Zwei geschnitzte Holzfiguren, eine historische Ansichtskarte und eine auffällige Signatur: Die Suche nach dem Urheber zweier bretonischer Skulpturen führt uns zu Jules Martin-Guillory, einem bislang nur wenig dokumentierten Bildhauer aus Saint-Malo.
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Bei der Räumung des Hauses eines verstorbenen Sammlers (siehe hier) kamen 2021 zwei geschnitzte Holzfiguren zum Vorschein und fanden den Weg in unseren Fundus. Sie zeigen einen Mann in bretonischer Tracht und eine Frau mit traditioneller Kopfbedeckung.
Auf der männlichen Figur steht „J. MARTIN – S. MALO“, die weibliche Figur trägt die Signatur „J. MARTIN“. Der Zusatz „S. MALO“ verweist auf Saint-Malo in der Bretagne und liefert einen wichtigen Hinweis auf die Herkunft des Künstlers.
PERSIL - Seltene, große Original Druckplatte / Klischee um 1950, 24 x 13,5 cm.
Erst später entdeckten wir in einem Online-Auktionshaus eine historische Ansichtskarte mit handschriftlicher Signatur, die einen Mann in bretonischer Kleidung zeigt. Ihre Aufschrift lautet: „Le sculpteur populaire breton, Jules MARTIN“ – der bretonische Volksskulpteur Jules Martin.
Die Karte, die wir erwerben konnten, legt nahe, dass Jules Martin als Bildhauer bretonischer Volkskunst bekannt war. Bei der weiteren Recherche tauchte der vollständige Name Jules Martin-Guillory auf.

Passende Signatur im französischen Kunsthandel
Ein besonders interessanter Vergleich findet sich bei einem geschnitzten bretonischen Nussknacker, der im französischen Kunsthandel angeboten wurde. Auch dieses Objekt trägt den Stempel „J. MARTIN / S. MALO“. Der Anbieter schreibt es Jules Martin-Guillory zu und datiert es ans Ende des 19. oder an den Anfang des 20. Jahrhunderts.
Die Übereinstimmung der Signatur und des Ortszusatzes ist ein konkreter Hinweis auf die Verbindung zu den beiden Skulpturen. Auch in einem Auktionskatalog des französischen Auktionshauses Adjug’Art ist Jules Martin-Guillory als Bildhauer aufgeführt.












Unter Losnummer 456 wurde 2017 die Skulptur La Promise katalogisiert. Die 52 cm hohe Holzplastik zeigt die Büste einer Frau mit einer festlichen Haube aus der bretonischen Region Trégor. Das signierte Werk ist auf 1938 datiert und stammt aus der ehemaligen Sammlung Yves Hémar. Die damalige Schätzung betrug 2.000 bis 2.500 Euro (Zum Auktionskatalog von Adjug’Art (PDF)).
Ein weiterer historischer Hinweis findet sich in einer Dokumentation über die Museen von Saint-Malo: Dort wird erwähnt, dass Sir Robert Mond dem Museum eine Holzplastik mit dem Titel La Promise schenkte. Ein zeitgenössischer Zeitungsbericht dazu erschien am 4. Oktober 1938 in Ouest-Éclair.
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Über den Bildhauer ist wenig bekannt
Die identische Signatur „J. MARTIN / S. MALO“ auf dem Nussknacker und der männlichen Skulptur ist der stärkste konkrete Anhaltspunkt. Zusammen mit der Signatur auf der weiblichen Figur, der historischen Ansichtskarte und dem dokumentierten Werk La Promise ergibt sich eine schlüssige Verbindung zu Jules Martin-Guillory.
Eine unabhängige Bestätigung der Urheberschaft beider Figuren steht allerdings noch aus. Auch über die Lebensdaten und die künstlerische Laufbahn des Bildhauers ist bislang wenig bekannt.

An der männlichen Skulptur befindet sich zudem die handschriftliche Notiz „1926 Toulon“. Sie könnte auf ein vermutetes Herstellungsjahr und einen Erwerbsort hinweisen, lässt sich aber nicht eindeutig interpretieren.
Die beiden Holzfiguren sind damit nicht nur Beispiele bretonischer Schnitzkunst, sondern auch Ausgangspunkt einer interessanten Spurensuche nach einem Künstler, dessen Werk bislang nur in einzelnen Objekten, Katalogen und historischen Hinweisen greifbar wird.

