Die Geschichte eines Tüftlers, der ein Weltunternehmen gründete
Wer als Reklamesammler nach Emailschildern der Marke Miele Umschau hält, der wird zwar fündig werden, aber diese Art Werbeträger des 1899 gegründeten Unternehmens sind eher recht langweilig. Ganz und gar nicht langweilig hingegen ist die Geschichte des Markengründers …
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In einer kleinen westfälischen Gemeinde nahm eine der erfolgreichsten deutschen Unternehmensgeschichten ihren Anfang. Carl Miele, geboren am 25. Juli 1869 in Herzebrock, war kein Mann der großen Worte – aber einer der klaren Ideen, präzisen Technik und nachhaltigen Unternehmensführung.

Bild: Stadtarchiv Gütersloh
Mit Leidenschaft für Konstruktion und unternehmerischem Mut gründete er 1899 gemeinsam mit Reinhard Zinkann das Unternehmen Miele. Was mit Milchzentrifugen begann, entwickelte sich über Generationen hinweg zu einem globalen Premiumanbieter für Haus- und Gewerbegeräte – stets unter dem Leitsatz: „Immer besser“.
Ein bodenständiger Anfang
Carl Miele war der Sohn eines Maurers und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Schon früh zeigte sich sein handwerkliches Geschick – mit einer Maurerlehre und dem Besuch der Baugewerkschule Buxtehude legte er das Fundament für seine spätere Laufbahn.
Nach dem Militärdienst stieg er ins väterliche Baugeschäft ein und spezialisierte sich auf den Bau von Industrieschornsteinen. Dort lernte er nicht nur das Handwerk in Perfektion, sondern auch seine spätere Ehefrau Katharina Zuwickern kennen, mit der er fünf Kinder hatte.

1895 wagte Carl Miele den Sprung in die Selbstständigkeit. Er übernahm die Eisenwarenhandlung Friedrich Bremer in Herzebrock – ein scheinbar bescheidener Schritt, der sich jedoch als Startschuss für eine bemerkenswerte Unternehmerlaufbahn entpuppen sollte.
Bereits 1899 gründete Miele mit dem Kaufmann Reinhard Zinkann die Zentrifugenfabrik Miele & Cie. Der erste Firmensitz: eine stillgelegte Korn- und Sägemühle mit elf Mitarbeitern. Die ersten Produkte: Milchzentrifugen und Buttermaschinen – bodenständige Technik für die Landwirtschaft, aber mit einem hohen Maß an Präzision und Innovation.
Von der Buttermaschine zum ersten Geschirrspüler Europas
Carl Miele war ein Tüftler mit Erfindergeist. So baute er schon im Jahr 1900 auf Basis seiner Buttermaschine die erste Miele-Waschmaschine. Ein Jahrzehnt später hatte sich das Unternehmen fest etabliert. 1907 erfolgte der Umzug nach Gütersloh, wo das Unternehmen bis heute seinen Hauptsitz hat. 1914 war Miele bereits die größte Spezialfabrik Deutschlands für Milchzentrifugen und Waschgeräte.
Innovation war von Anfang an die Triebfeder: 1927 startete Miele mit der Staubsaugerproduktion, 1929 folgte die erste elektrische Geschirrspülmaschine Europas. In den 1930er-Jahren begann die Fertigung von Motorrädern – Miele wurde ein Synonym für technische Vielseitigkeit.
Carl Miele war nicht nur ein Konstrukteur, sondern auch ein sozial denkender Unternehmer. 1909 gründete er eine eigene Betriebskrankenkasse – zu einer Zeit, in der soziale Verantwortung längst keine Selbstverständlichkeit war.
Vom Moped bis zur Medizintechnik
Das Unternehmen blieb auch nach seinem Tod im Jahr 1938 in Familienhand und wird heute bereits in der vierten Generation von den Nachfahren der Gründer geführt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte Miele neue Maßstäbe im Haushaltsgerätebereich. Vom Moped – zwischen 1953 und 1960 wurden verschiedene Modelle (K50, 51, 52, 53) gebaut – über Kücheneinbaugeräte bis zur modernen Waschmaschine – das Sortiment wuchs, doch die Qualitätsphilosophie blieb.
International expandierte das Unternehmen, übernahm Traditionsmarken wie Imperial und spezialisierte sich zunehmend auch auf gewerbliche Anwendungen und Medizintechnik.
Mit Übernahmen wie Steelco und dem 2024 gegründeten Joint Venture SteelcoBelimed verstärkte Miele sein Engagement im Bereich der Medizintechnologie. Gleichzeitig bleibt das Unternehmen mit über 125 Jahren Geschichte tief verwurzelt in der Region – nicht nur geographisch, sondern auch in seinen Werten.
Miele wurde vielfach als „Beste Unternehmensmarke“ prämiert und ist laut zahlreichen Studien die stärkste Marke Deutschlands im Bereich Haushaltstechnik. Auch im 21. Jahrhundert behauptet sich das Unternehmen erfolgreich gegen internationale Wettbewerber – mit nachhaltiger Produktion, klarer Markenstrategie und einem Anspruch, der bleibt: „Immer besser“.
BUCHTIPP
Emailschilder von Miele sind eher “bescheiden”
Wer sich als Reklamesammler auf die Suche nach Emailschildern der Marke macht, der trifft wohl eine Vielfalt davon an, allerdings sind diese recht “bescheiden”, was die grafische Ausführung angeht. Sie sind meist nur zweifarbig – maximal dreifarbig – gehalten und bestehen lediglich aus dem “Míele”-Markenlogo mit dem charakteristischen, abgeschrägten Strich auf dem ‘í’ und einem kurzen Text, wobei dieser sich meist auf ein einziges Wort beschränkt.
So findet man derartige Schilder mit weißer Schrift auf rotem, grünen, blauen (…) Hintergrund, oder solche mit blauer Schrift auf gelbem Untergrund etwa. Unter dem Schriftzug MIELE kann man Fahrräder, Melkmachine, Waschmaschinen. Erzeugnisse, Heißmangel usw. lesen.
Das wohl “spektakulärste” Miele-Emailschild ist ein hochformatiges Teil, auf welchem gleich für 9 (neun) verschiedene Produkte aus dem Gütersloher Unternehmen geworben wird. Es tammt aus den 1930er Jahren und resümiert wohl die gesamte derzeitige Produktpalette.

Während dieses Emailschild – auch wenn es von der Aufmachung her recht einfach ist – eine kleine Seltenheit darstellt, sind andere recht häufig auf dem Markt zu finden. Hier einige Beispiele von Emailschildern, die in den vergangenen Jahren bei Auktionen in Worms und in Friedrichsdorf versteigert wurden.

In der ZDF-Sendung “Bares für Rares” wechselte am Dienstag, den 15. Juli 2025 ein weiteres, ähnlich gestaltetes Schild mit Reklame für die Heißmangeln der Marke den Besitzer.
Das bei Boos & Hahn hergestellte, flache Schild stammt aus dem Jahr 1979, wie Experte Colmar Schulte-Goltz leicht an dem noch vorhandenen Prüfzettel feststellen konnte. Er schätzte das Exemplar, das sich in Zustand 1 befand, trotz des für Historische Reklameobjekte recht jugendlichen Alters auf 200 bis 250 Euro.
Erworben hat es Markus Wildhagen schließlich für 300€. Der Verkäufer dürfte zufrieden sein! Im Dezember 2024 wurde übrigens ein gleiches Schild, allerdings in Zustand 2 bei Micky Waue in Friedrichsdorf für 80€ zugeschlagen.



