Régis Bossu: Ein Leben zwischen Fotografie und Emailschildern

Der französische Fotograf Régis Bossu war nicht nur ein international bekannter Bildjournalist, sondern auch ein leidenschaftlicher Sammler historischer Emailschilder. Sein außergewöhnlicher Nachlass verbindet Fotografie, Reklamegeschichte und die Geschichten hinter den Objekten.

Collage: Sammler.Net mit Bildmaterial von Régis Bossu und Wormser Classic Auctions
Collage: Sammler.Net mit Bildmaterial von Régis Bossu und Wormser Classic Auctions

Régis Bossu ist vielen vor allem als Fotograf eines der bekanntesten politischen Bilder des 20. Jahrhunderts bekannt: Sein Foto vom berühmten „Bruderkuss“ zwischen Erich Honecker und Leonid Breschnew entstand 1979 anlässlich des 30. Jahrestages der DDR-Gründung. Die Aufnahme wurde zu einem ikonischen Dokument der politischen Inszenierung während des Kalten Krieges.

Doch Bossu hatte neben seiner fotografischen Arbeit eine weitere große Leidenschaft: alte Reklame. Sein Nachlass an Original-Emailschildern wird nun im Rahmen der V. Petromobilia-Auktion und der 41. Wormser Reklame-Auktion vom 24. bis zum 26. September 2026 unter den Hammer kommen.

Eine dokumentierte Sammlung hunderter Emailschilder

Neben seinem fotografischen Werk hinterließ Régis Bossu nämlich eine bemerkenswerte Sammlung von mehreren hundert historischen Emailschildern. Sie spiegeln seine besondere Begeisterung für alte Werbung wider. Zugleich vermitteln sie einen ganz eigenen Blick auf die Geschichten und Orte, die mit den Objekten verbunden waren.

Denn Bossu sammelte nicht einfach nur Emailschilder. Er dokumentierte zahlreiche Fundstücke auch fotografisch an den Orten, an denen er sie entdeckt hatte.


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Diese Aufnahmen verleihen seinem Nachlass eine besondere dokumentarische Qualität. Sie zeigen, wo ein Emailschild einst hing, in welchem Umfeld es zu finden war und welche Spuren der Vergangenheit an seinem ursprünglichen Fundort noch sichtbar waren.

Damit wird aus einer Sammlung historischer Reklame zugleich ein fotografisches Zeitdokument.

Reizvolle Verbindung zwischen Objekt und Fotografie

Für Bossu waren die Emailschilder offenbar weit mehr als dekorative Sammelobjekte. Sie erzählten Geschichten über Marken, Geschäfte, Produkte und längst vergangene Zeiten.

Seine Sammlung führt durch ganz unterschiedliche Bereiche der Reklamegeschichte: von lokalen Bierreklamen über französische Reklameklassiker bis hin zu nationalen und internationalen Raritäten.

Video: Wormser Classic Auctions

Besonders reizvoll ist dabei die Verbindung zwischen Objekt und Fotografie. Einige der Aufnahmen, die Bossu an den Fundplätzen seiner Emailschilder anfertigte, sind im Auktionskatalog abgebildet. Sie geben den späteren Besitzern einen ungewöhnlichen Einblick in die Herkunft und den ursprünglichen Kontext der angebotenen Stücke.

Ein ungewöhnlicher Sammlernachlass

Die Verbindung von Fotografie und Reklamesammelei macht den Nachlass von Régis Bossu zu etwas Besonderem. Während seine berühmten Fotografien bedeutende politische Ereignisse dokumentieren, bewahren seine Bilder von den Fundorten der Emailschilder ganz andere Geschichten: Geschichten des Alltags, der Werbung und der verschwundenen visuellen Welt vergangener Jahrzehnte.

So treffen in dieser Sammlung zwei Formen des Bewahrens aufeinander: die fotografische Spurensicherung und das Sammeln originaler Reklameobjekte.


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Der Nachlass führt dabei weit über die klassische Emailschild-Sammlung hinaus. Er erzählt von der Leidenschaft eines Sammlers, der seine Fundstücke mit einem geschulten fotografischen Blick betrachtete und damit einen zusätzlichen Teil ihrer Geschichte bewahrte.

Vom 24. bis 26. September: Bossus Sammlung unter dem Hammer

Régis Bossus Sammlung wird nun im Rahmen der 5. Petromobilia-Auktion und 41. Wormser Reklame-Auktion angeboten. Für Sammler historischer Reklame bietet sich damit die seltene Gelegenheit, Stücke aus einer Sammlung zu erwerben, die durch die persönliche Dokumentation ihres früheren Besitzers eine ganz eigene Geschichte besitzt.

Gerade die Kombination aus mehreren hundert Emailschildern und den dazugehörigen Fotografien macht diesen Nachlass zu einem bemerkenswerten Kapitel der Reklamesammlerei.


INFOS
Die V. Petromobilia-Auktion in der Kapelle Worms findet am Donnerstag, den 24. September ab 15 Uhr und am Freitag, den 25. September ab 13 Uhr statt. An beiden Tagen werden ca. 550 Objekte versteigert.
Die 41. Wormser Reklame-Auktion findet am Samstag, den 26. September statt und beginnt um 9:30 Uhr. Rund 480 Objekte warten auf einen neuen Besitzer.

Die Kataloge zu den drei Auktionstagen sind seit dem heutigen Freitag online. Siehe auch: Wormser Classic Auctions GmbH – Aktuelle Auktionen


Biografische Notiz

  • Geburtsort: Verdun, Frankreich (geboren am 1. Oktober 1944)
  • Sterbeort: Griesheim bei Darmstadt, Deutschland (gestorben am 28. November 2025 nach langer Krankheit im Alter von 81 Jahren)

Régis Bossu war ein französischer Fotograf, bekannt für seine politischen und zeitgeschichtlichen Aufnahmen. Weltberühmt wurde sein Foto des „Bruderkusses“ zwischen Leonid Breschnew und Erich Honecker, das am 5. Oktober 1979 in Ost-Berlin entstand.

Bossus bekanntestes Bild: Dieses Foto ging um die Welt und machte den Fotografen 1979 auf einen Schlag international bekannt.
Bossus bekanntestes Bild: Dieses Foto ging um die Welt und machte den Fotografen 1979 auf einen Schlag international bekannt.

Seine Karriere begann bei der amerikanischen Militärzeitung Stars and Stripes. Ab Mitte der 1970er-Jahre arbeitete er als freier Fotograf für die Agentur Sygma. Seine Bilder erschienen unter anderem in Paris Match, Time, Newsweek, Stern und Der Spiegel.

1989 dokumentierte Bossu den Fall der Berliner Mauer. Neben politischen Reportagen entstanden auch Straßenszenen, Künstlerporträts und humorvolle Selbstporträts. Bossu war außerdem ein leidenschaftlicher Sammler historischer Emailschilder und dokumentierte zahlreiche seiner Fundstücke fotografisch.

Er verbrachte rund die Hälfte seines Lebens in Griesheim, nachdem er ab 1967 dauerhaft nach Deutschland gezogen war.

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