Daniel Peter experimentierte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Vevey am Genfersee mit Milchschokolade. Aus seinen Versuchen entstanden die Marken Gala und Delta, die zeigen, wie Schokolade damals vom handwerklichen Produkt zur industriell hergestellten, marktfähigen Süßigkeit wurde.

Als Daniel Peter, geboren 1836 in Moudon als Sohn eines Metzgers, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Vevey mit Schokolade arbeitete, war diese bereits ein vertrautes Produkt.
Die feste Tafelschokolade war auch keine Neuerung mehr: Schon Jahrzehnte zuvor hatte François-Louis Cailler in der Region begonnen, Schokolade in Tablettenform industriell herzustellen. Peter, der 1863 durch die Heirat mit dessen ältester Tochter Fanny, Caillers Schwiegersohn wurde, konnte also auf eine bestehende Tradition und Infrastruktur aufbauen.
Neu war hingegen die Frage, ob sich Milch dauerhaft mit Schokolade verbinden ließ. Die Idee war nicht unbekannt – in Deutschland hatte man bereits im frühen 19. Jahrhundert mit milchhaltigen Schokoladen experimentiert.
Diese Versuche blieben jedoch technisch heikel: Milch verdarb schnell, die Produkte waren instabil und nur begrenzt haltbar. Milchschokolade existierte, aber sie setzte sich nicht durch.

(Bild: Wormser Classic Auctions)
Daniel Peter ließ das Thema dennoch nicht los. Über Jahre experimentierte er mit verschiedenen Rezepturen, immer auf der Suche nach einer Lösung, die sich nicht nur geschmacklich, sondern auch praktisch bewährte.
“Gala“: Abgeleitet vom griechischen Wort für Milch
Der entscheidende Schritt bestand darin, Milch nicht frisch, sondern in konzentrierter Form zu verwenden. Die von Henri Nestlé entwickelte Kondensmilch erwies sich als geeignet, um Kakao, Zucker und Milch zu einer gleichmäßigen Masse zu verbinden, die sich formen, lagern und transportieren ließ.

1887 brachte Peter diese Schokolade unter dem Namen Gala Peter auf den Markt. „Gala“, abgeleitet vom griechischen Wort für Milch, war Programm. Die Schokolade unterschied sich äußerlich kaum von anderen Tafeln jener Zeit, doch ihre Zusammensetzung war neu.
Sie war milder, weicher im Geschmack und vor allem zuverlässig herstellbar. Gala Peter wurde damit zu einer der ersten Milchschokoladen, die sich dauerhaft im Handel behaupteten.
“Delta”: Dreieckig, wie der griechische Buchstabe
Während Gala für den direkten Verzehr gedacht war, entstand wenig später ein weiteres Produkt aus dem Hause Peter, das einen anderen Weg einschlug: Delta Peter.
Diese Schokolade war nicht zum Abbrechen und Essen bestimmt, sondern zum Auflösen und Trinken. Sie bestand aus Kakao- und Milchbestandteilen, gepresst in kleine, dreieckige Portionen, die einzeln in heißes Wasser oder Milch gegeben werden konnten.

Die Form verwies auf den griechischen Buchstaben Delta und machte zugleich deutlich, dass es sich um ein anderes Produkt handelte als die bekannte Tafel.
Delta kam zeitlich nach Gala, in den 1890er-Jahren, und richtete sich an Konsumenten, die Schokolade weiterhin als Getränk schätzten. In einer Zeit, in der sich Ess- und Trinkschokolade noch nebeneinander behaupteten, ergänzte Delta das Sortiment um eine zeitgemäße, portionierte Lösung.
Weitere eigenständige Marken aus Peters Betrieb sind kaum dokumentiert. Das Unternehmen entwickelte sich vielmehr im Verbund mit anderen Schweizer Schokoladenhäusern weiter.

Schweiz um 1895-1900, 22 x 44 cm, Lith. O de Rycker & Mendel, Bruxelles.
Zusammenschlüsse mit Cailler und Kohler führten schließlich zur Eingliederung in größere Strukturen, aus denen später die Nestlé-Gruppe hervorging. Der Name Peter’s Chocolate blieb vor allem im professionellen Bereich erhalten.

Von der Idee zum verlässlichen Produkt
Daniel Peters Beitrag zur Schokoladengeschichte liegt damit weniger in einer einzelnen Erfindung als in einer Übersetzungsleistung: Er überführte eine bekannte, aber problematische Idee – Milch in Schokolade – in ein verlässliches Produkt.
Mit Gala und Delta zeigte sich, wie Schokolade am Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend standardisiert, markenfähig und vielseitig einsetzbar wurde. Peters Arbeit steht exemplarisch für diesen Übergang von der handwerklichen Versuchsanordnung zur industriell geprägten Genusskultur.