Für die Werbung zu ihrer Zigarettensorte Rumpler-Taube griff die Firma Manoli, wie auch bei anderen ihrer Produkte, auf einen der bedeutendsten deutschen Reklamekünstler seiner Zeit, Lucian Bernhard, zurück. Er setzte das Motiv mit wenigen Pinselstrichen um und das seinerzeit recht futuristisch anmutende Fluggerät meisterhaft in Szene.
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Manoli war eine 1894 in Berlin von Jakob Mandelbaum gegründete Zigarettenfabrik, die zunächst unter dem Namen „Argos“ firmierte und ab 1897 unter der Marke Manoli zu einer der bekanntesten deutschen Zigarettenmarken aufstieg.
Prägnante Elemente statt dekorative Überfülle
Moderne Werbung gehörte früh zum Unternehmenserfolg und machte Motive wie die Rumpler Taube zu wirkungsvollen Trägern eines neuen urbanen Lebensgefühls. Das Plakat wirkt auf den ersten Blick überraschend modern: Vor hellem Hintergrund zieht ein Flugzeug mit weit geschwungenen Tragflächen über die Bildfläche, darunter in klarer Typografie der Markenname Manoli.
Mehr braucht der Entwurf nicht, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Gerade diese Reduktion macht den Reiz des Plakats aus. Gestaltet wurde es von Lucian Bernhard, einem der wichtigsten Vertreter des deutschen Sachplakats.
Er hatte die Werbegrafik zu Beginn des 20. Jahrhunderts grundlegend verändert, indem er auf dekorative Überfülle verzichtete und das Motiv auf wenige prägnante Elemente konzentrierte. Mehr über Lucian Bernhard lesen Sie hier.
Das Flugzeug wird bei Brenhard nicht nur als technische Neuerung gezeigt, sondern als Sinnbild einer neuen Zeit: Fliegen stand damals für Fortschritt, Geschwindigkeit und Zukunft. Und kaum ein Flugzeug jener Jahre besaß eine ähnlich markante Erscheinung wie dieser frühe Eindecker mit seinen weich auslaufenden Flügeln und dem vogelähnlichen Umriss.
Am Anfang war es die “Etrich-Taube”
Der Name der Maschine geht auf Edmund Rumpler zurück, der zu den prägenden Unternehmern der frühen deutschen Luftfahrt gehörte. Rumpler, 1872 in Wien geboren, hatte zunächst im Automobilbau gearbeitet, bevor er sich der Flugtechnik zuwandte. Früh erkannte er, dass sich Flugzeuge nicht nur als technische Experimente, sondern auch industriell fertigen ließen.
Mit den Rumpler Flugzeugwerke in Berlin schuf er einen Betrieb, der schon vor dem Ersten Weltkrieg zu den bedeutenden deutschen Flugzeugproduzenten zählte. Die eigentliche Konstruktion der Taube stammt jedoch von Igo Etrich.
Etrich entwickelte ab 1909 ein Flugzeug, dessen Form von natürlichen Vorbildern beeinflusst war. Als aerodynamisches Modell dienten unter anderem die flugfähigen Samen der tropischen Zanonia-Pflanze, deren gleitende Struktur ihn zu den charakteristischen Flügelformen inspirierte. Die daraus entstandene Etrich-Taube absolvierte 1910 ihre ersten erfolgreichen Flüge und erregte rasch Aufmerksamkeit.
Ungewöhnlich gutmütig im Flugverhalten
Rumpler erhielt zunächst eine Lizenz zum Bau dieser Konstruktion und begann in Deutschland mit eigener Fertigung. Seine Maschinen wurden bald in größerer Zahl produziert, sodass sich im deutschen Sprachraum der Name Rumpler Taube durchsetzte, obwohl die konstruktiven Ursprünge eindeutig bei Etrich lagen.
Die Taube galt als ungewöhnlich gutmütig im Flugverhalten. Gerade in einer Zeit, in der viele Flugapparate schwer beherrschbar waren, wurde ihre Stabilität geschätzt. Die Maschine ließ sich vergleichsweise ruhig steuern und eignete sich deshalb nicht nur für Flugschauen und Demonstrationen, sondern auch für erste militärische Einsätze.
Mit Beginn des Erster Weltkrieg wurde die Taube zunächst vor allem als Aufklärungsflugzeug verwendet. Ihre ruhige Fluglage machte sie für Beobachtungsaufgaben geeignet, ehe sie schon bald von leistungsfähigeren Konstruktionen verdrängt wurde.
Ein vertrautes Bild technischer Moderne
Dennoch blieb ihre charakteristische Form im Gedächtnis der Zeitgenossen haften. Auch deshalb, weil sie zu den ersten Flugzeugen gehörte, die in großem Stil fotografisch dokumentiert und grafisch dargestellt wurden.
So erklärt sich auch ihre Wirkung im Plakat Bernhards: Die Taube war damals bereits ein vertrautes Bild technischer Moderne, zugleich aber noch immer Träger jenes Staunens, das die frühe Luftfahrt begleitete.
Ein besonders bedeutendes Exemplar befindet sich heute im Technisches Museum Wien: eine originale Etrich II Taube von 1910, also eine frühe Ausführung jener Konstruktion, aus der später die als Rumpler Taube bekannt gewordenen deutschen Serienmaschinen hervorgingen.


