Zigarettenspender waren einst mehr als nur praktische Helfer für Raucher. Mit raffinierten Mechanismen, glänzenden Metalloberflächen oder bunten (Werbe)Motiven wurden sie zu dekorativen Tischaccessoires und sind heute begehrte Sammlerstücke.
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Vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehörten Zigaretten in vielen Gesellschaftsschichten zum Alltag. Passend dazu entstanden neben Etuis, Dosen und Aschenbechern auch mechanische Spender.
Renault Premium - Wanduhr von 1996 mit Reklame für die LKWs der französischen Marke
Besonders originell sind Modelle, bei denen sich durch Ziehen am Deckel mehrere Zigarettenhalter auffächern. Die Technik sorgt für einen kleinen Überraschungseffekt und macht aus einem Gebrauchsgegenstand ein dekoratives Objekt. Beliebt waren etwa Modelle, die einen Erdglobus darstellten oder beispielsweise einen Fußball. Es gibt aber auch solche in vielen anderen Formgebungen.
Eine „Colonne Morris“ als Zigarettenspender
So wie bei demjenigen, der am Mittwoch, den 21. Oktober bei „Bares für Rares“ im Angebot war und der von Frederike und Juliane, Freundinnen aus Harburg und Regensburg, mitgebracht wurde. Dieser erinnert an die so genannte Colonne Morris, die man ab 1868 in Paris und anderen französischen Städten zur Außenreklame nutzte. Der zylindrische Körper dieser Kioske bietet rundum Platz für Plakate.
Bei diesem Zigarettenspender sind es farbenfrohe Plakate von Cabarets und anderen Vergnügungsstätten und Markenwerbung, die den kleinen Automaten in einen dreidimensionalen Reklameträger im Miniaturformat verwandeln. Besonders auffällig sind die Hinweise auf Pariser Cabarets wie das Moulin Rouge, und die Reklamen für u.a. die Zigarettenmarke Gauloises, die Aperitifmarke SUZE und die französische Nationallotterie.

Hersteller des im ZDF präsentierten Spenders waren die Gebrüder Schmidt aus Idar-Oberstein. Das Unternehmen wurde bereits 1818 gegründet. Anfangs lag der Schwerpunkt auf der Metallverarbeitung und -veredelung für die örtliche Schmuckindustrie. Im Laufe der Zeit entwickelte sich das Unternehmen zu einem vielseitigen Hersteller.
Die Firmengeschichte dokumentiert, dass Gebrüder Schmidt in der Mitte des 20. Jahrhunderts unter anderem Büroartikel, Schreibtischzubehör, Raucherbedarf und weitere Gebrauchsgegenstände herstellte und vertrieb. Mit der Aufnahme der Kunststoffverarbeitung im Jahr 1955 begann ein wichtiger Wandel (siehe auch: Wirtschaftsgeschichte Rheinland-Pfalz).
Was bitte sind denn „Litfässer“?
Der 23 cm hohe Spender, den Juliane geerbt hatte, erreicht in geöffnetem Zustand eine Höhe von rund 33 cm. Zieht man am Säulendeckel, fährt der Mechanismus nach oben und gibt die Zigarettenhalter frei, die sich fächerförmig entfalten. Expertin Annika Raßbach bezeichnete den Kiosk fälschlicherweise als Litfaßsäule und verwies auf deren Erfinder, Ernst Litfaß (1816-1874).
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Wie schon erwähnt, handelt es sich hier um die französische Variante, benannt nach dem Journalisten und Politiker Gabriel Morris. Auch die Aussage von Raßbach, Ernst Litfaß habe diese Kioske bei einer Parisreise gesehen, stimmt nicht. Das genaue Gegenteil ist der Fall.
Litfaß stellte seine ersten Säulen schon 1854 in Berlin auf. Dort entdeckte sie der Franzose gut ein Jahrzehnt später und entwickelte seine Version, die ab 1868 im Hexagon verbreitet wurde. Die ganze Geschichte finden Sie hier: Runde Revolution: Ernst Litfaß (1816-1874) und seine ‘Anschlagsäulen’.
Die ZDF-Expertin hat vermutlich ein ganz eigenes, geheimes Fachwissen, auf das sie zurückgreift. So spricht sie zum Beispiel auch von „Litfässern“. Diesen Begriff gibt es aber gar nicht.

Auch Raßbach’s Definition der „Belle Époque“ steht auf wackeligen Füßen. Um 1850 sei diese in Frankreich allgegenwärtig gewesen. Die „Belle Époque“ begann aber erst um 1880 und dauerte bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges.
Der Wunschpreis wurde erreicht
Den Wert des Objektes bezifferte die ZDF-Expertin indes recht korrekt mit etwa 250 bis 300€. Die Obergrenze der Schätzung stelle ihre Schmerzgrenze dar, so Verkäuferin Juliane. Dementsprechend bekam sie von Moderator Horst Lichter die Händlerkarte ausgehändigt.
Die Rarität aus Idar-Oberstein stieß bei den Anwesenden im Händlerraum auf Begeisterung. Schlussendlich machte Wolfgang Pauritsch das Rennen und erwarb den kleinen Kiosk für 300€. Der Wunschpreis wurde demnach erreicht. Ein echter Gewinn für den Händler ist aber wohl nicht mehr drin.


