Wirksam wirbt das Weib bietet einen faszinierenden Blick zurück auf über 150 Jahre Werbung, in deren Zentrum das Bild der Frau als Werbeträgerin steht.

Herausgegeben von Michael Weisser, versammelt dieser reich illustrierte Band Bild- und Textdokumente, die zeigen, wie unterschiedlich Frauenfiguren in der Reklame eingesetzt wurden – vom Mädchen über die Mutter bis zur „Verführerischen“ oder „Engelhaften“ Gestalt.
Der Bildband deckt hauptsächlich die Jahre 1880 bis 1930 ab – eine Zeit, in der Werbung erst richtig aufblühte und Stile wie Historismus, Jugendstil oder Art Déco prägten.
Die Frau in mannigfaltigen Rollen
Die Auswahl der Werbemotive zeigt die Frau in mannigfaltigen Rollen: als Hausfrau, als elegant gepflegte Konsumentin, als exotisierte „Fremdländische“, als liebende Mutter – und oft als Projektionsfläche gesellschaftlicher Ideale und Vorurteile.
Besonders stark ist die Gegenüberstellung von Bildern und zeitgenössischen Text-Quellen, die nicht nur die ästhetische Seite der Werbung zeigen, sondern auch die sozial-politischen Realitäten und Rollenbilder jener Zeit beleuchten.
So findet man nicht nur Werbebilder, sondern auch Texte von Zeitgenossen wie August Bebel oder Clara Zetkin, die Einblick geben in Diskussionen um Frauenarbeit, Emanzipation und gesellschaftliche Erwartungen.
Eine künstlerisch-dokumentarische Sammlung
Das Buch ist kein trockenes Fachbuch im klassischen Sinne, sondern eher eine künstlerisch-dokumentarische Sammlung, die dem Leser erlaubt, selbst Verbindungen zwischen Reklameästhetik und historischen Rollenbildern herzustellen.
Die Illustrationen und ausgewählten Zitate regen zum Nachdenken über die Entwicklung von Frauenbildern in der Werbung an – und darüber, wie sehr vergangene Stereotype bis heute nachwirken.
Das Buch eignet sich für Leser, die sich für Werbegeschichte und visuelle Kultur interessieren und für alle, die verstehen möchten, wie Werbung gesellschaftliche Rollenbilder geprägt hat und wie diese Bilder historisch entstanden sind.
Auch für Studierende der Medien-, Kultur- oder Geschlechtergeschichte, die gern primäre Quellen sehen statt nur theoretische Analysen, ist der Band eine gute Quelle.
