480 Lose kamen am Samstag bei der 41. Wormser Reklame-Auktion unter den Hammer: Von kleinen Reklameobjekten, wie Ascher, für wenige Euro bis hin zu seltenen Spitzenstücken im fünf- und fast sogar sechsstelligen Bereich. An der Spitze standen zwei französische Emailschilder.
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Es war nicht nur eine besondere Versteigerung, weil eine bedeutende Sammlung aufgelöst wurde (siehe hier), sondern insgesamt eine Auktion mit einer bemerkenswerten Bandbreite. Insgesamt 480 Lose waren im Angebot, 41 davon fanden keinen Käufer. Damit wechselten rund 91 Prozent der angebotenen Objekte den Besitzer.
Bei den Spitzenpreisen zeigte sich einmal mehr, dass internationale Reklamekunst längst zum festen Bestandteil des Emaille-Sammelns gehört.
Unter den sechs teuersten Schildern fanden sich zwei französische, ein argentinisches, ein dänisches, ein spanisches und ein deutsches Schild. Zusammen – ohne Käufer- und Verkäuferprovision zu berücksichtigen – brachten diese sechs Spitzenstücke 262.500 Euro.
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Die sechs teuersten Schilder der Auktion
Bei den erzielten Preisen handelt es sich um die Hammerpreise. Dazu gesellen sich noch die Käuferprovision und – bei Online-Bietern – die Provision für den Betreiber der jeweiligen Plattform. Bei der 41. Wormser Reklame-Auktion beträgt die Käuferprovision 19 % auf den Zuschlagspreis plus 19 % Mehrwertsteuer, also insgesamt 22,61 %.
Bei Online-Geboten kommen zusätzlich 3 bis 5 % Online-Gebühr plus MwSt. hinzu. Wenn also auch diesmal kein sechsstelliger Hammerpreis erzielt wurde, kostet den Käufer das teuerste Schild der Auktion, das Pastilles Madon, dennoch knapp 120.000 Euro, wenn er vor Ort war oder sogar etwas über 125.000 Euro, wenn das Objekt z.B. über Invaluable.com ersteigert wurde..
6. Pebecco: 24.000 Euro
Den Anfang unserer Top Sechs macht ein deutsches Emailschild für Pebecco Zahnpasta, das 24.000 Euro erzielte.
Das gewölbte, 40 x 50 cm große Schild entstand 1921 bei den Frankfurter Emaillirwerken G.m.b.H., Neu-Isenburg u. Berlin. Der Entwurf stammt von Fries.

Auf dem tiefschwarzen Grund wirkt der große Schriftzug fast wie ein Leuchtsignal. Darüber schwebt die charakteristische Zahnpastatube, die ihren Inhalt scheinbar direkt in den freien Raum schreibt: Pebecco.
Das Besondere ist nicht nur die frühe Fertigung, sondern vor allem die außergewöhnliche Erhaltung. Nach Angaben des Auktionshauses handelt es sich um das einzige bekannte Exemplar in dieser feinen Erhaltung.
24.000 Euro waren einem Sammler dieses frühe Stück deutscher Zahnpastareklame wert.
5. Chocolate Amatller: 25.000 Euro
Nur 1.000 Euro mehr brachte ein kleines, aber ausgesprochen bemerkenswertes spanisches Emailschild: Chocolate Amatller wechselte für 25.000 Euro den Besitzer.
Das nur 18 x 28 cm große Schild entstand um 1915 und geht auf einen Entwurf des spanischen Illustrators Rafael de Penagos Zalabardo (1889–1954) zurück.

De Penagos hatte sich bereits als moderner Illustrator einen Namen gemacht und nahm 1913/14 an einem großen Plakatwettbewerb von Chocolate Amatller teil. Dabei wurde er gleich mehrfach ausgezeichnet. Sein Entwurf wurde schließlich auch auf Emaille umgesetzt.
Zu sehen ist ein exotisch dargestellter Diener, der auf macchiatobraunem Grund eine Tasse heiße Schokolade serviert. Die flächige, moderne Formsprache und die ungewöhnliche Farbwirkung machen das kleine Schild zu einem echten Blickfang.
Besonders beeindruckend: Farben und Glanz sind außergewöhnlich gut erhalten, selbst die empfindliche rote Lithographie präsentiert sich noch hervorragend.
Ein kleines Schild mit großer Wirkung – und 25.000 Euro Ergebnis.
4. Margarine BONA: 32.000 Euro
Auf Platz vier folgt dänische Reklamekunst: BONA Margarine erzielte 32.000 Euro.
Das gewölbte, 40 x 60 cm große Emailschild entstand um 1930 bei Johs. Thejll in København. Der Entwurf stammt vom Plakatkünstler Sven Brasch (1886–1979).

Das Motiv erinnert an Hänsel und Gretel, allerdings ganz im Stil der damaligen Reklamewelt umgesetzt: Zwei Kinder in auffälliger Kleidung, kräftige Farben und eine ausgesprochen klare grafische Gestaltung.
Besonders gesucht sind bei BONA gut erhaltene Exemplare – und hier scheint tatsächlich nahezu alles zusammengekommen zu sein. Glanz und Farben sind hervorragend, selbst die häufig problematische rote Lithographie zeigt sich noch farbfrisch.
Die 32.000 Euro zeigen, welchen Stellenwert hochwertige dänische Emailreklame inzwischen auch international besitzt.
3. Quilmes Cristal: 34.000 Euro
Noch einmal internationaler wurde es bei Quilmes Cristal. Das argentinische Emailschild aus dem Jahr 1923 erzielte 34.000 Euro.
Das imposante, 128 x 97 cm große Schild wurde in Deutschland gefertigt und ist mit Malaga Grenet signiert. Das Motiv zeigt eine elegant dargestellte Dame, die unter einem Baum verträumt ihr Glas hebt.

Die Werbung entstand in einer Zeit des wirtschaftlichen Aufbruchs in Argentinien und verbindet die klassische Plakatästhetik mit der damals beliebten Inszenierung von Genuss, Eleganz und Lebensfreude.
Über 100 Jahre nach seiner Entstehung begeistert das Schild vor allem durch seine hervorragende Farbfrische und den starken Glanz. Das Trägermaterial ist zwar etwas verzogen und wurde rückseitig auf einem Rahmen montiert, die eigentliche Werbefläche präsentiert sich jedoch ausgesprochen beeindruckend.
34.000 Euro lautete am Ende das Ergebnis.
Die zwei Spitzenreiter aus dem Hexagon
2. Bières de Ville sur Illon: 50.000 Euro
Richtig teuer wurde es bei Bières de Ville sur Illon. Das französische Emailschild brachte stolze 50.000 Euro.
Das um 1930 entstandene, 48 x 68 cm große Schild wurde von der Emaillerie Alsacienne Strasbourg gefertigt und ist mit Francisco Nicolas Tamagno signiert.

Tamagno, ein Italiener, der in Paris an der École des Beaux-Arts ausgebildet wurde, war einer der bedeutenden Plakatkünstler seiner Zeit. Seine Motive bestechen durch Dynamik und eine ganz eigene Bildsprache.
Hier serviert ein ikonischer Ober gleich mehrere überquellende Biergläser – ein Motiv, das gerade unter Sammlern französischer Bierwerbung Kultstatus besitzt.
Das Exemplar aus Worms überzeugte durch brennfrischen Glanz und satte Farben. Einige Kratzerchen waren zu erwähnen, insgesamt wurde es jedoch als eines der besten bekannten Exemplare beschrieben.
50.000 Euro bedeuteten Platz zwei der Auktion.
1. Pastilles Madon: 97.500 Euro
Und dann kam der große Star der 41. Wormser Reklame-Auktion: Pastilles Madon.
Das französische Emailschild aus den 1920er Jahren erzielte sagenhafte 97.500 Euro und setzte sich damit mit großem Abstand an die Spitze des Feldes.

Das 101 x 70 cm große Meisterwerk wurde von der Emaillerie Alsacienne Strasbourg gefertigt und trägt die Angaben Publicité G. Metais Paris sowie die Signatur Erel.
Schon das Motiv ist außergewöhnlich: Ein elegant gekleideter Herr blickt auf seine Taschenuhr und vertraut ganz auf die Wirkung der Pastillen. Über ihm scheint sich der Husten buchstäblich in Luft aufzulösen. Ein geflügelter, lilafarbener Kopf verlässt den Körper – begleitet von grotesken kleinen Bakterien, die dem Geschehen ziemlich verdutzt hinterherschauen.
Genau diese Mischung aus Humor, grafischer Raffinesse und perfekter Werbewirkung macht das Schild so besonders.
Und dann ist da noch die Seltenheit: Nach Angaben des Auktionshauses sind lediglich zwei Exemplare bekannt. Das Wormser Stück soll dabei das einzige sein, das die vergangenen rund 100 Jahre in einer derart hervorragenden Erhaltung überstanden hat.
Die Erhaltung ist tatsächlich spektakulär: frische Farben, starker Glanz, fein ausgearbeitete Handkolorierung und eine außerordentlich präzise Darstellung.
Am Ende stand ein Ergebnis, das seinem Ausnahmecharakter gerecht wurde:
97.500 Euro.
Damit waren die beiden großen Stars der Auktion eindeutig französisch.
Reklame muss nicht immer teuer sein
Wer nun angesichts solcher Ergebnisse glaubt, bei der Wormser Reklame-Auktion gehe es grundsätzlich nur um große Summen, wird beim Blick auf die übrigen Lose eines Besseren belehrt.
Unter den 480 angebotenen Objekten fanden sich auch zahlreiche Stücke, die durchaus für kleinere Budgets interessant waren. Das günstigste Los der Auktion, ein Xanthia-Ascher, wechselte bereits für 30 Euro den Besitzer.
Und auch bei den Reklameschildern konnte man für kleines Geld fündig werden: Eine französische Blechreklame „Comestibles aux Truffes – Claudot-Deschandeliers“ aus den 1920er Jahren erzielte gerade einmal 35 Euro Zuschlag.

Das 25 x 38 cm große, geprägte und lithographierte Blechschild mit Sickenrand stammt aus Ruffec (Charente) und wurde von Imp. L. Revon & Cie., Paris gefertigt. Bis auf leichte Altersspuren befindet es sich in sehr schöner Erhaltung. 35 Euro für ein rund 100 Jahre altes französisches Reklameschild – günstiger kann der Einstieg in die Welt der historischen Reklame kaum sein.
Das ist eigentlich ein schönes Gegenstück zu den 97.500 Euro für das Pastilles-Madon-Schild: Zwischen diesen beiden Extremen spielte sich die 41. Wormser Reklame-Auktion ab.
41 der 480 Lose blieben allerdings ohne Käufer. Das ist angesichts der insgesamt sehr guten Verkaufsquote zwar kein ungewöhnlich hoher Anteil, wirft aber trotzdem eine interessante Frage auf: Waren bei einzelnen Objekten die Startpreise zu hoch?
Eine eindeutige Antwort lässt sich daraus allein nicht ableiten. Bei Auktionen können viele Faktoren eine Rolle spielen: Seltenheit, Erhaltung, Bekanntheit des Motivs, aktuelles Sammlerinteresse oder schlicht die Frage, ob gerade im richtigen Moment der richtige Bieter im Raum oder online sitzt.
Gerade bei weniger bekannten Marken oder ungewöhnlichen Motiven kann ein Objekt trotz guter Qualität ohne Zuschlag bleiben, während ein ikonisches Schild plötzlich weit über den Erwartungen landet. Die 41 nicht verkauften Lose gehören damit ebenso zum Bild dieser Auktion wie die beiden französischen Spitzenstücke.
Wie erkennt man ein originales Emailleschild? Welche Fälschungen sind bekannt? Worauf sollten Sammler beim Kauf von Emailleschildern achten?
→ Alles Wissenswerte im großen Emailschilder-Ratgeber auf Sammler.Net
