
Zum ersten, zum zweiten … zum fünfzigsten! Seit 1994 schon veranstaltet Micky Waue (69) in Friedrichsdorf regelmäßig Auktionen mit Email- und Blechschildern sowie anderen historischen Werbeträgern. Zur 50. Auktion “Alte Reklameschilder” hat er sich ein besonderes “Geschenk” gemacht.
Noch sechs aufregende Auktionstage erwarten die eingefleischten Reklamesammler (nicht nur) aus dem deutschsprachigen Raum in den letzten Wochen des Jahres 2025. In knapp einer Woche geht es in Worms wieder rund (siehe hier) und Anfang und Mitte Dezember blickt die Szene dann gespannt ins hessische Friedrichsdorf.
Micky Waue ist nicht auf Facebook, nicht auf TikTok und auch nicht auf Instagram. “Ich bin da eher old-fashioned” erklärt der, der als einer der ersten überhaupt in Deutschland mit Reklameschildern handelte.
Wer sich also fast ausschließlich in den sogenannten “sozialen” Medien aufhält, kennt ihn möglicherweise gar nicht. An dieser Stelle sei daher auf seinen ersten Verkaufskatalog hingewiesen, der schon 1983 erschien, und den wir im Beitrag “Als Emailschilder noch richtig günstig waren und ihre Sammler belächelt wurden” beleuchten.
Shell Benzin Auto Oil: “Zügel wie gläserne Spaghetti”
Am Freitag, den 5. ab 16 Uhr und am Samstag, den 6. Dezember ab 9 lädt Micky Waue ins Forum zur “49. Friedrichsdorfer Auktion Alte Reklameschilder” ein. Die Versteigerungen findet sowohl lokal vor Saalpublikum als auch online statt.

(Bilder: Micky Waue Auktionen)
Zu den Highlights zählt am ersten Dezemberwochenende ein extrem seltenes Shell-Emailschild. “Dieses Schild ist mein Favorit” strahlt der Auktionator. “Es ist eine pure Freude, es anzuschauen und zu streicheln. Das Motiv ist teils feinst lithografiert, teils zuckergussartig eingefüllt, allein die Zügel des Pferdes wirken wie dicke, gläserne Spaghetti.“
Der geniale Entwurf von Jean d’Ylen kommt in einer prachtvollen Erhaltung daher. Die Farbkraft und die Oberfläche sind herrlich. Stolz ist denn in Konsequenz auch der Preis: 180.000€ sind das Startgebot für das Schild, das am Samstag, den 6. Dezember unter den Hammer kommen wird.
Sein Schätzwert wird mit bis zu 300.000€ angegeben. Ein gleiches Schild im Zustand 2-3 hatte im Mai 2022 in Worms lediglich 46.000€ erzielt.
Aber der Zustand spielt bei Emailschildern, wie bei anderen Kunstobjekten auch, eine wichtige Rolle. Und der ist bei dem Exemplar aus Friedrichsdorf wesentlich besser. Man darf in diesem Sinne gespannt sein, wie dieses D’Ylen-Shell aufgenommen wird.

Insgesamt werden am ersten Dezember-Wochenende übrigens 514 Auktionslose zum Aufruf kommen. Darunter auch ein extrem seltenes “Zündapp”-Emailschild, das erst in diesem Jahr in einer alten Werkstatt im Osten Deutschlands zum Vorschein kam. Man wagt kaum sich vorzustellen, was noch so alles an emaillierten Schätzen im Verborgenen liegt.
Vor neuem Rekordpreis für Emailschilder?
Am zweiten Dezember-Wochenende dann wird eine wahre Ikone im Forum Friedrichsdorf wohl für Furore sorgen. Es handelt sich dabei um das einzig bekannte Exemplar eines Emailschildes mit Reklame für die Automobile der Marke Benz. Sein letzter Auftritt während einer Auktion liegt fast 30 Jahre zurück.
Das Emailschild aus dem Jahr 1913 zeigt eine junge Frau, die einen Benz-Wagen, beinahe schon liebkosend, in den Armen hält. Die handschriftliche Ergänzung „Mein Benz!!“ bildet den zentralen werblichen Bestandteil.

Das Motiv wurde als Plakat und in Magazin-, resp. Zeitungsanzeigen in mehreren europäischen Ländern mit angepassten Texten und unterschiedlichen Rahmenversionen verwendet. Daraus lässt sich schließen, dass Benz seinen ausländischen Vertriebspartnern ein einheitliches Druckmotiv zur Verfügung stellte, das anschließend lokal modifiziert wurde.
Der Entwurf stammt aus dem Atelier Lippmann. Die künstlerische Ausführung orientiert sich an zeittypischen Illustrationsstilen und verbindet ein realistisches Fahrzeugbild mit einer bewusst emotionalen Inszenierung der Figur.
1996 zum letzten Mal in einer Auktion
1921 erschien die Darstellung in überarbeiteter Form erneut: Das Erscheinungsbild der Frau wurde an die Mode der frühen 1920er-Jahre angepasst, ebenso das abgebildete Fahrzeug, das konstruktive Neuerungen dieser Zeit widerspiegelt.
Das einzig bekannte Exemplar des Emailschildes mit diesem Motiv wurde Ende der 1970er-Jahre in Südwestdeutschland entdeckt und später in unterschiedlichen Publikationen reproduziert.
Aufgrund seiner frühen Entstehung, der nachvollziehbaren künstlerischen Herkunft, der aufwendigen Fertigungstechnik sowie der belegbaren Provenienz besitzt das Schild eine besondere Stellung in Sachen Reklamekunst.

Am 18. Juni 1996 wurde das Plakat im Vienna Hilton Hotel durch das Auktionsteam Der Hammer (Alexander Zacke) versteigert. Der Startpreis betrug 350.000 Schilling, was nach heutigem Fixkurs rund 25.430 Euro entspricht. Das Höchstgebot lag bei 850.000 Schilling, umgerechnet etwa 61.800 Euro.
Mit diesem absoluten Highlight der Emailreklame hat sich Micky Waue wohl selbst das schönste “Geschenk” zum Jubiläum gemacht. Die 50. Friedrichsdorfer Auktion “Alte Reklameschilder” wird mit Sicherheit in die Annalen eingehen.
Startgebot für die emaillierte Ikone: 450.000€
Der Startpreis für das Objekt beträgt stattliche 450.000€. Das ist deutlich mehr, als das bislang teuerste europäische Reklameschild, das je verkauft wurde, gebracht hat. Ein Cognac Macholl, das im Dezember 2024 versteigert wurde und 277.000€ zzgl. Provision brachte, immerhin 333.000€ all inc. (Siehe hier).
Auch das Macholl wurde in Friedrichsdorf veräußert. Micky Waue ist sich übrigens sicher, dass “Mein Benz!!” trotz des hohen Startgebotes, am 13. Dezember den Besitzer wechseln wird. Was den Schätzpreis angeht, so ist von bis zu 750.000€ die Rede.
Ob es sogar reichen wird, den bisherigen Allzeitrekord für einen emaillierten Werbeträger einzustellen, das kann man bezweifeln. Aber wer weiß das schon? Diesen hält übrigens seit August 2022 ein US-amerikanisches Schild mit Reklame für “Musgo Gasoline”. Es brachte umgerechnet mit Aufgeld knapp 1,5 Millionen Euro (siehe hier).
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Weitere Infos im Terminkalender
Zur 49. Auktion: Siehe hier!
Zur 50. Auktion: Siehe hier!

