„Bediene dich selbst!“: Warenautomat aus den 1950er Jahren in Neuzustand

Ein knallroter Verkaufsautomat der Berliner Automatenfabrik Ferdinand Florstedt steht für die frühe Selbstbedienungskultur der 1950er-Jahre. Das unbenutzte Exemplar stieß bei „Bares für Rares“ auf Begeisterung im Händlerraum.

Dieser Verkaufsapparat wurde wohl niemals in Gebrauch genommen: Sein Zustand ist quasi neuwertig.
Dieser Verkaufsapparat wurde wohl niemals in Gebrauch genommen: Sein Zustand ist quasi neuwertig. (Screenshots: ZDF)

Ferdinand Florstedt gehörte im 20. Jahrhundert zu den bedeutenden deutschen Herstellern mechanischer Verkaufsautomaten.

Seine Firma firmierte unter „Automatenfabrik Ferdinand Florstedt, Berlin N.20“ und produzierte vor allem Warenautomaten, die in Geschäften, Bahnhöfen, Wartehallen und öffentlichen Einrichtungen eingesetzt wurden.

Äußerst solide konstruiert

Das Unternehmen spezialisierte sich auf mechanische Verkaufsautomaten, lange bevor elektrische Systeme verbreitet waren.

Typisch für Florstedt waren robuste Blechgehäuse, massive Münzprüfer und präzise arbeitende Dreh- oder Schiebemechaniken. Die Geräte mussten im täglichen Dauereinsatz zuverlässig funktionieren und wurden deshalb äußerst solide konstruiert.

Typenschild der Automaten Fabrik Ferdinand Florstedt von 1955
Automaten Fabrik Ferdinand Florstedt: Die auf Typenschildern häufig genannte Berliner Bezirksbezeichnung „Berlin N.20“ verweist auf die historische Firmenanschrift im damaligen Berliner Norden und erlaubt eine zeitliche Einordnung in die Vorkriegs- und frühe Nachkriegszeit.

Der gezeigte Doppel-Auswahl-Automat ist ein typisches Beispiel für die Florstedt-Bauweise der 1950er-Jahre. Hinter den beiden großen runden Sichtfenstern befinden sich drehbare Fächerkränze mit zahlreichen Einzelkammern.

Der Kunde warf eine Münze ein, stellte das gewünschte Fach auf die markierte Position ein und löste über den Zugmechanismus die Ausgabe aus.

Die Ware fiel anschließend in das untere Ausgabefach. Dieses Prinzip erlaubte erstmals einen Verkauf ohne Bedienpersonal – ein modernes Konzept, das damals gezielt mit dem Schriftzug „Bediene Dich selbst!“ beworben wurde.

Automatentypen für verschiedenste Waren

Florstedt produzierte unterschiedliche Automatentypen für verschiedenste Waren: Süßigkeiten, Zigaretten, Seife, Kleinwaren, Rasierklingen oder Haushaltsartikel. Besonders in der Nachkriegszeit waren solche Geräte gefragt, weil sie Personal einsparten und auch außerhalb regulärer Ladenöffnungszeiten Verkauf ermöglichten.


Jetzt bei eBay Anzeige
eBay-Partner: Seite verdient bei Käufen mit.
Wird geladen …

Die auffällige rote Lackierung vieler Modelle war nicht nur dekorativ, sondern bewusst werbewirksam gewählt. Automaten sollten Aufmerksamkeit erzeugen und zugleich Vertrauen vermitteln: klare Bedienung, sichtbare Ware und stabile Technik.

Gerade größere Modelle wie dieser Doppelautomat waren für Innenräume oder geschützte Verkaufsbereiche bestimmt und wurden häufig in Ladenlokalen oder Hotels aufgestellt.

Mehr zum Thema? Siehe auch:

Elektrozeit-Zigarettenautomat von 1936 zum Schnäppchenpreis

Historisch interessant ist, dass Florstedt zu jener Generation deutscher Automatenbauer gehörte, die den Übergang von rein mechanischer Präzisionstechnik zur modernen Selbstbedienungskultur prägten.

Gut erhaltene Exemplare mit originalem Typenschild, vollständiger Innenmechanik und funktionierenden Münzwerken sind heute selten.

Ein imposantes Gerät auf der "Bares für Rares"-Theke.
Ein imposantes Gerät auf der “Bares für Rares”-Theke.

Besonders große Doppelmodelle wie dieses besitzen neben dekorativem Charakter auch hohen technikhistorischen Wert, da sie die frühe Phase des automatisierten Warenverkaufs in Deutschland anschaulich dokumentieren.

Perfekt erhaltenes Exemplar bei “Bares für Rares”

Am Mittwoch, den 22. Januar 2025 wurde ein solches Gerät bei “Bares für Rares” angeboten. Es befand sich in einem unbenutzten Originalzustand und wurde niemals in den Gebrauch genommen. In dieser Erhaltung sind solche Geräte sehr selten.

Experte Detlev Kümmel schätzte den Automaten auf bis zu 1.000€, was doppelt so viel ist, wie der Anbieter es sich erwartet hatte. Für Jens aus Norddeutschland, der den schweren Warenautomaten mit ins Pulheimer Walzwerk gebracht hatte, und sich 500€ dafür wünschte, eine erfreuliche Überraschung.

Händler Markus Wildhagen neben der gerade erworbenen Seltenheit.
Händler Markus Wildhagen neben der gerade erworbenen Seltenheit.

Im Händlerraum wurde die sogar noch übertroffen. Der Auswahl-Automat wechselte schließlich den Besitzer für 1.300€. Den Zuschlag nach einem harten Bietergefecht erhielt der Düsseldorfer Markus Wildhagen.

Ein durchaus korrekter Preis, wie wir finden. Wie seht Ihr das? Lasst es uns in den Kommentaren unten wissen …


Jetzt bei eBay Anzeige
eBay-Partner: Seite verdient bei Käufen mit.
Wird geladen …



Ständer und Displays für Reklame Sammler
Bei neuen Kommentaren benachrichtigen
Benachrichtige mich bei
0 Kommentare
Neueste
Älteste
Inline Feedbacks
View all comments