Eine Bulldogge mit einem Stockschirm im Maul: Bei „Bares für Rares“ sorgte am Montag, den 28. September 2026 eine ungewöhnliche Werbefigur der Stuttgarter Firma Hugendubel für Interesse. Birgit und Ralf Vetter aus Remscheid hatten die Figur mitgebracht und hofften auf 200 Euro.
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Die Figur zeigt eine kräftige, englische Bulldogge, die einen Stockschirm quer im Maul trägt. Auf dem Sockel ist groß HUGENDUBEL zu lesen, an der Seite STOCKSCHIRM. Es handelt sich dabei nicht um einen gewöhnlichen Schirmständer, sondern um ein Verkaufs- und Werbedisplay: Der beworbene Stockschirm wird direkt in die Figur integriert und dem Kunden auf auffällige Weise präsentiert.
Bei „Bares für Rares“ lag die Vermutung eines Schirmständers zunächst tatsächlich nahe. Horst Lichter hielt das Objekt dafür. Experte Sven Deutschmanek stellte jedoch klar, dass es sich um eine Werbefigur handelt. Und die ist durchaus selten.
Wert: 300 bis 400 Euro laut Sven Deutschmanek
Birgit und Ralf Vetter hatten sich für ihre Bulldogge 200 Euro gewünscht. Deutschmanek schätzte das Objekt allerdings höher ein und nannte eine Größenordnung von 300 bis 400 Euro. Zeitlich ordnete er die Figur in die 1950er/60er Jahre ein.
Besonders interessant wurde seine Einschätzung, als er auf Prof. Albert Lauermann zu sprechen kam. Denn Lauermann und seine Werkstätten sind eng mit der Geschichte dreidimensionaler Reklamefiguren verbunden.

Albert Lauermann gründete 1890 gemeinsam mit dem Bildhauer Albert Grote in Detmold die Stuckwerkstatt „Grote & Lauermann“. Nach seiner Trennung von Grote baute er eine eigene Kunstwerkstatt auf, die später zu einem großen Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten anwuchs.
Lauermann entwickelte unter anderem neue, widerstandsfähige Materialien wie Stuccolin und Gipsoxylin. Gerade Gipsoxylin spielte später bei den dreidimensionalen Werbefiguren eine wichtige Rolle. Als sich der Markt für aufwendige Fassadenornamente in den 1920er-Jahren veränderte, erschloss Lauermann neue Geschäftsfelder und konzentrierte sich verstärkt auf Werbefiguren und Schaufensterplastiken.
Die Figuren wurden für unterschiedlichste Marken produziert und machten aus Reklame echte dreidimensionale Blickfänger.
Hugendubel-Bulldogge: Variante aus den 1920ern
Und hier kommt die Bulldogge ins Spiel. Auf Sammler.Net haben wir bereits über ein älteres Hugendubel-Exemplar aus der Zeit um 1920 berichtet. Die rund 32 cm hohe Figur ist als Hohlgipsfigur ausgeführt und weist auf ihrer Unterseite ein Etikett „Prof. Lauermann“ auf. Dieses Exemplar wurde bei der Micky-Waue-Auktion am 2. Juli 2022 für 600 Euro zugeschlagen: Siehe hier!
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Auch das Stuttgarter Stadtmuseum führt eine „Bulldogge“ der Schirmfabrik Hugendubel als historische Werbefigur mit Stockschirm im Maul und datiert das dortige Stück in die 1930er Jahre.
Damit ist klar: Die Idee einer Hugendubel-Bulldogge als Werbeträger ist keineswegs eine Erfindung der 1950er oder 1960er Jahre. Solche Figuren existierten bereits Jahrzehnte zuvor.

Ist auch die Bulldogge aus „Bares für Rares“ von Lauermann? Hier wird es für Sammler besonders interessant. Möglich ist es durchaus – nachweisen lässt es sich bei diesem Exemplar allerdings nicht. Denn während die ältere Bulldogge ein Lauermann-Etikett aufweist, fehlt ein entsprechender Herstellerhinweis bei dem Stück aus „Bares für Rares“.
Deutschmanek konnte die Figur deshalb nicht eindeutig Lauermann zuschreiben. Die auffällige Ähnlichkeit mit dem älteren Exemplar ist zwar bemerkenswert, ersetzt aber keinen Herstellerbeleg.
Auch die zeitliche Einordnung unterscheidet sich: Das dokumentierte Lauermann-Stück stammt aus der Zeit um 1920, während Deutschmanek die „Bares für Rares“-Figur in die 1950er/60er Jahre einordnet. Eine spätere Herstellung muss daher nicht automatisch gegen einen Zusammenhang mit dem Unternehmen sprechen – nur eine konkrete Zuschreibung dieser Bulldogge ist ohne Etikett eben nicht möglich.
Markus Wildhagen zahlte 220 Euro für die Figur: Schnäppchen?
Im Händlerraum hielt sich die Begeisterung zunächst in Grenzen. Am Ende war es Markus Wildhagen, der die Bulldogge für 220 Euro kaufte. Damit bezahlte er etwas mehr als die ursprüngliche Wunschvorstellung der Verkäufer von 200 Euro, blieb aber unter Deutschmaneks Einschätzung von 300 bis 400 Euro.

Ob die 220 Euro nun ein Schnäppchen waren? Der Vergleich mit der älteren, eindeutig mit Prof.-Lauermann-Etikett versehenen Bulldogge ist jedenfalls interessant: 600 Euro wurden für dieses Exemplar 2022 bei Micky Waue erzielt.
Allerdings sollte man die beiden Preise nicht einfach nebeneinanderstellen. Das Vergleichsstück ist zeitlich deutlich früher einzuordnen, seine Lauermann-Provenienz ist dokumentiert und es wurde bei einer spezialisierten Reklameauktion angeboten. Bei der „Bares für Rares“-Bulldogge fehlen dagegen sowohl das Herstelleretikett als auch eine gesicherte Datierung.
Wer sich für die Geschichte dieser ungewöhnlichen Reklamefiguren interessiert, findet auf Sammler.Net den ausführlichen Beitrag: Prof. Albert Lauermann – Von Stuckornamenten zu ikonischen Werbefiguren.
Wormser Reklame-Auktion: 2.800 Euro für Hugendubel-Bulldogge
Wie begehrt solche Hugendubel-Bulldoggen bei Sammlern sein können, zeigt ein weiteres, wieder etwas anders gestaltetes, Exemplar, das am Samstag in Worms versteigert wurde. Die 31 cm hohe Werbefigur aus Gips, hier datiert auf um 1930, kam dort in einem besonders interessanten Zustand zur Auktion.
Preissteigernder Faktor: Der originale Regenschirm war noch vorhanden. Die Losbeschreibung bezeichnete das Stück als selten und „so komplett“ nur schwer zu finden. Der Zuschlag lag bei 2.800 Euro, dies anlässlich der 41. Wormser Reklame-Auktion vom vergangenen Samstag, über die wir gestern berichteten (siehe hier).

Ein durchaus bemerkenswerter Vergleich zur Bulldogge aus „Bares für Rares“. Allerdings sollte man die beiden Ergebnisse nicht unmittelbar gleichsetzen: Alter, Erhaltungszustand, Vollständigkeit und insbesondere der noch vorhandene originale Schirm unterscheiden die Stücke.
Auch bei der Wormser Figur liegt eine gesicherte Herstellerzuordnung zur Lauermann-Werkstatt nicht vor. Der Preis zeigt aber eindrucksvoll, dass solche Hugendubel-Reklamefiguren unter Sammlern durchaus hoch gehandelt werden können.
☂️ Hugendubel: einst eine Stuttgarter Schirmfabrik
Die 1833 gegründete Schirmfabrik Hugendubel gehörte einst zu den bekannten Schirmherstellern Deutschlands. Das Unternehmen produzierte in Stuttgart und beschäftigte in seinen besten Zeiten rund 100 Mitarbeiter. Mit originellen Werbeideen machte Hugendubel seine Produkte weithin bekannt.
Besonders markant war die Bulldogge, die einen Stockschirm im Maul trägt. Sie wurde zum charakteristischen Werbemotiv des Unternehmens und begegnete den Kunden unter anderem auf Werbefiguren, Lieferwagen und in weiteren Werbemitteln.
Legendär wurde der 1942 entstandene Werbespruch „Vergiss nicht deinen Hugendubel“, der über Jahrzehnte zum Stuttgarter Stadtbild gehörte.
1999 musste die Schirmfabrik ihren Betrieb einstellen. Der zunehmende Wettbewerb durch günstig produzierte Schirme aus Asien hatte dem Unternehmen schließlich die wirtschaftliche Grundlage entzogen.
Hinweis: Die Stuttgarter Schirmfabrik Hugendubel ist nicht mit der gleichnamigen Münchner Buchhandlung zu verwechseln.
