000€ bei weitem übertroffen worden.
„Regensburger Knackwürste“ knackten oberen Schätzpreis nicht

Ein weiterer Höhepunkt der Auktion am Samstag war dieses uralte Emailschild mit dem für die Vorzüge der Knackwürste aus Regensburg geworben wird. Dies mit einer köstlichen, zeittypischen Darstellung und in einer hervorragenden Erhaltung.
Den oberen Schätzpreis indes – er lag bei 60.000€ – sollten die Würste nicht knacken. Es blieb bei immer noch ansehnlichen 38.000€. Rechnet man die Käuferprovision hinzu, so kommt man dem unteren Schätzpreis von 50.000€ sehr nahe.
Ein weiteres Top-Schild, das für Aufsehen sorgte, war das Tungsram unter Los Nummer 695. Das Emailschild ziert den Ausstellungskatalog „Enamel Icons“ des „The Macao Museum of Art“und ist in strengstem Bauhaus-Stil gehalten.
Hier wurde der Schätzpreis stark überschritten. Das Schild in Zustand 1 bis 2 war auf bis zu 25.000€ geschätzt worden, doch der Hammer fiel erst bei 34.000€.

Schweizer Schoko-Schild als krönender Abschluss
Das absolute Highlight der Jubiläumsauktion in Worms kam ganz zum Schluss dran. Unter der Losnummer 705 verbarg sich eins der wohl seltensten Schweizer Schokoladenschilder, dazu noch in einer Erhaltung, wie man sie sich besser kaum vorstellen kann.
Im Katalog heißt es: „Der “Maestrani-Junge” gilt als eines der ältesten und bedeutendsten Motivschilder der Schweiz. (…) Das Schild wurde erst im letzten Jahr in einem alten Bauernhaus entdeckt, Glanz und Farben haben ein ganzes Jahrhundert offenbar tadellos überdauert, die Oberfläche kommt kratzerfrei daher.

Man muss hier von höchster Handwerkskunst sprechen, das Motiv wurde fett von Hand eingefüllt, die detaillierte, einzeln ausgeführte Schablonierung der Bergblumen lässt sie im Licht lebendig werden, während im Hintergrund das fein lithographierte und von Hand colorierte schweizer Bergpanorama die Betrachter verzaubert.“
Schon einige Tage vor Auktionsbeginn war das Stargebot von 70.000€ über eine Online-Plattform abgegeben worden.
So durfte man gespannt sein, ob es noch weitere Interessenten geben würde, denen die emaillierte Rarität sogar mehr wert wäre. Immerhin hatte das Wormser Team mit 150.000 bis 170.000€ einen ambitionierten Schätzpreis festgelegt. Schlussendlich landete die Seltenheit bei einem Höchstgebot von 87.500€.
Soweit aus Worms, wo eine großartige Jubiläumsveranstaltung nun kurz vor 20 Uhr zu Ende ging. Bis zum nächsten großen Ereignis in Sachen Reklameauktionen dauert es übrigens gar nicht lange. Schon am kommenden Freitag geht es bei Pari munter weiter: Hier mehr Infos!

