Ein Stück Mannheimer Industriegeschichte mit Sammlerwert: Sunlicht. Vom Werbeschild zum Kultobjekt, und vom Seifenkessel zur Weltmarke. Eine Marke, die bis heute glänzt wie ihr Name.

(Bild: Micky Waue Auktionen | Invaluable.com)
Tiefblauer Hintergrund, gelbe Randlinierung, ebenso gelbe und weiße Akzente in Typographie und Grafik: ein Emailschild, strahlend wie der Markenname selbst, Sunlicht.
Wer heute auf Flohmärkten oder Reklamebörsen eines dieser alten Reklameschilder entdeckt, hält mehr als nur ein Stück Blech in den Händen. Es ist ein Fragment aus einer Epoche, in der Seife nicht bloß ein Gebrauchsartikel war, sondern Symbol für Fortschritt, Hygiene und modernen Lebensstil.
Sunlicht war die Sonne, die in die Waschküchen des Kaiserreichs schien. Und sie leuchtet bis heute im kollektiven Gedächtnis von Sammlern und Industriehistorikern.
Das wohl am häufigsten auftauchende Sunlicht-Schild (Bild oben) gab es in diversen Formaten. In der Größe von 118 x 78 cm und dem guten Erhaltungszustand 1 ist es aber sehr selten und besonders eindrucksvoll.
Vom Seifenkessel zur Großfabrik
Die Geschichte von Sunlicht beginnt im ausgehenden 19. Jahrhundert. Der englische Unternehmer William Lever revolutionierte die Seifenherstellung, indem er industrielle Produktion, gleichbleibende Qualität und markenbewusste Verpackung kombinierte.
Seine Sunlight Soap versprach Reinheit und Licht – zwei Begriffe, die weit über Sauberkeit hinaus reichten. 1899 brachte Lever diese Idee nach Deutschland. In Mannheim-Rheinau entstand die Sunlight Seifenfabrik AG, mit modernster Technik, dampfbetriebenen Maschinen und direktem Zugang zum Rhein.

(Bild: Rhein Neckar Industriekultur E.V.)
Bald zählte die Anlage zu den größten Seifensiedereien Europas, ein Glanzpunkt der jungen Konsumgüterindustrie. Hier wurde nicht mehr im Kessel gerührt, sondern im industriellen Maßstab produziert: Seife in Serie, Marke mit System.
Reklame, dekorativ und geschäftsentscheidend
So innovativ wie die Produktion war auch das Marketing. Sunlicht verstand früh, dass Reklame nicht bloß dekorativ, sondern geschäftsentscheidend war.
Überall prangten Emailschilder an Hauswänden: tiefblauer Grund, ein stilisiertes, knallgelbes Sonnenmotiv, moderne weiße, resp. blaue Lettern. Sie waren wetterfest, leuchteten im Straßenbild und machten die Marke unübersehbar.

(Bild: Wormser Classic Auctions | Invaluable.com)
Illustrierte Anzeigen in Magazinen zeigten elegante Hausfrauen, die dank Sunlicht mühelos strahlend weiße Wäsche zauberten – ein Bild der neuen Zeit: Sauberkeit als Zeichen von Zivilisation und Aufstieg.
Diese Werbemittel, oft mit Jugendstilornamenten und typografischer Raffinesse gestaltet, waren handwerkliche Meisterstücke. Kein Wunder, dass sie heute begehrte Sammlerobjekte sind.
Besonders gesucht sind die frühen emaillierten Werbeträger. In Auktionen erzielen diese originalen Sunlicht-Schilder oft hohe Preise. So wie das “Sunlicht Seife”, das im Mai dieses Jahres anlässlich der 37. Wormser Reklame-Auktion für nicht weniger als 38.000€ zzgl. Aufgeld einen neuen Besitzer fand.
Im Katalog hieß es zu der Rarität: “Dieses Meisterwerk deutscher Emaillierkunst in solch feiner Erhaltung aufzufinden, lässt unser Herz höher schlagen. Schließlich handelt es sich um eines der frühesten deutschen Motivschilder überhaupt.”

In diesem Zustand wohl einzigartige. Im Mai 2025 erzielte dieses Exemplar in Worms 38.000€ zzgl. Provision.
(Bild: Wormser Classic Auctions | Invaluable.com)
Vom Rhein in die Welt – und zurück
Mit dem Erfolg der Marke expandierte das Unternehmen. 1929 fusionierten die Lever Brothers mit der niederländischen Margarine Unie – Sunlicht wurde Teil des neu gegründeten Weltkonzerns Unilever. Von Mannheim aus belieferte man nun Märkte in ganz Europa.

“Soleil” ist der französische Name des Produktes, deutsch der Anzeigentext. Typisch für Luxemburg.
(Bild: “Escher Tageblatt“, 21. April 1932)
Nicht überall waren die Produkte unter dem Markennamen “Sunlicht”, respektiv als “Sunlight” bekannt. In französischsprachigen Ländern etwa wurde die Seife aus Mannheim als “Soleil” bekannt, kurz “Sonne” demnach.
Doch die 1930er Jahre brachten Turbulenzen. In einem zunehmend nationalistisch geprägten Umfeld wurde die britisch geführte Firma misstrauisch beäugt. Trotzdem überdauerte die Marke politische Umbrüche, Krieg und Nachkriegszeit und kehrte in den 1950er Jahren mit neuem Glanz zurück.
In den Wirtschaftswunderjahren stand Sunlicht wieder für Fortschritt, Reinheit und familiären Wohlstand. Die Werbung zeigte glückliche Hausfrauen, glänzende Waschbecken und fröhliche Kinder; eine helle, saubere Welt, in der das Sonnenlicht nun aus Mannheim strahlte.
Das langsame Verblassen
Doch selbst das hellste Licht kann mit der Zeit verblassen. In den 1980er und 1990er Jahren wurde Sunlicht zunehmend von neuen Marken verdrängt. Der Name verschwand schließlich aus den Regalen, der Standort Mannheim blieb. Heute produziert dort Unilever andere weltbekannte Marken wie Dove oder Rexona.

Dieses Exemplar brachte im Jahr 2020 bei einer Friedrichsdorfer Auktion 13.000€ zzgl. Aufgeld.
(Bild: Micky Waue Auktionen | Invaluable.com)
Geblieben ist neben dem Standort ebenfalls das kulturelle Nachleuchten. In der Geschichte von Sunlicht spiegelt sich die Entwicklung der modernen Konsumgesellschaft: vom handwerklichen Produkt über industrielle Markenbildung bis hin zur globalen Markenarchitektur.
Wenn heute ein altes Emailschild im Sonnenlicht aufblitzt, erfüllt sich der Markenname auf poetische Weise: Sunlicht, ein Stück Industriegeschichte, das bis heute strahlt.
