
Cinzano steht seit 1757 für Geschmack, Unternehmergeist und außergewöhnliche Werbung. Von ikonischen Plakaten der Jahrhundertwende über spektakuläre Reklameaktionen bis hin zu bekannten TV-Spots. Cinzano prägte nicht nur den Vermouth, sondern auch die Geschichte moderner Markenkommunikation – und schuf begehrte Sammlerobjekte.
1757, im Herzen von Turin. Zwei Brüder, Giovanni Giacomo und Carlo Stefano Cinzano, eröffneten ihr Kräutergeschäft und brauten einen aromatisierten Wein auf der Basis von Kräutern aus den italienischen Alpen. Die geheime Rezeptur bestand aus etwa 35 Zutaten, die später unter dem Namen „Vermouth“ weltberühmt wurde.
Dieser „Vino Vermouth“ fand schnell Anklang bei Turin’s bürgerlicher Oberschicht, bis hin zu Casanova. Der soll ein großer Anhänger des Getränks gewesen sein.

Nach einem Entwurf von Adolfo Hohenstein (1854 – 1917)
Im 19. Jahrhundert wuchs Cinzano rasch über seine regionale Wurzeln hinaus. Neben dem Vermouth entstand ein italienischer Schaumwein nach Champagner-Vorbild, und die Familie fand sich bald auf internationalen Märkten wieder.
1884 führte das Unternehmen auf der Expo in Turin erstmals kostenlose Verkostungen und verbesserte Produktetiketten ein – frühe Schritte in Richtung moderner Markenkommunikation.
Die Kunst der frühen Reklame
Doch es war vor allem die Werbung, die Cinzano in der breiten Öffentlichkeit bekannt machte. Cinzano engagierte einige der führenden Künstler ihrer Zeit für Werbemotive und verband so Produkt und ästhetische Kultur.

Dieses Exemplar erzielte 2022 in Friedrichsdorf (siehe hier) 70.000€.
(Bild: Micky Waue Auktionen | Invaluable.com)
Um 1900 entstand eine Reihe ikonischer Plakate von Künstlern wie Leonetto Cappiello oder Adolfo Hohenstein. Diese Werke gehören heute zu den großen Klassikern der Werbegeschichte. Sie präsentierten nicht nur ein Produkt, sondern ein Lebensgefühl: elegante Gesellschaft, Geselligkeit und italienische Lebensart.
Doch diese Motive blieben nicht auf Papier. Parallel zur Plakatkunst florierte auch die Reklame mit Blech- und vor allem auch Emailschildern. Besonders in den 1920er/1930er Jahren entstanden großformatige Cinzano-Emailschilder nach Cappiellos Entwürfen. Sie gehörten zu den aufwendigsten Reklameobjekten ihrer Zeit
Am Rande sei erwähnt, dass ein Emailschild mit dem bekannten Cappiello-Motiv des gestreiften Zebras 2025 im Mittelpunkt des traditionellen Aprilscherz-Beitrags von Sammler.Net stand: siehe hier!

(Bild: Wormser Classic Auctions | Invaluable.com)
Schon früh erkannte Cinzano: Werbung muss mehr sein als bloße Information: sie muss Emotion, Stil und Identität transportieren. Und keine Künstlerfigur steht dafür exemplarischer als eben Cappiello, der heute als einer der bedeutendsten Werbegrafiker des 20. Jahrhunderts gilt und oft als „Vater des modernen Posters“ bezeichnet wird.
Pionier des Guerilla Marketings
Ein besonders spektakuläres Werbeformat war 1911 auch der Einsatz eines Flugzeugs über Mailand, das Tausende Werbekarten mit der Marke Cinzano über der Stadt verstreute, ein frühes Beispiel für Guerilla-Marketing.
So bezeichnet man in der Branche eine unkonventionelle, kreative Werbestrategie, die mit minimalem Budget maximale Aufmerksamkeit durch Überraschungseffekte erzielt. Dies indem sie Konsumenten an unerwarteten Orten und in ungewöhnlichen Situationen anspricht, um eine starke emotionale Bindung und Mundpropaganda zu erzeugen.
In der Zwischenkriegszeit setzte Cinzano seine visuelle Strategie fort. Große Anzeigekampagnen in Zeitungen, sportliche Sponsoring-Aktivitäten und das charakteristische rot-blaue Logo von 1925 trugen dazu bei, dass die Marke als Symbol italienischer Lebensart wahrgenommen wurde.
Mit Werbung auf Wachstumskurs
Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Werbung für Cinzano in den 1960er und 1970er Jahren einen neuen Höhepunkt: Kino-, Radio- und fernsehspots prägten das öffentliche Bild.
Besonders populär wurden die TV-Kampagnen mit der Sängerin Rita Pavone, deren Jingle „Cin cin… Cinzano“ (nach dem Song “Cin Cin C’Innamoriamo”) zum festen Bestandteil der italienischen Sprache wurde.
Einen unerwarteten weltweit wirkenden Werbecoup landete Cinzano Ende der 1970er Jahre mit einer Serie humorvoller TV-Spots in Großbritannien. Die britischen Schauspielstars Leonard Rossiter und Joan Collins traten in mehreren Sketchen auf, in denen Rossiter immer wieder unfreiwillig einen Drink über Collins vergoss.
Diese Kampagne war nicht nur ein Publikumsliebling, sie brachte Cinzano 1983 sogar den „Favourite Commercial“-Award ein und stärkte die Position des Vermouths im Massenbewusstsein.
Laut Medienanalysen hatte diese erfolgreiche Werbe-Serie außerdem einen „Halo-Effekt“: Sie steigerte nicht nur Cinzano-Verkäufe, sondern belebte die gesamte Kategorie des Vermouths in Großbritannien über Jahre.

Dieses Exemplar erzielte 16.000€ bei der 34. Wormser Reklame-Auktion.
Mit dem Aufstieg neuer Medien nutzte Cinzano auch Produktplatzierung und kulturelle Referenzen: In der Fernsehsendung Mad Men, die den Werbealltag der 1960er Jahre dramatisiert, wurde die Marke mehrfach eingebunden, ein Hinweis darauf, wie tief Cinzano als kulturelles Artefakt im kollektiven Gedächtnis verankert ist.
Markenwechsel und Zukunft
1999 wurde Cinzano Teil des italienischen Campari-Konzerns, der die Marke weiter globalisierte und ihr Sortiment mit Produkten wie Vermouth Rosé oder Extra Dry ergänzte.
Im Jahr 2025 kündigte Campari jedoch den Verkauf der Cinzano- und Frattina-Marken an die Caffo Group 1915 an, ein strategischer Schritt zur Portfolio-Straffung des Spirituosenkonzerns.
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Cinzano ist mehr als nur ein Aperitif – es ist ein Beispiel dafür, wie Werbung, Kunst und Kommunikation eine Marke über Jahrhunderte formen und in unterschiedliche Kulturen tragen können. Von kunstvollen Plakaten über spektakuläre Luftaktionen bis hin zu ikonischen Fernsehspots prägte Cinzano die Entwicklung moderner Reklame und machte Vermouth zu einem globalen Begriff.
In einer Branche, die heute stark vom Storytelling lebt, bleibt Cinzano ein historisches Lehrstück, wie Werbung Markenidentität schafft – und Konsumenten begeistert.