Um 1900 beeinflusste Firmin Bouisset mit einfachen Bildern und klaren Botschaften die Welt der Reklame. Seine Plakate, u.a. für Menier, LU oder Maggi, prägten das Straßenbild der Belle Époque und machten Marken unverwechselbar. Ein stiller Pionier der Werbekunst, dessen Motive bis heute nachwirken.

Paris, Ende des 19. Jahrhunderts. Straßen und Boulevards sind ein Meer aus Farben, auf denen sich Bilder mit auffälligen Figuren, charmanten Szenen und klaren Botschaften stapeln.
Inmitten dieser visuellen Revolution der modernen Werbung verstand Firmin Bouisset es, einfache Bilder zu Botschaftern großer Marken zu machen.
Vom Sohn eines Müllers zum gefeierten Plakatkünstler
Firmin Maurice Étienne Bouisset wurde 1859 in Moissac im Département Tarn-et-Garonne in der Region Okzitanien im Südwesten Frankreichs geboren, als Sohn eines einfachen Müllers.
Bereits früh entdeckte er sein zeichnerisches Talent und ging nach Toulouse, später nach Paris, um an den renommierten Écoles des Beaux-Arts zu studieren. Dort lernte er traditionelle Techniken, doch seine spätere Karriere sollte ihn weit über klassische Malerei hinausführen.
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Bouisset begann seine Laufbahn als Illustrator: er schuf Chromos und Kinderbücher – farbige Bilder, die bald im ganzen Frankreich beliebt waren. Doch schnell fand er seine wahre Berufung in der Werbung: Der Plakatkunst.
In einer Epoche, als die Werbung begann, die Massen anzusprechen, gelang es Bouisset, Bilder zu erschaffen, die sofort ins Herz gehen – ganz ohne komplizierte Botschaften. Stattdessen setzte er auf Kinder, Emotion und Alltagsmomente als Träger der Marke.
Tochter Yvonne als Botschafterin für Schokolade
Einige seiner Plakate sind bis heute ikonische Symbole der frühen Werbegeschichte: 1892 erhielt Bouisset den Auftrag der Schokoladenfabrik Menier.
Er setzte seine eigene Tochter Yvonne als Modell ein und entwarf das Bild eines Mädchens, das mit einem Stück Schokolade auf eine Wand schreibt “Éviter les contrefaçons”, was soviel heißt wie “Fälschungen vermeiden”. Darüber in blauem Feld der Markenname “Chocolat Menier”.

(Bild: Wormser Classic Auctions)
Dieses Sujet wurde schnell zum Markenzeichen und prangte nicht nur auf Plakaten, sondern auch auf Packungen und Werbeobjekten aller Art – von Tellern bis Thermometern.
Auch heute noch findet man etliche Reproduktionen (und leider auch Fälschungen) von Email- und Blechschildern mit diesem Motiv. Originale sind sehr gesucht und erreichen oft fünf- oder gar sechsstellige Beträge.
Der von Hand gezeichnete Entwurf dieser Plakatwerbung gehört heute zur Sammlung des Musée d’Orsay – ein Zeichen dafür, wie sehr Bouisset die Grenzen zwischen Kunst und kommerzieller Werbung auflöste.
Der LU-Schuljunge und das Maggi-Mädchen
1897 schuf Bouisset für die Biscuitmarke LU (Lefévre-Utile) das Bild eines kleinen Schuljungen mit einem Korb voller Kekse. Diese einfache, natürliche Darstellung wurde zur Ikone der Marke und ist bis heute eng mit LU verbunden.

(Bild: Ex-Fundus Sammler.Net)
Legendär ist ebenfalls das Maggi-Mädchen von Bouisset: Es hält auf Plakaten und Schildern ein Emailschild der Marke vor sich. Ein weiterer genialer Entwurf aus der Hand des Franzosen.
Diese Motive zeigen Bouisset’s Fähigkeit, Herzerwärmendes und Wirtschaftliches zu verbinden und dabei einprägsame Markenidentitäten zu schaffen.
Auch wenn heute seine Bilder nostalgisch wirken, war Bouisset ein echter Pionier der Werbung. Er erkannte früh, was die moderne kommerzielle Kommunikation braucht: klare Botschaften, starke Figuren und eine Emotion, die hängen bleibt.
Seine Plakate gehörten zu den meistgedruckten ihrer Zeit und machten ihn zu einem gefragten Reklame-Künstler für viele Firmen. So ist sein Platz in der Sammler.Net-Reihe “Legenden der Reklame” mehr als gerechtfertigt!
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Trotz seines Erfolges in der Werbewelt blieb Bouisset seiner künstlerischen Neigung treu: Er malte, gravierte und versuchte sogar, ein Museum für Gravuren in Moissac zu gründen, ein Projekt, das leider nur kurz existierte.
Espace Firmin Bouisset in Castelsarrasin
Bouisset starb 1925 in Paris, doch sein Einfluss lebt weiter. In Castelsarrasin, unweit seiner Heimatstadt, gibt es heute das Espace Firmin Bouisset – ein Zentrum, das seine Arbeiten, Skizzen und Plakate würdigt.
Und auch im internationalen Museumskontext finden seine Plakate wieder Beachtung, beispielsweise in Ausstellungen im Musée d’Orsay, wo seine Originale der Menier-Entwürfe gezeigt werden.

In einer Zeit, in der Markenbilder allgegenwärtig sind, wirkt Bouisset wie ein früher Visionär: Er verstand Werbung nicht als banale Konsumaufschrift, sondern als visuelle Erzählung, die im Gedächtnis bleibt.
Seine Bilder, kinderleicht im Ausdruck, doch kunstvoll in Technik und Komposition, markieren einen Wendepunkt in der Geschichte der kommerziellen Kunst. Seine Plakate sind kulturelle Ikonen einer Ära, in der die Reklame zum öffentlichen Kunstwerk wurde.